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Glosse Putzt eure Handys!

Der Hightechverband Bitkom hat in diesen Tagen ein sauberes Thema auf die Tagesordnung gesetzt: Jeder Achte reinigt sein Handy nie. So kann das nicht weitergehen.

© dpa Sauber ist besser.

Der Hightechverband Bitkom hat in diesen Tagen ein sauberes Thema auf die Tagesordnung gesetzt: Handyhygiene. Die Lage war offenbar noch nie so ernst. „Ob jung oder alt, Frau oder Mann, Ost oder West: Die Deutschen vernachlässigen die Pflege ihrer Handys“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Thiemo Heeg Folgen:

Der Bitkom wäre nicht der Bitkom, würde er nicht auch dies mit einer - selbstverständlich repräsentativen - Umfrage untermauern. Demnach säubert nur gut jeder Vierte die Geräteoberfläche „bewusst und intensiv“. Knapp die Hälfte reinigt sie „gelegentlich und flüchtig, etwa durch Abwischen an der Kleidung“. Aber ach: „Jeder Achte reinigt sein Mobilfunkgerät nie.“ Und schließlich das: „Nicht einmal jeder Fünfzigste Handybesitzer säubert sein Gerät wöchentlich.“

So kann und so sollte das nicht weitergehen - die Deutschen sind schließlich keine Germanen mehr. Dafür lässt der Bitkom seinen „Experten“ Bernd Klusmann zu Wort kommen, der ansonsten den Bereich „Kommunikationstechnologien & Telematik“ leitet. Klusmann kennt sich also aus und redet dem Volk ins schmutzige Gewissen. „Handys, insbesondere Smartphones, sollten regelmäßig gereinigt und gepflegt werden.“ Das sei nicht nur eine Frage der Ästhetik. Handys könnten Keime übertragen und gerade jetzt in der Erkältungszeit sei eine regelmäßige Reinigung von Displays und Tastaturen sinnvoll.

Der beste Schutz: Verschmutzungen vermeiden

Sensible Naturen sollten die beiden folgenden Absätze überspringen. Für die übrigen dafür hier die ganze dreckige Wahrheit. „Bereits mit den ersten Berührungen verliert der Touchscreen seine Sauberkeit“, hat der Bitkom herausgefunden. Und warum? Schweiß und Fett setzten sich in winzigen Kratzern ab, die selbst bei sachgemäßer Bedienung der Handys entstünden. Danke, Bitkom, das musste mal enthüllt werden. Hätte Steve Jobs dies 2007 schon gewusst, er wäre vorsichtiger gewesen, das iPhone einfach so auf die Welt loszulassen.

Aber der verbrauchernahe Verband und seine Fachleute wissen Rat. Auf „scharfe Reinigungsmittel“, Wasser und Alkohol möge man verzichten. Besser seien Reinigungstücher und Hygienesprays. Doch Vorsorge ist bekanntlich die beste Sorge. „Der beste Schutz gegen verschmutze Handyoberflächen besteht darin, Verschmutzungen zu vermeiden.“ Ohne Komforteinschränkungen geht das leider nicht. So sollten Mobil-Dampfplauderer während des Telefonierens auf das Essen verzichten, heißt es, schließlich sei dies „die größte Schmutz- und Bakterienquelle“. Und Hände weg von Kosmetik. Denn: „Wissenschaftler haben Spuren von Handcremes und Schminke als Nährboden für Krankheitskeime entdeckt.“ Außerdem sollte das Telefon nicht in Toiletten oder öffentlichen Waschräumen genutzt werden. Richtig, jeder weiß: Hier tummeln sich die bösen Erreger nur so.

Mehr zum Thema

Wir lernen also: Nicht die Handystrahlung ist die eigentliche Gefahr beim mobilen Telefonieren, sondern der Nutzer selbst. Sicher geht, wer öfter mal ein neues schweiß- und keimfreies Gerät kauft (das kommt auch der vom Bitkom unterstützten Industrie zugute). Der Kunde zahlt dafür gewiss gern einen Cent mehr, den die Unternehmen wiederum gern für die Mitgliedschaft im Bitkom und für die Finanzierung wertvoller repräsentativer Handybesitzerumfragen weiterreichen.

PS: Ein mögliches Bitkom-Thema in der kommenden Woche: Die Deutschen vernachlässigen die Pflege ihrer Computertastaturen. Ein Verband ist schließlich nicht nur dafür da, staubtrockene Absatzprognosen zu liefern.

Quelle: F.A.Z.

 
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