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Hamburger Traditionswerft Abu Dhabi steigt bei Blohm + Voss ein

15.10.2009 ·  Ende September hat ThyssenKrupp die Nordseewerke in Emden verkauft. Nun geht der Abschied vom Schiffbau weiter. Das Unternehmen trennt sich von weiten Teilen der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. Eine Schiffbaugruppe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten steht als Käufer bereit.

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Der von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelte ThyssenKrupp-Konzern will weite Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an ein arabisches Schiffbauunternehmen verkaufen. Die mehrheitlich staatliche Abu Dhabi MAR Group übernehme jeweils 80 Prozent an den Bereichen Mega-Yachten, Reparatur und Schiffskomponenten. Für den Bau von Militärschiffen wollen die Partner ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Anteil von je 50 Prozent gründen. Die Transaktion benötigt noch die Zustimmung der Aufsichtsgremien sowie der Kartellbehörden. Zum Kaufspreis wollte ThyssenKrupp am Donnerstag keine Angaben machen.

„Unser Partner aus Abu Dhabi hat konkrete Aufträge an der Hand, sowohl im Militär- als auch im Yachtbereich“, sagte ThyssenKrupp-Vorstandsmitglied Olaf Berlien. „Das ist nicht der Anfang des endgültigen Ausstiegs aus dem Schiffbau, sondern eine Lösung für die derzeitige Auftragsflaute.“

Die Wirtschaftskrise hat die Schifffahrtsbetriebe an Nord- und Ostsee stark getroffen (siehe auch Wirtschaftskrise trifft deutsche Werften hart). Der Marine-Schiffbau von ThyssenKrupp habe seit elf Jahren keinen Auftrag aus dem Ausland erhalten, die vier von der Bundesregierung bestellten Fregatten lasteten den Konzern nicht aus. Bei Luxus-Yachten sei das Unternehmen bis vor Kurzem auf fünf Jahre ausgelastet gewesen, nun hätten Kunden aber alle Aufträge storniert. „Den Bereich hätten wir ohne die Lösung mit Abu Dhabi Weihnachten zumachen müssen.“

Kritik von der IG Metall

Thyssen-Krupp hatte seit längerer Zeit nach einem Investor für die Hamburger Traditionswerft gesucht. Zum Werftenverbund von Thyssen-Krupp in Deutschland gehörten bislang drei Standorte: Die Nordseewerke in Emden, die Howaldtswerke in Kiel sowie Blohm + Voss in Hamburg. Erst Ende September hatte Thyssen-Krupp beschlossen, die Emder Nordseewerke an den Windanlagenhersteller SIAG zu verkaufen. In Emden gab es danach heftige Proteste (siehe Werften: Ende des Schiffbaus in Emden).

Die IG Metall kritisierte die neuen Pläne scharf. „Wir sehen darin eine große Gefahr für die Beschäftigten. Auslastungslücken im militärischen Bereich lassen sich künftig nicht mehr mit zivilen Aufträgen ausgleichen“, sagte Hamburgs Erster Bevollmächtigter Eckard Scholz. ThyssenKrupp widersprach. „Die Beschäftigung sollte besser werden und ich hoffe, dass auch die Zahl der Arbeitsplätze hochgeht“, sagte Berlien.

In den drei Blohm + Voss Gesellschaften für den Bau von Yachten, den Reparaturbetrieb und den Bau Schiffskomponenten sind insgesamt rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt. Im Marineschiffbau sind es noch rund 500, allerdings greift der „graue“ (militärische) Bereich künftig im Bedarfsfall auf Kapazitäten des „weißen“ Bereichs zu. Abu Dhabi MAR gehört zu den führenden Schiffbauern der Golf-Region und beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter.

ThyssenKrupp will nach eigenen Angaben „mittel- bis langfristig“ an der 20-Prozent-Beteiligung festhalten.

ThyssenKrupp behält Führung für Nato-Militäraufträge

Bei dem geplanten Joint Venture im Marineschiffbau mit dem Namen Blohm + Voss Naval soll ThyssenKrupp die Führung bei allen Projekten der Deutschen Marine und der Nato-Partner behalten. „Abu Dhabi MAR wird für den Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich sein“, sagte Berlien. Dort gebe es ein wachsendes Bedürfnis nach Kriegsschiffen, etwa um im Meer gelegene Öl- und Gasvorkommen zu sichern. „Abu Dhabi hat in dieser Region exzellente Kontakte“, sagte er. Bei Aufträgen soll das jeweils erste Schiff in Deutschland gebaut werden, der Rest vor Ort. Mit Hilfe der Allianz will ThyssenKrupp die roten Zahlen im Werften-Bereich bald hinter sich lassen. „Wir wollen innerhalb von zwei Jahren wieder profitabel werden“, sagte Berlien.

Der Schiffbau in Deutschland steckt in der größten Auftragsflaute seit Jahrzehnten. Binnen Jahresfrist haben fünf Werften Insolvenz angemeldet. Viele Aufträge sind storniert worden, darunter 56 Containerschiff-Bestellungen. Für diesen Bereich sieht ThyssenKrupp in Deutschland keine Zukunft mehr. „Container-Schiffbau wird es bei uns künftig nicht mehr geben, nur noch in Asien.“ Anders ist die Lage im U-Boot-Bau: Bei nicht nuklearen Booten ist ThyssenKrupp Marktführer und bis Ende des nächsten Jahrzehnts ausgelastet.

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