20.12.2012 · Anselm Bilgri, Unternehmensberater und ehemaliger Benediktinermönch, über die Skandale der Deutschen Bank, hohe Managergehälter und die Zehn Gebote.
Von Henning Peitsmeier, MünchenRichtlinien für Lesermeinungen
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Wenn mich etwas mistrauisch macht, dann ist es die Kombination Unternehmensberater und ...
--- kirchlich geprägte Vergangenheit, weil beides darauf schliessen
lässt, dass mit der Wahrheit nachlässig umgegangen wird.
"Anselm Bilgri, Unternehmensberater und ehemaliger
Benediktinermönch, über die Skandale der Deutschen Bank, hohe
Managergehälter und die Zehn Gebote." = eine prikelnde
Kombination -
Fehlen nur noch politische Ambitionen, weil das das Bild perfektionieren würde.
Was an dem 17-Millionen-Euro-Gehalt von Volkswagen-Chef Martin
Winterkorn anstössig sein soll kann ich nicht nachvollziehen. Oder
ist der Volkswagenkonzern nicht eins der erfolgreichsten Unternehmen und
schafft fortgesetzt immer wieder neue Arbeitsplätze. Und unsere
Politik zerstört genau solche Arbeitsplätze oder/und wenn sie
den welche "schafft" dann nur über Subventionen mit
unseren Steuergeldern. Was also sollen uns solche Interviews
nahebringen? Vielleicht dass beten besser ist als beherztes Handeln? Na
wenn man meint dann bitte schön.
....beides gehört zum "Standard-Programm" der teuren Aus-und Weiterbildungsangebote für Führungskräfte. Was wohl fehlt, ist die "innere Einsicht" - vom Herrn Bilgri als "Demut" bezeichnet. Welcher Manager, welche Führungskraft nimmt sich heute noch die Zeit zur Muße und inneren Selbstreflexion? Das Termin-und Themen-hopping ist üblich, wer sich mehr als zehn Minuten mit einem Thema aufhält gilt als "Low-Performer" und wird abserviert. Nach der Teilnahme an Managementgipfeln und Business-Meetings von Hamburg bis Davos bleibt meist nur die ausgebeulte Sakkotasche mit neuen Visitenkarten und Kontakten. Die anschließende Aufbereitung und inhaltliche Auseinandersetzung mit neuen Anregungen? Fehlanzeige. Umsetzung neuer und zielführender Ideen von den Top-Etagen bis in die Kellerräume der Unternehmen? Irrtum. Schließlich gilt die Orientierung an Quartalszahlen und das Shareholder-Value. Manager-Mikado. Wer sich bewegt, wird entsorgt. Meistens aber sorgenfrei mit "goldenem Handschlag".
@Herr Keller et al.: Demut ist nicht nur ein persönlicher, sondern auch eine systemischer Wert
Es ist falsch "Demut" moralistisch auf den Bereich einer
Privat-"Moral" zu beschränken.
Demut ist ein zutiefst sozialer Wert. Dh.: es ergibt mehr als Sinn,
diesen Wert in einer Gemeinschaft einzufordern. Demut heißt: Mut
zum Dienen. Und das ist doch dann eine sehr revolutionäre Forderung
in einer Gesellschaft, die gerne in sozialdarwinistischem Missverstehen
das "Recht des Stärkeren" affirmativ wie negierend
propagiert, eriner Gesellschaft also, in der es v.a. um die Konstante
"Herrschaft" geht.
Wenn die "Ermächtigung des Subjektes" nicht in Dienst an
der Gesellschaft/ Gemeinschaft mündet, dann wirft sie das
Krebsgeschwür auf, in dem die Strukturen einer sozialen
Marktwirtschaft in den letzten 25 A zunehmend versunken sind.
"Demut verlangen" doch eigentlich nur
Feudalherrscher, dachte ich immer. Aber die eigenen Fehler findet man ja an den Anderen immer am schlimmsten, warum sollte Herr Bilgri da die Ausnahme bilden?
Kaum ist etwas Gras über diverse Skandale des Herrn Bilgri
gewachsen, dann kommt er schon - pünktlich vor Weihnachten - als
die hohe moralische Instanz daher und will seine Manager-Kollegen schulmeistern.
Erst einmal soll er vor der eigenen Hütte kehren. Da ist
nämlich noch ziemlich viel zu tun.
war es je anders?
Was wir brauchen sind ganz genaue, eng ausgelegte Regeln und knallharte
Strafen schon
bei den kleinsten Verstößen. Es muss weh tun, sonst wirkt es
nicht. Das ist so wie ein Besuch bei der Domina.
Besuch bei der Domina?
Die Bereitschaft, sich in die Hände einer Domina zu begeben, scheint in Ihren Augen, werter SATYRFFM, eine conditio sine qua non zu sein. Nun, ja, doch: Systemimmanent ist, dass der Genuß erst dem Bruch der Regeln folgt. Was erwarten Sie nun von den entsprechend geneigten Herrschaften? Sollen sie in ewiger Vorfreude verharren?
Ganz recht
Außerdem eine gesetzliche Höchsteinkommensgrenze von, sagen wir, dem 20fachen dessen, was der kleinste Angestellte/Arbeiter der betreffenden Firma verdient. Damit wäre das Shareholder-Value-Prinzip endlich durchbrochen, und die Manager hätten wieder das Interesse (und Einkommen) ihrer Arbeiterschaft im Blick (und sei es - wie anders - aus Eigennutz).
Mit der Finanzkrise ist es in Mode gekommen, „die“ Banker, „die“ Manager in die Pflicht zu nehmen („sie haben Vorbildfunktion“), wo längst die Kritik an der Gesellschaft – die Selbstkritik – angezeigt wäre. Oder ist es nicht so, dass die Gesellschaft ihre Wertvorstellungen in die Managergehälter projiziert? Das ist nicht nur eine faule Kritik, sondern für die „Manager“ selbst meist folgenlos. Denn es schützt sie das Getue um die sog. Leistungsträger. Ein zudem schwammiger Begriff, der nicht klärt, worin die Leistung eigentlich besteht. Dienst an sich selbst (mit Anspruch auf eine höhere Bezahlung), oder Dienst an der Gesellschaft (mit Verpflichtung zu höheren Steuern)! So scheint es niemanden zu stören, dass die, die höhere Gehälter erheischen, nicht selten, dank eben dieser Leistungsideologie, eigentlich nur die wohlfeileren Steuern bezahlen (wollen), oder gar keine. Wo die Gesellschaft solche Werte in den Fokus der Kritik zieht, wird sie auch mit ihren Platzhirschen fertig.
Vielen Dank, Herr Peitsmeier, für das Interview. Hier werden die
richtigen Themen angesprochen.
Wir brauchen wieder eine Rückbesinnung zu christlichen Werten.
Unternehmen sind für die Menschen da und nicht andersrum.
Und man möge mir nicht erzählen, mit einem ethisch gut
geführten Unternehmen könne man keine Ziele erreichen.
Im Gegenteil, was Bestand haben will, muss auf solidem Fundament gebaut werden.
Vielleicht wächst man nicht ganz so schnell, aber auf jeden Fall nachhaltiger.
Die falschen Türme jedenfalls, fangen irgendwann zu wackeln an.
Ich verlange mehr Demut. Der Satz ist ein Widerspruch in sich.
Demut kann man vernünftiger weise nur von sich selbst verlangen, es von anderen einzufordern ist entweder Hochmut oder unübersehbares Symptom einer Megalomanie.
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