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Goodyear Schuldenabbau soll Ansehen am Kapitalmarkt verbessern

25.08.2004 ·  Der in einer Krise befindliche amerikanische Reifenhersteller Goodyear Tire & Rubber will innerhalb der nächsten drei Jahre seine Probleme bewältigt haben. Im Mittelpunkt steht der Schuldenabbau und die Restrukturierung des Amerika-Geschäftes.

Von Rüdiger Köhn
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Der in einer Krise befindliche amerikanische Reifenhersteller Goodyear Tire & Rubber will innerhalb der nächsten drei Jahre seine Probleme bewältigt haben. "Mein Ziel ist es, Ende 2006 ein ganz anderes Unternehmen zu haben", sagte Robert (Bob) Keegan, Präsident und Chief Executive Officer (CEO). Im Zentrum der Sanierungsmaßnahmen steht für den ehemaligen Eastman-Kodak-Manager, der Anfang 2003 die Sanierungsaufgabe übernommen hat, das verlustreiche Reifengeschäft in Nordamerika.

Auf der Bilanzseite gebe es noch eine Menge zu tun, sagte Keegan in Anspielung auf die hohe Verschuldung von 5 Milliarden Dollar und kündigte Vermögensverkäufe an. Probleme mit der Liquidität gebe es nicht: Am Ende des zweiten Quartals habe das Unternehmen über 1,3 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln verfügt. Er kündigte über das bisherige Sparprogramm hinaus weitere Kostensenkungen an, um die zusätzlichen Belastungen aufgrund gestiegener Rohstoffpreise für Ölprodukte und Kautschuk aufzufangen.

Einst hoch profitabel

Nachdem Goodyear in den neunziger Jahren noch hochprofitabel gearbeitet hatte, geriet das Unternehmen im Jahr 2001 als Folge des harten Wettbewerbs und unzureichender Investitionen in neue Produkte in Schwierigkeiten. Im vergangenen Jahr hatte Goodyear einen Verlust von 802 Millionen Dollar wegzustecken. Erschwerend kamen Bilanzierungsfehler sowie Falschbuchungen in Europa hinzu. Erst im Mai veröffentlichte Goodyear die Geschäftszahlen für 2003, wobei der ursprünglich für 2002 gemeldete Nettoverlust von 1,1 Milliarden Dollar auf 1,23 Milliarden Dollar korrigiert wurde.

Im ersten Halbjahr 2004 hat sich der Nettoverlust auf 52 (Vorjahr: 249) Millionen Dollar verringert. Der Konzern ist nach eigenen Angaben mit Marken wie Goodyear, Dunlop und Fulda zwar vom Absatz her Weltmarktführer mit einem Anteil von 21 Prozent. Bezogen auf den Umsatz allerdings, stehen die Amerikaner hinter der japanischen Bridgestone und der französischen Michelin an dritter Stelle. Bridgestone, Michelin wie auch der dritte große Anbieter - die deutsche Continental - arbeiten im Gegensatz zu Goodyear sehr profitabel.

Bis zu 1,5 Milliarden Dollar Einsparungen

Mit dem Antritt von Keegan wurden bereits umfassende Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet. Beginnend im Jahr 2003, sollen über einen Zeitraum von drei Jahren bis zu 1,5 Milliarden Dollar eingespart werden. Vorrangig geht es Keegan nun neben der Verbesserung der operativen Marge um den Verkauf von Betriebsvermögen. "Wir führen darüber derzeit Gespräche", sagte der Goodyear-Chef, ohne Details zu nennen. Er gab aber zu verstehen, daß es sich nicht um Kleinigkeiten handele. Es sei doch naheliegend, daß es bei der Abgabe von Geschäften in einem Konzern mit 15 Milliarden Dollar Umsatz nicht um ein Volumen von 50 Millionen Dollar gehe. "Wir haben eine ganze Menge von Aktivitäten, die wir verkaufen können." Nicht zur Disposition stehe das Chemiegeschäft mit rund 225 Millionen Dollar Umsatz. "Das behalten wir", sagte Keegan, bezeichnete diese Entscheidung aber als schwierig.

