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Gewerkschaft gegen Autokonzern IG-Metall: Hyundai greift Betriebsräte an

 ·  Die mächtige IG Metall wirft dem koreanischen Autokonzern Hyundai vor, Betriebsräte zu unterdrücken. Jetzt eskaliert der Streit: Sogar eine Klage vor der Industrieländerorganisation OECD droht.

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Hyundai-Chairman Chung Mong-Koo ist so etwas wie der Ferdinand Piëch von Korea. Der eine führt Volkswagen, der andere hat im Autokonzern Hyundai das Sagen. Beide Männer sind 75 Jahre alt, gelten als Autonarren und sind Sohn beziehungsweise Enkel der Unternehmensgründer.

Und beide herrschen in ihren riesigen Konzernen nahezu uneingeschränkt. Von Chung Mong-Koo wird eine Anekdote berichtet: Einmal soll der Alte in ein Kino in Koreas Hauptstadt Seoul nach Beginn der Vorstellung gekommen sein. Auf sein Geheiß wurde der Film angehalten und neu gestartet. Natürlich ist das nur eine Geschichte. Aber sie illustriert, wie weitgehend der Machtanspruch des Chung Mong-Koo ist. Um so mehr muss er sich geärgert haben, als er vor einiger Zeit einen Brief des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber erhielt.

„Mit diesem Brief möchten wir Sie über die alarmierende Situation bei Hyundai Motor Europe in Rüsselsheim, Deutschland informieren“, schrieb der mächtige Gewerkschaftsführer in dem Brief, welcher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Schon länger behindere die Geschäftsleitung an dem Standort die Arbeit des gesetzlich gewählten Betriebsrates.

„Angriffe auf Betriebsräte beenden“

Alle Bitten der IG Metall, die Obstruktionen zu beenden, seien vom Management ignoriert worden. In mehreren Fällen hätten die Rechte der Beschäftigten und des Betriebsrates nur durch juristische Schritte gesichert werden können, so Huber.

„Die IG Metall wird eine solche Behandlung der gesetzlich gewählten Betriebsräte durch die Vertreter von Hyundai nicht länger akzeptieren“, warnte Huber gegen Ende des Briefes. „Im Auftrag der IG Metall, die 2,3 Millionen Mitglieder in Deutschland repräsentiert, ermahne ich Sie, die Angriffe auf die Betriebsräte umgehend zu beenden und die Rechte der Beschäftigten und ihrer Vertreter zu respektieren.“

Die Antwort auf den Brief fiel äußerst kurz und nüchtern aus. Hyundai halte sich an alle Gesetze in Deutschland, stellte Vize-Chairman und Personalchef Kim Eok Jo, ein Untergebener von Chung Mong-Koo, lapidar fest.

„Drohungen und Einschüchterungen sind an der Tagesordnung“

Damit wird sich Huber nicht zufrieden geben. Seit sechs Jahren führt er die größte Einzelgewerkschaft der Welt. Auch er kann als Patriarch gelten und trifft innerhalb seiner Gewerkschaft sowie innerhalb der Autoindustrie selten auf offenen Widerspruch. Nur ein Autokonzern hat sich der IG Metall bisher weitgehend verschlossen: Hyundai. Dabei haben die Koreaner durchaus auch in Deutschland - wo nicht produziert wird - viele hundert Beschäftigte an verschiedenen Standorten. In Rüsselsheim sind Forschung und Entwicklung angesiedelt, in Offenbach die Europazentrale mit dem Deutschland-Vertrieb, in Frankfurt das Designzentrum.

„Die Hyundai-Manager versuchen ständig, unsere Betriebsräte einzuschüchtern und benachteiligen sie systematisch. Erst wollten sie die Gründung der Arbeitnehmervertretung verhindern. Dann torpedierten sie sämtliche Informationsrechte und Mitbestimmungsrechte, Drohungen und Einschüchterungen sind an der Tagesordnung“, sagte Christian Brunkhorst, Branchenkoordinator Automobilindustrie beim IG-Metall-Vorstand. Auch an Standorten in anderen Ländern wie Tschechien, Türkei und Indien lege Hyundai ähnliche oder schlimmere Verhaltensweisen an den Tag.

Von Hyundai ist auf Anfrage keine unmittelbare Stellungnahme zu den Vorwürfen der IG Metall zu erhalten. Die mit der Sache vertrauten Personen seien dieser Tage nicht verfügbar, heißt es. Aber man halte sich an alle Gesetze.

Abmahnungen wegen verweigertem Gruß

Tatsächlich gibt es Schreiben an die Betriebsräte, deren Tonfall zumindest aufhorchen lässt: „An bestimmten Punkten im Leben kann es sinnvoll sein, seine bisher als selbstverständlich und klar gesehenen Positionen zu überdenken und neu zu bewerten“, heißt es unbestimmt und gerade deshalb bedrohlich in einem Brief, der mögliche negative rechtliche Konsequenzen der Betriebsratsarbeit auflistet.

Den Betriebsratsvize mahnte Hyundai-Manager Yang Seungwook wegen einer Lappalie schriftlich ab: „Die Verweigerung des Grußes gegenüber dem Geschäftsführer und Ihrem Vorgesetzten nach dessen vorherigem Gruß untergräbt die Position und Autorität des Geschäftsführers und Ihres Vorgesetzten und stellt eine Ehrverletzung dar.“ Das stelle einen „gravierenden Vorfall“ dar, und man toleriere dieses Verhalten nicht.

Einen ersten Gerichtsprozess wegen der Behinderung und Diffamierung des Betriebsrats hat Hyundai vor dem Arbeitsgericht in Darmstadt schon verloren. Als zweite Instanz wurde das Landesarbeitsgericht in Frankfurt angerufen, das in diesen Tagen ein Urteil veröffentlichen wird. Unabhängig davon hat die IG Metall aber noch weitere Schritte in die Wege geleitet.

Klage vor der OECD?

So ist eine Klage bei der OECD geplant. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die sich Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlt, hat alle Mitgliedsländer einen Kodex unterschreiben lassen über die Arbeitsbeziehungen in transnationalen Konzernen. Die IG Metall hat nun Beweise gesammelt, dass Hyundai gegen diese Regeln verstoßen hat. Eine entsprechende Klage soll in wenigen Wochen beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht werden, das dann eine Prüfung vornimmt.

Für den Autokonzern wäre das extrem ärgerlich. Denn eigentlich läuft es ja blendend. Zusammen mit der Schwestermarke Kia ist Hyundai mit mehr als 7 Millionen verkauften Autos im Jahr zum weltweit viertgrößten Autohersteller hinter Toyota, General Motors und Volkswagen aufgestiegen. Der Marktanteil von Hyundai-Kia in Europa hat sich binnen fünf Jahren verdoppelt auf 6,2 Prozent. Für Volkswagen ist Hyundai zum Angstgegner geworden. Nur die Reputation der Koreaner als Arbeitgeber droht Schaden zu nehmen.

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