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Veröffentlicht: 01.01.2006, 13:48 Uhr

Gesundheit Es muß nicht immer teuer sein - billige Krankenkassen locken

Zum Jahresanfang 2006 erhöhen 20 Krankenkassen ihre Beiträge. Das muß sich niemand gefallen lassen. Wer kündigt, kann bis zu 600 Euro im Jahr sparen.

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© F.A.Z.

Es war nur eine kurze Hoffnung, daß die Beiträge für die Krankenkassen spürbar sinken werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte sie in den vergangenen Jahren genährt. Doch zu Jahresanfang 2006 tun mehr als 20 Kassen sogar das Gegenteil: Sie erhöhen ihre Tarife bis 0,8 Prozentpunkte.

Dyrk Scherff Folgen:

Die Kassen begründen das mit sinkenden Einnahmen wegen hoher Arbeitslosigkeit und kaum steigenden Löhnen. Und mit höheren Ausgaben für Arzneien. Die Versicherten müssen sich die Erhöhungen nicht gefallen lassen. Sie haben ein Sonderkündigungsrecht und dürfen zu billigeren Anbietern wechseln.

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Unterschiede von mehr mehr als zwei Prozentpunkten

Das lohnt sich oft. „Zwischen dem Beitrag der billigsten und der teuersten Kasse liegen mehr als zwei Prozentpunkte“, hat Torsten Leidloff vom Branchenbeobachter KrankenkassenRatgeber.de ermittelt. Konkret heißt das: Die günstigsten Kassen versichern schon für 11,8 Prozent, während die teuersten 14,6 Prozent verlangen. Wer wechselt, kann also bis zu 600 Euro im Jahr sparen.

Geämderte Beitragssätze der Krankenkassen © FAZ.NET Vergrößern

Der Preis allein sollte jedoch nicht alleiniges Auswahlkriterium für eine Kasse sein. „Auch wenn sich die Anbieter in mehr als 90 Prozent der Leistungen gar nicht unterscheiden, weil der Katalog gesetzlich vorgeschrieben ist, sollten die Kunden die Angebote vergleichen“, empfiehlt Julia Nill von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

So erstatteten einige Kassen die Kosten für viele naturheilkundliche Verfahren oder sie nehmen an Modellprojekten zur Akupunktur teil. Andere finanzieren spezielle Rückenschulungen oder legen Programme für Diabetiker oder Herz-Kreislauf-Probleme auf. Teilweise bieten Kassen auch eine Ernährungsberatung an.

Aufpassen bei Zusatzversicherungen

Größere Unterschiede gibt es auch in den Zusatzversicherungen in Kooperation mit privaten Versicherern, etwa für Chefarztbehandlung oder Zahnersatz. „Sie sind in der Regel sieben bis 15 Prozent billiger, als wenn der Kunde direkt beim privaten Anbieter abschließt“, erläutert Nill. Aber nicht immer bekomme man nur das, was man brauche. „Oft erhält man etwa die Zahnersatzpolice nur, wenn man auch den selbst für Brillenträger nicht sinnvollen Brillenschutz dazunimmt.“ Zum höheren Preis, versteht sich.

Wer später die Kasse wechseln will, muß oft auch die Zusatzversicherung kündigen, oder er bekommt einen höheren Tarif verordnet. Deshalb sollte eine Kasse mit liberaler Regelung gewählt werden. Denn der Abschluß einer Zusatzpolice bei einer neuen Kasse kommt meist teurer, weil das Eintrittsalter dann höher ist und eventuell Vorerkrankungen hinzugekommen sind.

Preis nicht alleiniges Auswahlkriterium

Selbst für diejenigen, die gesund sind und wahrscheinlich gar keine Leistungen in Anspruch nehmen, sollte der Preis nicht alleiniges Auswahlkriterium sein. Denn sie könnten von Beitragsrückerstattungsprogrammen profitieren, die einige Kassen für freiwillig Versicherte anbieten, also Kunden, die mehr als 47 250 Euro brutto im Jahr verdienen. Wer ein Jahr lang nicht zum Arzt geht oder nur für Routineuntersuchungen wie die Zahnkontrolle, erhält dann in der Regel einen Monatsbeitrag - einschließlich Arbeitgeberanteil - zurück.

Auch der Service der Kassen sollte nicht ignoriert werden. Die billigen Kassen verzichten in der Regel auf Filialen und wickeln ihren Kundenkontakt über Telefon, E-Mail oder Fax ab. Personell sind sie nicht immer so gut ausgestattet. Die Telefon-Hotline erreichen Kunden dann zwar noch mit relativ wenig Wartezeit. Einfache Fragen können so geklärt werden. In komplizierteren Fällen, die einen Sachbearbeiter erfordern, kann es mehrere Tage dauern, bis eine Antwort kommt.

Gekündigt werden darf, wenn die Tarife steigen oder nach mindestens 18 Monaten Mitgliedschaft.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.01.2006, Nr. 52 / Seite 47

 

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