Ausgebaut werden müsse das Reifengeschäft für Personenwagen und Lastwagen. "Alles andere liegt bei uns unter dem Mikroskop." Damit stehen Nischengeschäfte im Reifenbereich ebenso zur Disposition wie Teile der Sparte Engineering mit rund 100 Millionen Dollar Umsatz. Neben einem Verkauf kann sich der Goodyear-Chef auch das Einbringen in Gemeinschaftsunternehmen oder Partnerschaften vorstellen. Am Ende will Goodyear wieder einen ausreichenden Status erreichen, um sich am Kapitalmarkt etwa über die Ausgabe von Aktien oder die Aufnahme von Anleihen zu refinanzieren. Nachdem Goodyear noch Ende der neunziger Jahre von der Ratingagentur Standard & Poor's mit A- eingestuft worden war, hat sich das Rating auf B+ verschlechtert. Das Moody's-Rating liegt bei B3. Die Aktien sind heute mit 10,50 Dollar im Vergleich zu Anfang 2000 nur noch ein Fünftel wert,

Außer Nordamerika fahren alle anderen Regionen Gewinne ein

Größte Baustelle ist das Reifengeschäft in Nordamerika, das im zweiten Quartal dieses Jahres einen kleinen operativen Gewinn von 30 Millionen Dollar (Vorjahr: 10 Millionen Dollar Verlust) eingefahren hatte. Alle anderen Regionen sowie die Bereiche Engineering und Chemie erzielten indes Gewinne, weshalb der operative Gewinn im Quartal auf 286 (149) Millionen Dollar gestiegen ist.

"Wir beobachten von Jahr zu Jahr Fortschritte", sagte Keegan. "Aber wir stehen noch mächtig unter Druck." Für Nordamerika sieht er noch einen notwendigen Zeitraum von drei Jahren, um wieder auf die richtige Bahn zu kommen. Für Europa hingegen könnte das schon im nächsten Jahr der Fall sein. In Westeuropa erhöhte sich das Betriebsergebnis im zweiten Quartal von 38 auf 57 Millionen Dollar.

Rückendeckung von Banken

Keegan gibt sich auch deshalb zuversichtlich, weil er glaubt, Banken, Investoren, Lieferanten, Händler und nicht zuletzt die Kunden hinter sich zu haben: "Vor drei Jahren hätte ich das sicherlich noch nicht sagen können." Erreichen will der Goodyear-Chef seine Ziele nicht nur durch niedrigere Kosten, sondern auch durch einen verbesserten, höherwertigen Produktmix, durch Preiserhöhungen und durch steigenden Absatz. Maßgeblich zur Verbesserung der Lage hat ein umfassender Umbau im Management nach Keegans Amtsantritt beigetragen.

"Es ist jünger und aggressiver geworden und handelt marktorientierter", sagte er. Die frühere Organisation sei zu weit vom Kunden entfernt gewesen. Und: "Wir waren nicht aggressiv genug." Das bezieht Keegan jedoch nicht auf die Preispolitik. Allein in Europa seien seit Jahresanfang die Preise zweimal um insgesamt 5 Prozent erhöht worden, sagt Keegan und tritt damit immer wieder auftretenden Gerüchten über ein Preisdumping entgegen.

Hohe Rohstoffkosten zwingen zum weiteren Sparen

Die hohen Rohstoffpreise konterkarieren jedoch die Bemühungen um die Kostensenkungen. Im ersten Halbjahr seien die Kostensteigerungen bei den Rohmaterialien mit 3 bis 4 Prozent weniger stark als befürchtet ausgefallen. Die Steigerungen, die sich wegen noch bestehender Beschaffungsverträge zu alten Preisen zeitlich versetzt auswirkten, würden in der zweiten Jahreshälfte 5 bis 7 Prozent ausmachen. Sollten die Preise für Öl und Kautschuk, auf die 85 Prozent der Rohstoffkosten entfallen, aber auf dem hohen Niveau verharren, würde Goodyear dies stärker zu spüren bekommen. Damit begründet Keegan die Notwendigkeit weiterer Kostensenkungen.

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