29.01.2008 · „Die Regierung wird es nicht zulassen, dass die Société Générale Objekt einer feindlichen Übernahme durch andere Banken wird“, sagte Premierminister Fillon am Dienstag. Untedessen erreicht der Druck auf das Topmanagement eine neue Dimension - und belastet vor allem den Vorstandsvorsitzenden.
Von Christian SchubertDie französische Regierung will die krisengeschüttelte Société Générale (SG) gegen feindliche Übernahmen schützen. Das kündigte Premierminister François Fillon am Dienstag in Paris an. „Die Regierung wird es nicht zulassen, dass die Société Générale Objekt einer feindlichen Übernahme durch andere Banken wird“, sagte er. Es sei die erste Verantwortung der Regierung, an die 130.000 Beschäftigten der Bank und ihre Kunden zu denken. „Wir beobachten daher mit der größten Aufmerksamkeit, was passiert.“ Die SG ist durch ungenehmigte Spekulationen eines Händlers in Bedrängnis geraten, die zu einem Verlust von 4,9 Milliarden Euro geführt haben.
Der Druck auf das Topmanagement der Bank erreichte am Dienstag eine neue Dimension. Die Enthüllungen belasten vor allem den Vorstandsvorsitzenden Daniel Bouton. Politiker bis hin zu Staatspräsident Nicolas Sarkozy fordern personelle Konsequenzen. „Wenn man eine große Vergütung erhält und es gibt ein großes Problem, kann man sich nicht von seiner Verantwortung freisprechen“, sagte Sarkozy. Damit spielt er auf Bouton an, der mit Gesamtbezügen von rund 10,8 Millionen Euro im Jahr 2006 zu den bestbezahlten Managern Frankreichs gehörte.
Bouton hat dem SG-Verwaltungsrat am 20. Januar seinen Rücktritt angeboten, ist aber zum Bleiben aufgefordert worden. Zu Wochenbeginn sagte Bouton, das Rücktrittsangebot bestehe weiter. Die Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde wies darauf hin, dass der Verwaltungsrat über die Zukunft Boutons zu entscheiden habe. Justizministerin Rachida Dati sprach von einer „schockierenden Affäre“ und forderte, dass „alle Verantwortlichkeiten ans Licht kommen müssen“.
Analysten: Weiterer Beweis für Kontrollmängel
In Finanzkreisen sorgte die Nachricht des Vortages, nach der die Terminbörse Eurex im November die SG vergeblich mit Unregelmäßigkeiten konfrontiert hat, auch am Dienstag noch für Erstaunen. Analysten interpretierten sie als weiteren Beweis für Kontrollmängel bei der SG. Es stellte sich zudem heraus, dass das amerikanische SG-Verwaltungsratsmitglied Robert Day bis zum 18. Januar noch SG-Aktien verkauft hat. Dies löste den Verdacht auf Insidergeschäfte aus, welche die SG aber abstritt. Der Verwaltungsrat sei erst am 20. Januar über die Entdeckung der verdeckten Geschäfte informiert worden.
Die Spekulationen um eine Übernahme der SG verstärkten sich unterdessen. „Ein Zerschlagung wie bei ABN Amro sieht immer wahrscheinlicher aus“, sagte Jean-Pierre Lambert vom Broker KBW. Als möglicher Interessent gilt der französische Marktführer BNP Paribas, der schon 1999 einen erfolglosen Versuch startete. Jetzt könnte sich BNP Paribas vor allem für das umfangreiche Filialgeschäft der SG interessieren; im Investmentbanking, vor allem dem Geschäft mit Aktienderivaten, gäbe es dagegen zu große Überschneidungen, weil BNP Paribas darin ähnlich stark ist wie die SG, meinen Analysten.
Auch ausländische Banken prüfen eine Übernahme
Am SG-Investmentbanking dagegen könnte der Crédit Agricole interessiert sein, der Frankreichs Marktführer im Filialgeschäft ist. Auch ausländische Banken prüfen eine Übernahme, könnten durch die Äußerungen der französischen Regierung nun aber abgeschreckt sein. Insgesamt herrscht noch Zurückhaltung, weil alle Banken von den Folgen der amerikanischen Hypothekenkrise belastet sind und sie weitere Entwicklungen bei der SG abwarten wollen.
Der Händler Kerviel ist von französischen Untersuchungsrichtern am Montagabend gegen die Empfehlung des Pariser Staatsanwaltes auf freien Fuß gesetzt worden. Der Staatsanwalt Jean-Claude Marin will dagegen Berufung einlegen. Kerviel sagte nach Angaben Marins, dass ihm die SG für 2007 einen Bonus von 300.000 Euro, das Dreifache seines Gehalts, versprochen habe. Bis Ende 2007 soll Kerviel durch seine Spekulationen einen unrealisierten Gewinn von 1,4 Milliarden Euro erzielt haben. Im Januar drehten sich die Geschäfte ins Minus.
EU vs. Frankreich
J.A.H. A (JulianAy)
- 29.01.2008, 19:36 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?