Home
http://www.faz.net/-gqi-rfyk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Gesundheit Es muß nicht immer teuer sein - billige Krankenkassen locken

Zum Jahresanfang 2006 erhöhen 20 Krankenkassen ihre Beiträge. Das muß sich niemand gefallen lassen. Wer kündigt, kann bis zu 600 Euro im Jahr sparen.

© F.A.Z. Vergrößern

Es war nur eine kurze Hoffnung, daß die Beiträge für die Krankenkassen spürbar sinken werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte sie in den vergangenen Jahren genährt. Doch zu Jahresanfang 2006 tun mehr als 20 Kassen sogar das Gegenteil: Sie erhöhen ihre Tarife bis 0,8 Prozentpunkte.

Dyrk Scherff Folgen:  

Die Kassen begründen das mit sinkenden Einnahmen wegen hoher Arbeitslosigkeit und kaum steigenden Löhnen. Und mit höheren Ausgaben für Arzneien. Die Versicherten müssen sich die Erhöhungen nicht gefallen lassen. Sie haben ein Sonderkündigungsrecht und dürfen zu billigeren Anbietern wechseln.

Mehr zum Thema

Unterschiede von mehr mehr als zwei Prozentpunkten

Das lohnt sich oft. „Zwischen dem Beitrag der billigsten und der teuersten Kasse liegen mehr als zwei Prozentpunkte“, hat Torsten Leidloff vom Branchenbeobachter KrankenkassenRatgeber.de ermittelt. Konkret heißt das: Die günstigsten Kassen versichern schon für 11,8 Prozent, während die teuersten 14,6 Prozent verlangen. Wer wechselt, kann also bis zu 600 Euro im Jahr sparen.

Geämderte Beitragssätze der Krankenkassen © FAZ.NET Vergrößern

Der Preis allein sollte jedoch nicht alleiniges Auswahlkriterium für eine Kasse sein. „Auch wenn sich die Anbieter in mehr als 90 Prozent der Leistungen gar nicht unterscheiden, weil der Katalog gesetzlich vorgeschrieben ist, sollten die Kunden die Angebote vergleichen“, empfiehlt Julia Nill von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

So erstatteten einige Kassen die Kosten für viele naturheilkundliche Verfahren oder sie nehmen an Modellprojekten zur Akupunktur teil. Andere finanzieren spezielle Rückenschulungen oder legen Programme für Diabetiker oder Herz-Kreislauf-Probleme auf. Teilweise bieten Kassen auch eine Ernährungsberatung an.

Aufpassen bei Zusatzversicherungen

Größere Unterschiede gibt es auch in den Zusatzversicherungen in Kooperation mit privaten Versicherern, etwa für Chefarztbehandlung oder Zahnersatz. „Sie sind in der Regel sieben bis 15 Prozent billiger, als wenn der Kunde direkt beim privaten Anbieter abschließt“, erläutert Nill. Aber nicht immer bekomme man nur das, was man brauche. „Oft erhält man etwa die Zahnersatzpolice nur, wenn man auch den selbst für Brillenträger nicht sinnvollen Brillenschutz dazunimmt.“ Zum höheren Preis, versteht sich.

Wer später die Kasse wechseln will, muß oft auch die Zusatzversicherung kündigen, oder er bekommt einen höheren Tarif verordnet. Deshalb sollte eine Kasse mit liberaler Regelung gewählt werden. Denn der Abschluß einer Zusatzpolice bei einer neuen Kasse kommt meist teurer, weil das Eintrittsalter dann höher ist und eventuell Vorerkrankungen hinzugekommen sind.

Preis nicht alleiniges Auswahlkriterium

Selbst für diejenigen, die gesund sind und wahrscheinlich gar keine Leistungen in Anspruch nehmen, sollte der Preis nicht alleiniges Auswahlkriterium sein. Denn sie könnten von Beitragsrückerstattungsprogrammen profitieren, die einige Kassen für freiwillig Versicherte anbieten, also Kunden, die mehr als 47 250 Euro brutto im Jahr verdienen. Wer ein Jahr lang nicht zum Arzt geht oder nur für Routineuntersuchungen wie die Zahnkontrolle, erhält dann in der Regel einen Monatsbeitrag - einschließlich Arbeitgeberanteil - zurück.

Auch der Service der Kassen sollte nicht ignoriert werden. Die billigen Kassen verzichten in der Regel auf Filialen und wickeln ihren Kundenkontakt über Telefon, E-Mail oder Fax ab. Personell sind sie nicht immer so gut ausgestattet. Die Telefon-Hotline erreichen Kunden dann zwar noch mit relativ wenig Wartezeit. Einfache Fragen können so geklärt werden. In komplizierteren Fällen, die einen Sachbearbeiter erfordern, kann es mehrere Tage dauern, bis eine Antwort kommt.

Gekündigt werden darf, wenn die Tarife steigen oder nach mindestens 18 Monaten Mitgliedschaft.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.01.2006, Nr. 52 / Seite 47

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwurf gegen Vergleichsportal Verivox soll Energiepreise abgesprochen haben

Verivox wirbt damit, dass Verbraucher auf der Vergleichsplattform immer den günstigsten Strom- oder Gastarif finden. Doch an der Unabhängigkeit und Transparenz des Portals lässt ein Medienbericht nun Zweifel aufkommen. Mehr

23.01.2015, 12:55 Uhr | Finanzen
Es bleibt gut und teuer

Das Surface-Tablet – oder Notebook? – von Microsoft kommt in der dritten Version. Wieder hat das Unternehmen sinnvoll verbessert: 12-Zoll-Display, Intel-Prozessoren und stufenloser Klappständer. Doch der Preis ist immer noch zu hoch. Mehr

19.08.2014, 16:23 Uhr | Technik-Motor
Stiftung Warentest Jede fünfte Bausparkasse fällt durch

Wegen schlechter Beratung kommen viele Angebote der Bausparkassen ihren Kunden oft zu teuer. Im Praxistest von Stiftung Warentest fallen vier Anbieter durch. Mehr

20.01.2015, 10:00 Uhr | Finanzen
Ein Preis für alle Kinder, die nicht gehört werden"

Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai widmet ihren Preis benachteiligten Kindern auf der ganzen Welt. Einen speziellen Dankesgruß richtet sie an ihren Vater. Mehr

10.10.2014, 21:17 Uhr | Wissen
Endpreise bleiben gleich Der schwache Euro macht nur die Apps teurer

Aufgrund der Euroschwäche müssten viele Produkte eigentlich teurer werden. Das ist kurzfristig jedoch nicht zu erwarten. Apple ist da die Ausnahme. Doch langfristig hat die Stärke des Dollar Folgen. Mehr Von Rüdiger Köhn

21.01.2015, 09:52 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2006, 13:48 Uhr

Die vernachlässigten Steuerzahler

Von Manfred Schäfers, Berlin

Der Finanzminister rechnet die kalte Progression klein. Die Abgeordneten werden schlecht informiert. Mehr 51 58


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Das iPad macht halb so viel Umsatz wie Google

26,7 Milliarden Euro betrug der Umsatz mit Apples Tabletcomputer iPad. Damit setzt der Konzern allein mit einem Produkt mehr um, als viele Dax-Konzerne erwirtschaften. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden