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GM verkauft seine Aktien : Peugeot-Citroën feilt an chinesischer Achse

Junger Peugeot: Der neue 308. Bild: AP

Peugeot holt sich neues Kapital von Aktionären - vielleicht auch von einem chinesischen Staatskonzern. General Motors verkauft seinen Anteil.

          Der französische Autohersteller PSA Peugeot-Citroën kommt in seinen Verhandlungen mit dem chinesischen Partner Dongfeng über eine Kapitalerhöhung mit Beteiligung der Chinesen voran. Erstmals hat der Konzern am Donnerstag bestätigt, dass er solche Verhandlungen führe. Zuvor hatte der Konzern nur berichtet, dass er verschiedene „Finanzierungsbedingungen“ für gemeinsame Projekte prüfe. Zum ersten Mal nennt PSA Dongfeng auch als Verhandlungspartner. Der französische Hersteller, der seit den Anfängen des Automobils die Industriegeschichte Frankreichs geprägt hat, könnte künftig also einen großen Anteilseigner haben, der sich in Besitz des chinesischen Staates befindet.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der amerikanische Autohersteller General Motors (GM) steigt indes als Aktionär bei seinem französischen Partner PSA Peugeot Citroën aus. GM teilte am Donnerstag mit, seinen Anteil von sieben Prozent an PSA an „institutionelle Anleger“ zu verkaufen. Die im Februar 2012 geschlossene strategische Allianz zwischen den beiden Unternehmen bleibe aber bestehen, hieß es in der Mitteilung (siehe nebenstehenden Kasten).

          Gleichzeitig dürfte der französische Staat erstmals bei PSA Aktionär werden, um zusammen mit der Peugeot-Familie eine französische Mehrheit zu erhalten. Die Allianzen von PSA mit Dongfeng und General Motors würde PSA den Weg aus der Krise ebnen, sagte der französische Industrieminister Arnaud Montebourg am Donnerstag, denn damit erreichten die Hersteller eine kritische Größe. Er betonte, dass PSA französisch bleiben werde. Die Regierung erinnerte auch daran, dass der Staat die PSA-Autobank durch eine Garantie von 7 Milliarden Euro stütze.

          Über die Konturen der künftigen Eigentumsverhältnisse wird derzeit noch spekuliert. Die Gespräche mit Dongfeng befänden sich noch „in einem vorläufigen Stadium“ befänden, teilte PSA mit. Der Ausstieg von GM spricht dafür, dass sich die Franzosen jetzt schnell einen neuen Partner suchen müssen. Nach Angaben des „Figaro“ drängt der französische Staat auch die heute noch dominierende Peugeot-Familie zur Teilnahme an einer Kapitalerhöhung. In den Familienkreisen heißt es jedoch, dass die Mittel fehlten. Die Peugeots verfügen heute über 25 Prozent des Kapitals und 38 Prozent der Stimmrechte.

          Nach dem jüngsten Verhandlungsvorschlag könnten den bestehenden Aktionären im Zuge der Kapitalerhöhung Vorzugsrechte zugestanden werden. Gleichzeitig würden Dongfeng und der französische Staat jeweils 20 Prozent des PSA-Kapitals erhalten. Nach Medienspekulationen könnte der Ausgabepreis der neuen Aktien bei 7 Euro liegen – gegenüber rund 10,6 Euro heute. Das Kapital soll auf diese Art um rund 3,5 Milliarden Euro gestärkt werden. Das entspricht etwa dem Börsenwert von PSA.

          Die PSA-Aktie ist am Donnerstag allerdings wieder scharf eingebrochen, zeitweise um mehr als 10 Prozent. Das Unternehmen leidet nach eigenen Angaben nun auch unter Währungsschwankungen und muss daher diesem Jahr 1,1 Milliarden Euro zusätzlich abschreiben. Die Wertberichtigung sei auch der allgemein schwachen Autonachfrage in Europa geschuldet, doch vor allem schlagen sich die Wechselkursschwankungen gegenüber Russland und Lateinamerika nieder, teilte das Unternehmen mit.

          Warum nimmt PSA eine Wertberichtigung vor?

          Das Jahresergebnis, das im vergangenen Jahr den Rekordverlust von 5 Milliarden Euro erreichte, ist damit neuen Belastungen ausgesetzt. Wenn der Euro derzeit um ein Prozent gegenüber dem für PSA relevanten Währungskorb schwankt – darunter der brasilianische Real, der argentinische Peso und der russische Rubel – dann würde die Kapitalrendite in der Automobilsparte um 80 Millionen Euro sinken oder steigen, berichtete PSA.

          Manche Analysten stellten die Frage, warum PSA zum derzeitigen Zeitpunkt die Wertberichtigung vornimmt. Schon bei der Verkündigung der Zahlen fürs dritte Quartal hatte das Unternehmen von den Währungsbelastungen gesprochen. Eine Interpretation lautete, dass PSA im Zuge der laufenden Verhandlungen um die Kapitalerhöhung die Dringlichkeit der Rettungsmaßnahmen betonen wolle. Die Kapitalerhöhung käme infolge des gesunkenen Aktienkurses für die neuen Investoren gleichzeitig billiger. Dongfeng kooperiert heute schon mit PSA in einem Gemeinschaftsunternehmen in China.

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