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Großbritannien Wut und Bitterkeit über Banker mit Bonus

 ·  Trotz exorbitanter Verluste zahlt die Royal Bank of Scotland hohe Boni an ihre Mitarbeiter. Die Empörung darüber ist groß. Der Steuerzahler rettet und die Banker kassieren ab, heißt es. Doch ganz so einfach liegt die Sache nicht.

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Dieser Tage ist die Wut der Steuerzahler auf Großbritanniens Banker groß. „Beamtengehälter sollten diese Leute beziehen. Staatsdiener - nichts anderes sind sie ja jetzt wohl“, bellte ein wütender Passant dem Sender BBC ins Mikrofon. Die Empörung richtet sich vor allem gegen die Royal Bank of Scotland (RBS), die von ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Sir Fred Goodwin dermaßen vor die Wand gefahren wurde, dass sie in diesen Tagen einen Verlust für 2008 von fast 28 Milliarden Pfund ausweisen wird - der größte Verlust eines Unternehmens in der britischen Geschichte.

Ohne die 20 Milliarden Pfund Steuergelder, die der britische Staat als Eigenkapital in die Bank pumpte, könnte die RBS gar nicht mehr existieren. Zu 70 Prozent geht die Bank nun in Staatseigentum über - ein Symbol des Missmanagements im Bankensektor in Zeiten der ungebremsten Hausse. Und dennoch: trotz der Hilfe des Steuerzahlers und exorbitanter Verluste leistet die Bank dieser Tage Bonuszahlungen von 1 Milliarde Pfund für das vergangene Jahr. „Da gab es vertragliche Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern“, räumte Finanzminister Alistair Darling zähneknirschend ein. Schließlich musste die staatliche „UK Financial Investments Ltd (UKFI)“ des Treasury dieser Bonuszahlung zustimmen.

Trotz Pleite wird weiter „abkassiert“

Die Briten können schwer verstehen, warum die Banken das Land in eine schwere Rezession geführt haben und die Banker, die für die Misere verantwortlich waren, immer noch „abkassieren“. Ein Großteil der Bevölkerung fände es nur gerecht, wenn Banker für das vergangene „annus horribilis“ überhaupt keine Bonuszahlungen erhielten.

Die Regierung schimpft daher kräftig über die Ungerechtigkeit der „exorbitanten“ Bonuszahlung. Alistair Darling lancierte am Wochenende in aller Eile eine unabhängige Untersuchung der leistungsabhängigen Entgelte im Bankensektor. Am heutigen Dienstag wird sich der parlamentarische Finanzausschuss Banker wie Sir Fred Goodwin vorknöpfen und ihn - auch mit Blick auf die Bonuszahlungen - „grillen“.

Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank oder der Barclays Bank haben schon vor Wochen angekündigt, dass sie auf ihre Bonuszahlungen verzichten werden. Sie würden ihren Teil der Verantwortung an der Misere tragen. Viele Banker meinen dies auch durchaus erns

Jeder nur für seinen eigenen „Mist“ verantwortlich

Dieser Entscheid lässt sich jedoch nicht „per ordre de Mufti“ auf alle Mitarbeiter übertragen. Bonuszahlungen sind Vertragsbestandteil, auch wenn sie je nach Ertragsentwicklung der Bank, dem Erfolg des Mitarbeiterteams und der Leistung des einzelnen Bankers stark variieren können. Selbst wenn eine Bank einen Verlust ausweist, wirkt sich damit zunächst „nur“ ein Teil der Bewertungsgrundlage für einen Bonus negativ aus. Wenn der Mitarbeiter selbst eine hohe Leistung und einen guten Ertrag für die Bank erwirtschaftet hat und sein Team ebenfalls profitabel gearbeitet hat, dann stehen diesen Mitarbeitern in der Regel Bonuszahlungen zu. Erfolgreiche Devisenhändler würden zum Beispiel mürrisch fragen, warum sie keinen Bonus erhalten sollen, nur weil im Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten Mist gebaut wurde.

Im Fall von Übernahmen zum Beispiel von ABN Amro durch die RBS oder von Lehman Brothers durch Barclays stehen den Mitarbeitern der gekauften Institute Bonuszahlungen aus ihren alten Verträgen zu. Die Hälfte der umstrittenen Bonusmilliarde der RBS fließt zum Beispiel an - sogar entlassene - Mitarbeiter von ABN Amro.

Im Gerangel um die Besten zog keiner die Boni-Bremse

So zahlen die Banken also trotz Abschreibungen, Verlusten und Peinlichkeiten: An der Wall Street werden für das Jahr 2008 fast 18 Milliarden Dollar an Investmentbanker fließen. In der Londoner City werden es etwa 3,6 Milliarden Pfund sein - etwa 40 Prozent der Summe von 2007. Zahlreiche Personalabteilungen haben im Eigeninteresse schon vor langer Zeit begonnen, die Zahlungsanreize der Boni so auszurichten, dass die mittelfristige Ertragsentwicklung der Bank und der Erfolg ihrer Mitarbeiter eine größere Rolle spielen als bisher. Auch werden zunehmend größere Teile der leistungsabhängigen Bezahlungen in Form von Aktien oder Aktienoptionen entrichtet und über mehrere Jahre gestaffelt ausgezahlt, um Mitarbeiter bei der Stange zu halten und ihren Blick vom kurzfristigen Erfolg auf mittelfristig stabile Geschäfte zu lenken.

Letztlich hängt freilich ein gutes Bankgeschäft von Mitarbeitern ab, die die technische Komplexität des Geschäftes beherrschen. Dieses Talent lässt sich teuer bezahlen. In der Londoner City wurde allen Beteuerungen zum Trotz die Regel der leistungsabhängig variablen Bezahlung immer wieder über den Haufen geworfen, wenn hochkarätige Mitarbeiterteams von der Konkurrenz abgeworben wurden. Nicht selten erhielten diese Mitarbeiter von ihrem neuen Arbeitgeber eine Garantie über mehrjährige Bonuszahlungen. Die staatlichen Aufsichtsorgane der Finanzplätze und die Notenbanken konnten sich diese teuren Spielchen nicht leisten. Es ist daher nicht überraschend, dass die Finanzkrise von Seiten der Aufsichtsorgane und Notenbanken - auch wegen mangelnder Fachleute - verkannt wurde.

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, reagierte daher schnell, als in den Vereinigten Staaten eine Gehaltsobergrenze für Investmentbanker von 500.000 Dollar diskutiert wurde. Das Talent arbeite dann sicher gerne für die Deutsche Bank, meinte Ackermann. Die britische Regierung weiß, wovon Ackermann redet: Sie hat neben zahlreichen Beratern mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank angeheuert, damit diese das Treasury bei der Rettung der Banken beraten. Zu ihnen gehört allen voran Anshu Jain, Chef des Bereiches Global Markets, der im Jahr 2007 fast 60 Prozent des Vorsteuergewinnes der Deutschen Bank erzielte und über Jahre mit die höchsten Bonuszahlungen in der Londoner City erhielt.

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