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Veröffentlicht: 09.11.2009, 20:02 Uhr

Goldman-Sachs-Chef Blankfein „Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“

Der Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hat ein ganz eigenes Bild von Gott. Riesige Bonuszahlungen und große Profite in der Krise - für die Gesellschaft sei das alles unproblematisch, sagte er. Und die Banker, vor allem die von Goldman, würden in Wahrheit Göttliches tun.

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© REUTERS Lloyd Blankfein

Der Vorstandsvorsitzende der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs, der Amerikaner Lloyd Blankfein, hat ein ganz eigenes Bild von Gott. Riesige Bonuszahlungen und große Profite inmitten der Krise – für die Gesellschaft sei das alles unproblematisch, findet Blankfein. Vielmehr sei das nur ein Zeichen für den Aufschwung der Wirtschaft. Und die Banker, vor allem die von Goldman, würden in Wahrheit Göttliches tun.

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Nicht nur für die New Yorker Boulevardzeitung „New York Post“ sind diese Aussagen Blankfeins aus einem Zeitungsinterview ein gefundenes Fressen: In einer Fotomontage bildete sie Lloyd Blankfein mit gefalteten Händen und katholischer Priesterkleidung ab. Überschrift: „Sachs ‚Religious‘“. Direkt übersetzt bedeutet das „religiös“. Aber die Überschrift ist doppeldeutig. „Sachs ‚Religious‘ klingt so ähnlich wie „sacrilegious“ – und das bedeutet „frevlerisch“. Auch in deutschen Internetforen schlug das Zitat am Montag hohe Wellen.

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Blankfein hatte der Londoner Zeitung „Sunday Times“, die wie die „New York Post“ zur News Corp. des Medienmoguls Rupert Murdoch gehört, ein Interview gegeben und darin die Rolle der Banken allgemein – und die von Goldman Sachs im Besonderen – gegen das jüngste Trommelfeuer der Kritik verteidigt. Der öffentliche Aufschrei richtet sich ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise vor allem gegen die neuerlichen Milliardengewinne und die erwarteten Rekordboni bei Goldman. Banken erfüllten einen „gesellschaftlichen Zweck“, wird Blankfein in dem Stück zitiert. Er selbst sei entgegen allen Vorwürfen, er sei ein böser Bonze, der die Öffentlichkeit verhöhnt, nur ein Banker, der „Gottes Arbeit verrichtet“.

Herber Rückschlag in der Öffentlichkeitsarbeit

Für die Investmentbank, die auch in Frankfurt eine große Dependance hat, darf das getrost als herber Rückschlag in der Öffentlichkeitsarbeit bezeichnet werden, versucht Goldman Sachs doch seit einiger Zeit, seinen in der breiten Öffentlichkeit erheblich angeschlagenen Ruf zu verbessern. Tatsächlich bemühen sich die leitenden Mitarbeiter von Goldman derzeit allenthalben, das Bild vom einzigen großen Gewinner der Finanzkrise zu übertünchen. Sie versuchen nicht nur die wieder hohen Bonuszahlungen, sondern auch das ihnen zugrundeliegende, ausgefeilte Beurteilungssystem zu erklären, das dem Außenstehenden dennoch viele Rätsel aufgibt. Auch die Tatsache, dass Goldman und seine Angestellten für gemeinnützige Zwecke viel Geld spenden und stiften, findet nun offensiver Erwähnung als zu früheren Zeiten. Gleichwohl: Die Bank, die sich in der Finanzkrise durchaus durch eigene Leistung, aber auch mit der Hilfe des amerikanischen Staates sehr viel besser behauptete als ihre Konkurrenten, ist nicht zuletzt wegen der starken Vernetzung ehemaliger Mitarbeiter in der Politik zum Aushängeschild für ungezügelte Gier an der Wall Street geworden. So gibt es kaum einen wichtigen öffentlichen Posten, der in New York oder Washington mit Finanzen zu tun hat und nicht schon einmal mit einem ehemaligen Mitarbeiter von Goldman Sachs besetzt gewesen wäre.

„Krake“ ist deshalb noch eine der netteren Bezeichnungen für Goldman Sachs. Blankfein weiß das natürlich. „Ich könnte mir die Pulsadern aufschneiden, und die Leute würden jubeln“, sagte der für eine gewisse Selbstironie bekannte Gold-Mann. Aber Blankfein hält dagegen: „Wir sind sehr wichtig. Wir helfen Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen bei der Kapitalbeschaffung helfen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Vermögen. Das wiederum schafft Arbeitsplätze für Leute, die mehr Wachstum und mehr Wohlstand schaffen.“

Die jüngsten Rekordgewinne sollten daher kein Anlass zur Kritik, sondern ein Freudenfest sein, weil es ein Beleg für konjunkturellen Aufschwung sei. Und hohe Bonuszahlungen seien eben der gerechte Lohn für den Ehrgeiz der Spitzentalente, für die sich Goldman rühmt. „Ich will nicht ihr Streben begrenzen. Es fällt mir schwer, für eine Obergrenze bei der Entlohnung zu argumentieren“, sagt Blankfein, der in diesem Jahr selbst auf einen Bonus um 20 Millionen Dollar hoffen kann – und im Jahr 2007 insgesamt 68 Millionen Dollar verdient hat, so viel wie noch kein anderer Vorstandsvorsitzender an der New Yorker Wall Street jemals vor ihm. Zudem gehören ihm Aktien von Goldman im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar.

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