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Computer-Angriffe : Deutschland ist nicht gut vorbereitet

Angriff von Unbekannt Bild: Reuters

Vielleicht war es nur Glück, dass der Hacker-Angriff vom Wochenende Deutschland nicht härter getroffen hat. In der Computersicherheit gibt es noch einiges zu verbessern.

          Dass der große Hacker-Angriff „Wanna Cry“ am Wochenende gestoppt wurde, war Glück. In Dutzenden Ländern breitete sich eine Software aus, die die Daten auf Computern unzugänglich machte. Nur gegen eine hohe Zahlung wollten die Hacker die Daten wieder freigeben. Doch dann fand ein Sicherheitsanalyst eine unbenutzte Internetadresse in der Schadsoftware. Er registrierte sie aus Neugier für sich. Zufällig setzte er so die Notabschaltung der Software in Gang und bremste ihre weitere Ausbreitung.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Bis zu diesem Zeitpunkt war Deutschland noch relativ glimpflich weggekommen. Dass Anzeigetafeln der Bahn ausfielen, war für viele Deutsche noch die spürbarste Folge der Attacke. Vielleicht kam der zufällige Stopp der Software zur rechten Zeit. Denn Deutschland ist auf Angriffe im Cyberspace nicht optimal vorbereitet.

          Vor allem der Staat ist schlecht vorbereitet

          Woran es Deutschland fehlt, das zeigt der „Cyber Readiness Index“ (Cyber-Bereitschafts-Index) des amerikanischen „Potomac Instituts“. Dort arbeitet Melissa Hathaway, die einst für den damaligen Präsidenten Barack Obama die Cyber-Strategie entwarf. Sie prüft jetzt ein Land nach dem anderen darauf, wie gut es auf digitale Bedrohungen vorbereitet ist. Deutschland bekommt nur mittelmäßige Noten.

          Eines der größten Probleme: Deutschland ist schwach darin, eigene Angriffs- und Abwehrwerkzeuge zu entwickeln. „Deutschland steht vor einem deutlichen Mangel an Sicherheitsexperten, vor allem in Diensten der Regierung.“ An diesem Befund lässt sich schwer zweifeln – zumal wenn jetzt deutlich wird, welche Schwierigkeiten die Bundeswehr hat, gutes Personal für ihre IT-Abwehrtruppe zu finden: Sicherheitsexperten wollen mehr verdienen und unterwerfen sich nicht gern den ungezählten Regularien von Militär und öffentlichem Dienst.

          Zudem kritisiert Sicherheitsexpertin Hathaway den Informationsfluss zwischen den staatlichen Stellen im föderalistischen System. „Deutschland hat Abwehrprogramme sowohl im Bund als auch in den Ländern“, heißt es in dem Bericht. Das erschwere die Zusammenarbeit. Und: „Gegen die ausgefeiltesten und technisch fortgeschrittensten Bedrohungen können sich die Länder unterschiedlich gut verteidigen.“

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          Andere europäische Länder stehen noch schlechter da

          Kein Trost ist es, dass Deutschland nicht allein dasteht. In anderen kontinentaleuropäischen Ländern sieht es nicht besser aus. An diesem Montag erst hat Hathaway ihren Bericht für die Niederlande vorgelegt – und die schneiden noch schlechter ab. Nicht mal 0,02 Prozent seiner Wirtschaftsleistung gebe das Land für seine Cyber-Sicherheit aus. Dabei wäre schon das nur ein Hundertstel des Nato-Ziels für allgemeine Verteidigungsausgaben von 2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

          Großbritannien kommt in der Sicherheitsanalyse besser weg, die Vereinigten Staaten sowieso. Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass der glückliche Sicherheitsanalyst, der „Wanna Cry“ stoppte, offenbar in England wohnt und für ein amerikanisches Unternehmen arbeitet.

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