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Gesunkene Arzneimittelkosten Krankenkassen mit 2,4 Milliarden Euro im Plus

05.09.2011 ·  Die gesetzlichen Krankenkassen haben ihren Überschuss stark ausgeweitet. Nach F.A.Z.-Informationen stiegen sie auf 2,4 Milliarden Euro. Grund für die positive Finanzentwicklung seien vor allem die stark gesunkenen Ausgaben für Arzneimittel.

Von Andreas Mihm, Berlin
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Die gesetzlichen Krankenkassen haben im ersten Halbjahr 2,4 Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftet. Grund sind vor allem die stark gesunkenen Ausgaben für Arzneimittel, deren Hersteller seit August 2010 einen Preisabschlag von 16 Prozent hinnehmen müssen. Die Ausgaben für die ambulante Versorgung und im Krankenhaus zogen in den ersten sechs Monaten weiter an. Das geht aus den Angaben der Krankenkassenverbände zur Finanzlage ihrer rund 150 Mitgliedskassen hervor.

Demnach hat sich der Überschuss von knapp 1,5 Milliarden Euro nach dem ersten Quartal um 950 Millionen auf gut 2,4 Milliarden Euro erhöht. Vor dem Hintergrund rechnen Fachleute damit, dass den Kassen trotz traditionell in der zweiten Jahreshälfte steigender Gesundheitsausgaben zum Jahreswechsel ein Finanzpuffer bleibt. Im vergangenen Jahr hatte sich trotz eines Halbjahresüberschusses von 112 Millionen Euro am Ende ein Fehlbetrag von 445 Millionen Euro aufgebaut. In den ersten sechs Monaten 2011 standen Ausgaben von 89,3 Milliarden Euro vor allem Zuweisungen aus dem Fonds über 91,7 Milliarden Euro gegenüber.

Orts- und Ersatzkrankenkassen, die 70 Prozent des Marktes unter sich aufteilen, berichten über einen Überschuss von 971 und 945 Millionen Euro. Die von Zusatzbeiträgen und Zwangsfusionen gebeutelten Betriebskassen zeigen ein Plus von 221 Millionen Euro an. Innungskassen und Knappschaft kommen auf einen Überschuss von 156 sowie 98 Millionen Euro.

Die Kassen beziehen ihr Geld aus dem Gesundheitsfonds, der sich aus Beitragseinnahmen und Steuern finanziert. Die summierten sich auf 89,95 Milliarden Euro, von denen 89,47 Milliarden Euro an die Kassen gingen. Die Differenz zu deren Gesamteinnahmen von 91,7 Milliarden erklärt sich durch Zusatzbeiträge und andere Einnahmen. 2011 dürften die Kassen den Daten zufolge erstmals mehr als 180 Milliarden Euro ausgeben.

Aktuell hat der Fonds 500 Millionen Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Allerdings wird sich seine Finanzposition zum Jahresende verbessern: Während er den Krankenkassen das Geld in zwölf gleichen Monatsraten zuweist, wird er durch die Gehalts- und Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld zum Jahresende gespeist. Fachleute, die wieder im Oktober tagen, schätzen die Liquiditätsreserve des Fonds am Jahresende auf 6,9 Milliarden Euro. Allerdings ist die Summe weitgehend für Rücklagen und den gegebenenfalls notwendig werdenden Sozialausgleich für Zusatzbeiträge verplant. Minister Daniel Bahr (FDP) hatte Forderungen abgelehnt, den Beitragssatz zu senken: Dafür sei trotz guter Konjunktur kein Spielraum. Skeptiker verweisen auf mögliche negative Auswirkungen der Finanzkrise auf Arbeitsmarkt und Beitragsgelder.

Auf der Ausgabenseite schlagen vor allem die stark um mehr als 6 Prozent sinkenden Arzneimittelausgaben zu Buche. Rabattverträge, die die Kassen individuell mit Herstellern von Nachahmerpräparaten schließen, senkten die Ausgaben um weitere 700 Millionen Euro. Dagegen stiegen die Ausgaben beim größten Kostenblock, der Krankenhausbehandlung, um 4,6 Prozent. Damit wurde die Zuwachsrate der Ausgaben für die ambulanten Versorgung um das Doppelte übertroffen.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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