27.07.2010 · Die Quartalszahlen der Großbank UBS sind besser als erwartet. Vor allem das Investmentbanking schnitt überraschend gut ab. Auch das Kapitalpolster hat die UBS weiter gestärkt. Es bleibt allerdings die Aufgabe, den Geldabfluss zu stoppen.
Von Jürgen Dunsch, ZürichEin Konzerngewinn über den Erwartungen, eine Steigerung im Investmentbanking trotz widriger Marktverhältnisse und ein gebremster Abfluss von Kundengeldern: Mit dieser Mischung hat der UBS-Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel am Dienstag die Märkte begeistert. Der Aktienkurs der Schweizer Großbank stieg als Reaktion auf die von Grübel verkündete „neue Normalität“ binnen kurzem um nahezu 10 Prozent und damit so stark wie seit langem nicht. Am Nachmittag legte der Kurs zeitweise weiter zu. Jetzt will Grübel noch in diesem Jahr den Abzug von Kundengeldern stoppen. Auch das Kapitalpolster hat die UBS weiter gestärkt. Die Kernkapitalquote stieg im Quartal weiter von 16 auf 16,4 Prozent. Die risikogewichteten Aktiven verharrten dabei nahezu auf dem Stand von Ende März. Und das Eigenkapital bezogen auf die Bilanzsumme, die sogenannte Leverage Ratio, blieb mit 4,1 Prozent ebenfalls stabil.
Schärfere Aufsichtsregeln schrecken die UBS nach den Zugeständnissen der internationalen Bankenaufseher vom Montag (siehe hierzu gesonderten Bericht) offenbar nicht mehr. Und den Stresstest der europäischen Banken empfindet Grübel in erster Linie als eine Beruhigungspille für die Märkte, wie er in der Pressekonferenz zu den Quartalszahlen sagte. Gleichwohl wird die Bank nach den Worten von Finanzvorstand John Cryan sich weiter auf die Kapitalanreicherung konzentrieren. Die Aktionäre können damit trotz des Gewinnkurses, auf den die UBS zurückgekehrt ist, für 2010 keine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung erhoffen. Mit dem Erfolgsausweis vom Dienstag hat die UBS zum dritten Mal in Folge unter dem Strich Geld verdient. Dabei hielt sich der Konzerngewinn mit 2 Milliarden Franken (1,5 Milliarden Euro) gegenüber den 2,2 Milliarden im ersten Quartal über Erwarten gut. Die Eigenkapitalrendite lag bezogen aufs Halbjahr bei knapp 20 Prozent und damit auf dem Niveau des Konkurrenten Credit Suisse. Im Schlussquartal 2009 hatte die durch die Finanzmarktkrise schwer gebeutelte Bank mit 1,2 Milliarden Franken den ersten nennenswerten Nettogewinn seit dem zweiten Quartal 2007 eingefahren.
Im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten legte die UBS im Investmentbanking bis zur Jahresmitte weiter zu und verbesserte das Vorsteuerergebnis gegenüber dem ersten Quartal um 10 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken. Das Geld kam in erster Linie im Aktien- und Devisenhandel herein. Hingegen fielen die Erträge im Sektor Festverzinsliche (FICC) um mehr als ein Fünftel. Hier schlugen sich die Sorgen der Kunden über die Staatsschulden und den Euro nieder. Zugleich stützte ein Gewinn von nahezu 600 Millionen Franken auf eigenen Verbindlichkeiten in der Fair-Value-Bewertung das Spartenergebnis. Andererseits wurde es erstmals durch die Sondersteuer auf hohe Bankerboni in Großbritannien um mehr als 200 Millionen Franken gedrückt. Das „Wealth Management“ für vermögende Kunden verdiente vor Steuern mit 658 Millionen Franken 5 Prozent weniger als im Vorquartal. In Nord- und Südamerika fielen sogar 67 Millionen Franken Verlust an – wahrscheinlich Folge des Streits über amerikanische Steuerflüchtlinge.
Ebenso zogen Kunden in Europa weiter Geld aus der Schweiz ab. Von Neuregelungen zur Einschränkung des Bankgeheimnisses könnten im grenzüberschreitenden Geschäft mit Kunden in Europa 35 bis 50 Milliarden Franken betroffen sein, deutete Grübel an. Deutlicher zeigt sich die Lage in der Region Amerika, das die UBS gesondert ausweist. Hier verlor sie im Quartal Kundengelder in Höhe von 2,6 Milliarden Franken. Nettozuflüsse verzeichnete die UBS hingegen in Teilen des europäischen Onshore-Geschäfts, bei Superreichen sowie vor allem in der Region Asien-Pazifik. In den gesamten Kundenvermögen ist der Nettoabfluss auf nunmehr 4,7 Milliarden Franken eingedämmt worden. Im Vorquartal hatten die Kunden noch 18 Milliarden abgezogen.
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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