24.11.2008 · Die Deutsche Bahn hat den lang erwarteten Auftrag für Hochgeschwindigkeitszüge an ihren wichtigsten Lieferanten Siemens vergeben. Der Konzern soll für 495 Millionen Euro 15 ICE-Züge der vierten Generation liefern.
Von Konrad MrusekDie Deutsche Bahn hat den lang erwarteten Auftrag für Hochgeschwindigkeitszüge an ihren wichtigsten Lieferanten Siemens vergeben. Der Münchener Konzern soll 15 ICE-Züge der vierten Generation liefern. Das bestätigte am Montag ein Sprecher der Bahn in Berlin. Der Auftrag hat einen Wert von 495 Millionen Euro. Die ersten Züge sollen im Dezember 2011 ausgeliefert werden.
Damit ist eine wichtige Entscheidung zugunsten des deutschen Elektronikkonzerns getroffen worden, der im Wettbewerb mit der französischen Alstom stand und nun - zumindest in der ersten Tranche - das Nachsehen hat. Es wird erwartet, dass weitere Aufträge folgen. Angeblich will die Bahn neue Züge im Gesamtwert eines mittleren Milliardenbetrages bestellen. Angenommen wird, dass sich Alstom auch an den nächsten Ausschreibungen beteiligen wird. Mit dem nun erfolgten Zuschlag für Siemens würden nicht automatisch die weiteren Aufträge an den deutschen Konzern gehen, vermuten Branchenfachleute.
Siemens hat die umstrittenen Radachsen nicht geliefert
Die Entscheidung der Bahn folgt nach der zum Teil heftigen Kritik an den vielen Sicherheitsmängeln der dritten Generation von ICE-Hochgeschwindigkeitszüge, bei denen Mängel an den Radsätzen aufgetreten sind. Bahn-Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn hatte die beteiligten Unternehmen, neben Siemens auch Alstom und Bombardier, unter anderem wegen der mangelnden Zusammenarbeit scharf kritisiert und sogar mit Schadenersatzforderungen gedroht. Der Bahn fehlten zeitweise 40 Züge am Tag, weil die Radachsen wegen Zweifel an der Rissfestigkeit in einem schnelleren Intervall überprüft werden mussten. Ein Grund für den Zuschlag an Siemens könnte sein, dass der Konzern die Radsätze nicht geliefert hat und somit auch für die Ursache der Schäden nicht direkt verantwortlich gemacht werden kann.
Die neuen 200 Meter langen Züge sollen vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt werden und dabei nicht zuletzt die für die Bahn lukrativen Strecken nach Frankreich bedienen. Die Bahn fährt seit einiger Zeit von Stuttgart und Frankfurt nach Paris. Auch Hochgeschwindigkeitszüge von Alstom, der Hauptlieferant der französischen Staatsbahnen, sind im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt.
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