17.12.2008 · „Glaubwürdig und konkret“ sollen die Hinweise gewesen sein, die die amerikanische Börsenaufsicht SEC seit 1999 über die Machenschaften von Bernard Madoff erhalten hat. Jahrelang hat die SEC diese Hinweise ignoriert. Das hat nun der Vorsitzende der Börsenaufsicht selbst zugegeben.
Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat offenbar jahrelang Warnungen zu den Machenschaften von Bernard Madoff ignoriert. Wie SEC-Vorsitzender Christopher Cox einräumte, erhielten Mitarbeiter der Behörde seit mindestens 1999 wiederholt „glaubwürdige und konkrete“ Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Madoff wird beschuldigt, Anleger mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar (34 Milliarden Euro) geprellt zu haben.
Die Beschuldigungen seien jedoch nie mit der Empfehlung, tätig zu werden, an die Kommission weitergegeben worden, sagte Cox. Er kündigt eine interne Untersuchung an, um den „sehr beunruhigenden Enthüllungen“ nachzugehen. So hätten sich die Mitarbeiter der SEC auf Informationen verlassen, die ihnen Madoff und seine Firma freiwillig gegeben hätten, anstatt über Zwangsmaßnahmen Informationen einzufordern, erläutert Cox.
SEC unter Beschuss
„Er ist empört über das, was er herausgefunden hat, aber es ist auch in seinem Interesse, darüber empört zu sein“, beschreibt James Cox, Professor für Wertpapierrecht an der Duke University in Durham, North Carolina, und mit dem SEC-Chef nicht verwandt. “Er hat jede Menge Kritik über die Ermittlungsabteilung der SEC eingesteckt.“
Im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der beiden Investmentbanken Bear Stearns Cos. und Lehman Brothers Holdings Inc. war die SEC unter Beschuss geraten. SEC-Generalinspekteur H. David Kotz kritisierte in einem dieses Jahr veröffentlichten Bericht, wie die SEC Ermittlungen handhabt. Jetzt fragen sich die Amerikaner, warum die Behörde Madoffs gigantisches Schneeballsystem nicht aufgedeckt hat. Christopher Dodd, Vorsitzender des Bankenausschusses im amerikanischen Senat, forderte am Dienstag eine Erklärung, warum der „massive Betrug“ nicht entdeckt wurde. Madoff war am 11. Dezember verhaftet worden, nachdem er seinen Söhnen gegenüber offenbar erklärt hatte, dass seine 1960 gegründete Firma nicht mehr als ein Schneeballsystem gewesen sei.
Im Rahmen der internen Ermittlungen solle auch „jeglicher Kontakt von SEC-Mitarbeitern mit Mitgliedern von Madoffs Familie sowie Beziehungen zu den Familienmitgliedern“ überprüft werden, kündigt Cox an. Jeder SEC-Mitarbeiter, der mehr als geringfügige persönliche Kontakte mit Madoff und seiner Familie gehabt habe, werde als befangen abgelehnt, führt er aus. Eric Swanson, früher stellvertretender Direktor Compliance und Untersuchungen bei der SEC, ist mit Madoffs Nichte Shana verheiratet, die als Compliance-Anwältin für Madoff arbeitete. Swanson verließ die SEC im August 2006 und arbeitet derzeit als Syndikus bei der elektronischen Aktienbörse Bats Trading Inc.
Opfer auf der ganzen Welt
Opfer von Madoffs Betrug finden sich auf der ganzen Welt. Betroffen sind unter anderem Stiftungen des Bostoner Mäzens Carl Shapiro und des Nobelpreisträgers Elie Wiesel sowie Kunden von Banken wie dem spanischen Banco Santander SA, Nomura Holdings Inc. aus Japan und der britischen HSBC Holdings Plc. Die Yeshiva-Universität in New York verlor 110 Mill. Dollar, hauptsächlich durch Hedgefonds, die vom Treuhänder J. Ezra Merkin kontrolliert wurden.
Die Prüfung der SEC-Unterlagen habe bisher komplizierte Manöver offengelegt, mit denen Madoff Investoren, die Öffentlichkeit und die Aufsichtsbehörden getäuscht habe, so Cox. Madoff habe seine Bücher in verschiedenen Versionen geführt, Dokumente gefälscht und den Anlegern und Aufsichtsbehörden Falschinformationen über seine Tätigkeit als Anlageberater geliefert.
Allerdings hat die SEC laut informierten Kreisen Madoffs Investmentberatung nicht untersucht, seit diese sich im September 2006 bei der Behörde registriert hatte. Die SEC bemühe sich, Investmentberater mindestens alle fünf Jahre sowie neu registrierte Firmen im ersten Jahr nach der Registrierung zu prüfen, erklärten Vertreter der Behörde und Wertpapieranwälte.
Im Brokergeschäft von Madoff führte die SEC im Jahr 2005 eine Überprüfung durch. Anlass waren ein Brief eines Investmentmanagers sowie Presseberichte, die die von Madoff erzielten Renditen in Frage stellten. Vergangenes Jahr schloss die Ermittlungsabteilung der SEC ihre Prüfung des Unternehmens ab, ohne Klage zu erheben.
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