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Hamburger Verlag : Gruner + Jahr streicht 400 Stellen

Im Wartebereich der Chefetage: Auswahl von Print-Produkten in der Gruner + Jahr Firmenzentrale Bild: Bode, Henning

Einschlag am Baumwall: Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr will in den nächsten drei Jahren 75 Millionen Euro einsparen. Dafür müssen bis zu 400 Mitarbeiter gehen.

          In der Hauptverwaltung des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“,) am Hamburger Baumwall brennt die Luft. Der Vorstand unter Führung von Julia Jäkel will in den nächsten drei Jahren 75 Millionen Euro einsparen. Dafür müssen bis zu 400 Mitarbeiter gehen. Das sind 17 Prozent der 2400 Beschäftigten in Deutschland.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Diese bittere Botschaft hatte Julia Jäkel im Gepäck, als sie gemeinsam mit ihren beiden Vorstandskollegen Oliver Radtke und Stephan Schäfer am Mittwoch um 10 Uhr vor die versammelten Mitarbeiter am Baumwall trat. Der geplante Personalabbau soll alle Bereiche des Verlags betreffen und schließt die Redaktionen der Zeitschriften ausdrücklich mit ein. Gruner + Jahr nennt noch keine Einzelheiten, da man zunächst mit den Arbeitnehmervertretern sprechen will.

          Aber es ist anzunehmen, dass die großen Flaggschiffe wie „Stern“, „Brigitte“, „Geo“ und „Gala“ am stärksten von den Einschnitten betroffen sein werden. Der Vorstand will sozialverträglich vorgehen und auf Altersteilzeitmodelle zurückgreifen. Frei werdende Stellen bleiben unbesetzt. Die Verlagsführung ist aber erklärtermaßen auch bereit, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.

          Jäkel gab einer ganzen Reihe von Führungskräften und Chefredakteuren den Laufpass

          Julia Jäkel sieht sich durch die negative Geschäftsentwicklung zu diesem Schritt gezwungen. Die 42 Jahre alte Managerin hat  vor eineinhalb Jahren den Vorstandsvorsitz bei Gruner übernommen. Sie leitete einen Umbau ein, der vor allem auf eine Runderneuerung und Erweiterung des publizistischen Angebots sowie den Vorstoß in lange Zeit vernachlässigte, digitale Gefilde zielte.

          Jäkel gab einer ganzen Reihe von Führungskräften und Chefredakteuren den Laufpass. Und im Grunde erwarteten alle, dass es auch auf den unteren Rängen zu spürbaren Einschnitten kommen würde. Schon im Sommer vergangenen Jahres wurde darüber spekuliert, dass perspektivisch wohl 250 bis 400 Mitarbeiter gehen sollten. Doch Jäkel wollte seinerzeit lieber Aufbruchsstimmung wecken als Untergangsstimmung heraufzubeschwören und vermied klare Aussagen zu ihrer Personalplanung.

          Doch inzwischen haben sich das Marktumfeld und mithin auch die Geschäftsaussichten für Gruner + Jahr merklich verschlechtert. Unternehmen schalten weniger Anzeigen, Leser kaufen weniger Zeitschriften und Illustrierte. Die wachsenden Zugriffe im Internet, von denen auch die Verlage profitieren, reichen noch nicht aus, um den Erlösrückgang im angestammten Printgeschäft auszugleichen. Dies bekommen auch andere Häuser wie Burda („Focus“), der Jahreszeiten-Verlag („Für Sie“, „Merian“) oder der Spiegel-Verlag, an dem Gruner + Jahr beteiligt ist, zu spüren.

          Julia Jäkel, die Vorstandsvorsitzende der Verlagsgruppe Gruner + Jahr
          Julia Jäkel, die Vorstandsvorsitzende der Verlagsgruppe Gruner + Jahr : Bild: dpa

          Wenn der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann, dem Gruner + Jahr mehrheitlich gehört, am Freitag seine Halbjahreszahlen vorlegt, wird man schwarz auf weiß sehen, dass es mit dem Hamburger Verlag weiter bergab geht. Dem Vernehmen nach ist der Umsatz im ersten Halbjahr 2014 um rund 100 Millionen Euro auf etwa 900 Millionen Euro gesunken. Das operative Ergebnis dürfte um rund 25 Millionen Euro auf knapp 80 Millionen Euro gesunken sein.

          Dabei spielen freilich auch Konsolidierungseffekte eine Rolle: Im April hatte sich Gruner von dem amerikanischen Druckunternehmen Brown Printing getrennt. Entsprechend fehlt ein Teil der im Vorjahr vereinnahmten Umsätze und Erträge. Dies wird sich im Gesamtjahr noch stärker zeigen: 2014 wird der Konzern wohl nur noch einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro ausweisen nach knapp 2,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Seine einstige Position als größter Zeitschriftenverlags Europas hat Gruner damit endgültig an den Bauer-Verlag („TV Movie“, „Closer“, „Bravo“) verloren, der ebenfalls in Hamburg sitzt.

          „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die Marktbedingungen grundlegend verändert haben“, erklärte Julia Jäkel am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Mit anderen Worten: Die Verlagschefin rechnet auch in nächster Zeit nicht mit Rückenwind vom Markt und will daher die Kosten an die weiter sinkenden Umsätze anpassen. So will sie verhindern, dass Gruner + Jahr in die Verlustzone abrutscht. Bis auf die Jahre 2009 und 2012 hat der Verlag immer Gewinn gemacht. 2012 hatten die Sonderaufwendungen für den weitgehenden Rückzug aus den Wirtschaftsmedien und die Schließung der „Financial Times Deutschland“ unter dem Strich für ein Minus gesorgt. Auch der nun angekündigte Personalabbau verursacht hohe Kosten. Die Sonderaufwand für Abfindungen wird intern auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.

          Quelle: FAZ.NET

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