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Goldman-Chef Lloyd Blankfein : Der Kämpfer aus der Bronx

Sein Vater arbeitete bei der Post: Lloyd Blankfein Bild: AFP

Aus der Finanzkrise ist Goldman Sachs als eine der stärksten Banken hervorgegangen. Doch die Bank ist unter Betrugsverdacht geraten. Goldman-Chef Lloyd Blankfein will sich gegen die Klage der Börsenaufsicht wehren.

          An der Wall Street warteten die Konkurrenten schon seit Jahren auf einen Fehltritt von Goldman Sachs. Die Bank war immer Vorbild und wegen ihrer beständig hohen Gewinne immer auch ein Objekt des Neides. Lloyd Blankfein, der Goldman seit vier Jahren als Vorstandschef führt, weiß das natürlich. Als er vor zwei Jahren mit anderen Managern von Goldman zu Mittag aß, fragte Blankfein in die Runde, ob jemand einen Rat für ihn hätte, wie er sich in dieser Frage verhalten solle. Ein Kollege antwortete prompt: „Bau keinen Mist.“ Nach der Finanzkrise, aus der Goldman zwar als eine der stärksten Banken hervorgegangen ist, kann sich Blankfein nicht mehr sicher sein, dass er diesen Ratschlag gut befolgt hat.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Goldman war im vergangenen Jahr mehr als jede andere Bank zur Zielscheibe öffentlicher Kritik an der Wall Street geworden. Die Bonuszahlungen von Goldman wurden als Beispiel der ungebremsten Gier einer Finanzbranche gebrandmarkt, welche die größte Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren mitverursacht hatte. Staatshilfen, die auch andere Banken erhielten, galten im Fall von Goldman als Beleg für die krakenartige Vernetzung der Bank in der Politik.

          Der Mann von ganz unten

          Die Finanzkrise gab den schon lange schwelenden Verschwörungstheorien um die amerikanische Investmentbank neuen Treibstoff. Und Blankfein, der für einen schlagfertigen Humor bekannt ist, machte es nicht besser. Auf einer Konferenz entschuldigte er sich zwar recht allgemein für die Rolle von Goldman in der Finanzkrise. „Wir haben bei Dingen mit gemacht, die klar falsch waren und haben Gründe, das zu bedauern“, sagte Blankfein vor ein paar Monaten. Im Kopf blieb aber sein Spruch, dass Goldman mit der Unterstützung von Unternehmen die „Arbeit Gottes“ erledigte.

          Nun wird Goldman von der Börsenaufsicht eines Fehltritts beschuldigt, der die bisherigen Dimensionen sprengt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC wirft Goldman Wertpapierbetrug vor. Das ist eine ernste Sache. Die ersten Analysten fordern bereits Blankfeins Kopf.

          Das hatte es zuvor noch nie gegeben. Goldman will sich vehement gegen diese Vorwürfe zur Wehr setzen und das passt zur Lebensgeschichte von Blankfein. Er kam von ganz unten und hat es an die Spitze der wichtigsten Bank der Wall Street geschafft. Einer wie Blankfein ist es gewohnt zu kämpfen und nicht gleich aufzugeben.

          Blankfein, dessen Vater Sortierer bei der Post war, wurde im rauhen New Yorker Stadtteil Bronx geboren und ist in Sozialwohnungen in Brooklyn aufgewachsen. Er war der Erste in seiner Familie, der mit einem Stipendium einen Universitätsabschluss gemacht hat. Zu Goldman Sachs kam er durch eine Hintertür: Als sich der Harvard-Absolvent Anfang der achtziger Jahre bei der renommierten Bank bewarb, wurde er zunächst abgewiesen. Also heuerte er beim Rohstoffhändler J. Aron an, der später von Goldman Sachs übernommen wurde.

          Domizil in Manhattan

          Blankfein repräsentiert innerhalb von Goldman Sachs auch die Fraktion der Wertpapierhändler, die im Gegensatz zu den klassischen Investmentbankern das Geschäft derzeit prägen. Auch im aktuellen Quartal steuerte die Handelssparte wieder den Löwenanteil zu den Erträgen bei. Mit Mitte 50 ist Blankfein ein reicher Mann, auch wenn die Bonuszahlungen in den vergangenen beiden Jahren vergleichsweise niedrig ausgefallen waren.

          Blankfein wäre jedoch der Letzte, der Erfolg als selbstverständlich ansehen würde, auch wenn er mittlerweile in einem standesgemäßen Domizil in Manhattan wohnt, das er für 27 Millionen Dollar erworben hatte. Bei dem Mittagessen von Goldman-Managern vor zwei Jahren wurde Blankfein gefragt, worüber er sich am meisten Sorgen mache. „Die Launen des Lebens", antwortete Blankfein, der das zum Erfolg nötige Glück betonte. „Ich mache mir Sorgen, dass wir zu selbstgefällig sind.“ Entspannt klang das schon damals nicht. Blankfein und die anderen Gold-Männer sind offenbar von der Angst getrieben, trotz ihrer Spitzenposition verwundbar zu sein.

          Möglicherweise ist das so, weil es bei Goldman nicht ungewöhnlich ist, dass Mitarbeiter wie Blankfein aus einfachen Verhältnissen stammen. Die Spitzenposition ist mit der Klage der Börsenaufsicht SEC und der anstehenden Finanzmarktregulierung möglicherweise gefährdet. Aber Blankfein verkörpert das Leistungsprinzip, das bei Goldman gilt. Er ist auch dafür bekannt, tief in der Nacht E-Mails zu versenden. Und wer es an der Wall Street an die Spitze gebracht hat, kann auch unangenehm werden. Blankfein könne lustig sein, aber auch „über den Tisch langen und Ihnen an die Gurgel gehen, wenn es berechtigt ist", sagt ein ehemaliger Goldman-Manager. Die Leute von der SEC müssen sich auf harte Scharmützel einstellen.

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