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Grandhotel Heiligendamm : Ein Traum mit Macken

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Das Granhotel in Heiligendamm hat Probleme: 2000 Eigentümer stehen vor der Stunde der Entscheidung Bild: AP

Ästhetisch ist das Grandhotel Heiligendamm ein Genuss – wirtschaftlich steht es auf der Kippe. Die Luxusherberge wurde 2007 durch den G-8-Gipfel bekannt. Der Schnitt, den die Anleger des Hotels nun vollziehen sollen, ist schmerzhaft.

          Die Stunde der Entscheidung naht in Form einer unscheinbaren Einladung zur Gesellschafterversammlung. An diesem Wochenende werden die knapp 2000 Eigentümer des schönsten Strandhotels an der Ostsee Post aus Heiligendamm in ihrem Briefkasten finden. Am 11. März soll das nächste Treffen der Anleger stattfinden, die Anteile am Immobilienfonds Fundus 34 gezeichnet haben. Über den Fonds wurde der aufwendige Wiederaufbau des Grandhotels Heiligendamm kurz nach der Jahrtausendwende finanziert.

          Doch das Schreiben hält kurz nach diesem Terminhinweis der Eigentümergesellschaft eine unangenehme Überraschung bereit: Ihrer Gesellschaft geht das Geld aus. Sollten sie nicht auf einen Großteil ihres eingezahlten Kapitals verzichten und gleichzeitig auch noch frisches Geld nachschießen, droht in absehbarer Zeit der Verkauf der Immobilie oder gar die Insolvenz.

          Der Schnitt, den die Anleger vollziehen sollen, ist schmerzhaft. Das ursprünglich von ihnen eingezahlte Kapital von 127 Millionen Euro soll auf 12,7 Millionen Euro herabgesetzt werden. Doch das reicht noch nicht, um die Eigentümergesellschaft am Leben zu erhalten. Gleichzeitig müssen noch mindestens 32,5 Millionen Euro an frischem Geld über eine Kapitalerhöhung zufließen. So sieht es ein Restrukturierungskonzept vor, das die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Mit diesem Vorgehen, so bescheinigen die Prüfer, könnte sich die Gesellschaft komplett entschulden und eine Trendwende einleiten. Doch die Geduld der betroffenen Anleger ist in den vergangenen Jahren schon arg strapaziert worden.

          Ein Traum mit Macken: Das Grandhotel Heiligendamm hat finanzielle Probleme
          Ein Traum mit Macken: Das Grandhotel Heiligendamm hat finanzielle Probleme : Bild: dpa

          Es gibt keine bessere Werbung als den G-8-Gipfel

          Seit der Eröffnung im Jahr 2003 ist Heiligendamm ein Traum mit Macken. 178 Millionen Euro kostete es, um die „Weiße Stadt am Meer“ vom DDR-Grauputz zu befreien und als Fünf-Sterne-Hotel in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Weithin bekannt wurde die Luxusherberge im Frühsommer 2007, als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staatschefs der wichtigsten Industrieländer zum G-8-Gipfel in diese beschauliche Ecke Mecklenburg-Vorpommerns lud. Wie die Präsidenten und Ministerpräsidenten durch die einzigartige Kulisse flanierten und sich im Strandkorb ablichten ließen, schien keine bessere Werbung für das wiederauferstandene Seebad denkbar.

          Trotzdem gelang es Kempinski als Betreiber in den ersten Jahren nicht, das Hotelgeschäft nachhaltig aus den Verlusten herauszuführen. Das hatte zunächst mit der besonderen Situation in Heiligendamm zu tun. In den ersten Jahren wurden ganze Busladungen an Touristen in den beschaulichen Ort gekarrt, um „Reiche zu gucken“. Wohlhabende Urlauber dürften sich dann fragen lassen, wie viel denn eine Übernachtung kostet. Vor der Toilette in der Lobby bildeten sich manchmal Schlangen. Vom „Klassenkampf am Ostseestrand“ war damals die Rede. Die angemessene Ruhe zog erst ein, als die öffentlichen Wege über das Hotelgelände geschlossen wurden. Doch da waren schon viele wohlhabende Kunden vergrault.

          Ein weiterer Dämpfer folgte, als Kempinski mit der Brechstange versuchte, die Auslastungsquote nach oben zu treiben. Der Verkauf kostengünstiger Arrangements über Tchibo-Filialen führte zu manch skurriler Szene am Frühstücksbüffet, wenn Schnäppchenjäger den Fotoapparat klicken ließen. Wieder fühlten sich Vollzahler in ihren Erwartungen enttäuscht – und blieben scharenweise fern. Als sich die Eigentümergesellschaft schließlich Anfang 2009 von Kempinski trennte und den Hotelbetrieb selbst übernahm, war dies auch noch einmal ein nicht unwesentlicher Kostenfaktor. So gingen die Jahre dahin, und mit den Verlusten auch das finanzielle Polster.

          Für den Heiligendamm-Fonds geht es ums Überleben

          Heiligendamm sollte nicht zuletzt die Krönung des Berufslebens von Anno August Jagdfeld werden. Für den Immobilienunternehmer aus dem Rheinland war das Hotel eine persönliche Angelegenheit – viel mehr vielleicht noch als das Adlon in Berlin, das ebenfalls über einen Fonds seiner Fundus-Gruppe finanziert wurde. Beiden Projekten war bislang nicht viel Glück beschert. Doch während die Anleger im Adlon-Fonds die ausbleibenden Ausschüttungen beklagen, geht es für den Heiligendamm-Fonds nun ums Überleben.

          Jagdfeld blickt auf 40 Jahre Erfahrung im Immobiliengeschäft zurück. Groß geworden ist seine Fundus-Gruppe mit dem Brot-und-Butter-Geschäft Wohnungen und Einzelhandelsflächen. Nach eigenen Angaben hat er bislang 800 Objekte realisiert und dabei ein Volumen von 5 Milliarden Euro bewegt. In den neunziger Jahren gehörte er mit seinen Fonds zu den aktivsten Investoren in den neuen Bundesländern. Für seine Beteiligung am Wiederaufbau bekam er 2003 sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen. Doch mit dem Niedergang des Marktes für Ostimmobilien nach dem steuerinduzierten Hoch drehte auch die Stimmung in seiner Anlegerschaft. Die Enttäuschung ist groß. Anlegerschutzanwälte lassen mit permanenten Attacken Jagdfeld nicht zur Ruhe kommen.

          Kein frisches Geld oder Erhöhung des Einsatzes?

          Jetzt ist im Sanierungsfall Heiligendamm noch einmal sein ganzes Verkaufsgeschick gefragt. Als Trumpf kann er immerhin die jüngste Wende im operativen Hotelgeschäft ausspielen. Nachdem 2008 noch ein Verlust von 2,2 Millionen Euro und 2009 von 1,4 Millionen Euro zu Buche stand, wurde im vergangenen Jahr ein Gewinn von 400.000 Euro erwirtschaftet. Locken soll auch der Hinweis, dass mit dem Kapitalschnitt am Grandhotel ein Preisschild von 54 Millionen Euro hängt, nach den ursprünglich 178 Millionen Euro Investitionssumme.

          Letztlich stehen die Anleger nun vor der Entscheidung: kein frisches Geld und damit höchstwahrscheinlich Totalverlust des eingesetzten Geldes im Zuge einer Zwangsverwertung; oder eine Erhöhung des Einsatzes in der Hoffnung, dass der jüngste operative Gewinn keine Eintagsfliege war. Erfreut dürften sie nicht darüber sein.

          Quelle: F.A.Z.

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