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Berufe der Zukunft : Gesucht: Kellner und Programmierer

Der Kunde kann kommen: Restaurantleiter Philippe Fort verwöhnte fast 40 Jahre seine Gäste im Hessischen Hof in Frankfurt - viele der von ihm ausgebildeten Leute wurden abgeworben. Bild: Wonge Bergmann

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen war seit der Jahrtausendwende nie so hoch wie jetzt. Gesucht wird fast alles, vom Pfleger bis zum IT-Fachmann. Doch welche Unternehmen stellen wann ein? FAZ.NET mit dem großen Überblick.

          Glück und Leid liegen oft eng beieinander. Ein deutsches Messeunternehmen schreibt zwölf Ausbildungsplätze aus – und bekommt 900 Bewerbungen. Ein gutes Restaurant in einer deutschen Großstadt sucht eine neue Servicekraft – und hofft, dass aus den drei Bewerbungen eine zu einer Anstellung führt. Weitere Plätze in der Küche werden derzeit mangels Bewerbern mit Studenten besetzt. Dabei wird die Gastronomie gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: schlechter Ruf und Abwerbung. Die Gastronomie gilt als Branche mit ungünstigen Arbeitszeiten, immer abends und am Wochenende. Die Mitarbeiter bekommen natürlich hier ebenso einen Ausgleich wie in anderen Berufen auch. Der schwierigen Situation auf der Einstellungsseite steht eine hohe Fluktuation gegenüber. Viele Mitarbeiter verlassen die Branche – nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil sie abgeworben werden. In anderen Dienstleistungsbereichen und auch in der Industrie sind für kundennahe und dienstleistungsorientierte Positionen Mitarbeiter aus der Gastronomie sehr beliebt, denn „die leben Service“, wie lobend hervorgehoben wird.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Service wird auch in der Industrie immer wichtiger. Die Individualisierung der Produktion, die Herstellung eines einzelnen Produkts für einen bestimmten Kunden statt bisheriger Massenprodukte ist das Ziel von Industrie 4.0. Vom Kunden her denken gilt als einer der größten Unterschiede zur alten Welt. Diese Denke ist nicht leicht. Es ist eine andere Einstellung erforderlich, auf Neudeutsch spricht man vom veränderten Mindset. Einstellungen zu ändern ist eine der schwierigsten Aufgaben, die sich einem Menschen stellen. Sie gelingt auch nicht jedem. Das ist der Grund dafür, dass in vielen Unternehmen heute gleichzeitig Mitarbeiter freigesetzt und auf der anderen Seite neue eingestellt werden.

          Bild: F.A.Z.

          Unter dem Strich werden aber derzeit mehr Mitarbeiter eingestellt. Im ersten Halbjahr haben nach der vierteljährlich vom Archiv der F.A.Z. zusammengetragenen Übersicht Unternehmen 23.000 Stellen gestrichen. Dem stehen auf der anderen Seite 66.000 zusätzliche Stellen gegenüber, die in diesem Zeitraum geschaffen wurden. In diesen Zahlen sind diejenigen Unternehmen erfasst, die öffentlich darüber berichtet haben, jeweils mehr als 100 Stellen streichen oder schaffen zu wollen. Nimmt man auf der Seite der neuen Stellen noch jene Meldungen hinzu, die für ganze Branchen wie die IT-Industrie, das Bauhauptgewerbe oder die bayerische Metallindustrie jeweils mehr als 10.000 offene Stellen ausweisen, so sieht das Verhältnis noch besser aus für die Beschäftigten. Insgesamt kann man sagen, dass auch in diesem Jahr bisher auf eine gestrichene Stelle etwa drei neu geschaffene kommen. Das deckt sich mit der offiziellen Arbeitslosenstatistik, die erstmals einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf weniger als 2,5 Millionen Menschen ausweist.

          Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern hat in einigen Bereichen bereits besorgniserregende Folgen. „Die Crux ist, dass viele Unternehmen nicht ausreichend IT-Spezialisten finden, die zum einen die Digitalisierung intern vorantreiben und zum anderen die Organisation vor externen Hackerangriffen schützen“, erklärte Ansgar Hinz, Vorsitzender des Vorstandes des Technologieverbandes VDE, anlässlich der größten Hacker-Konferenz der Welt in Las Vegas vor wenigen Tagen. In der Elektroindustrie sehen sich Unternehmen bereits gezwungen, ganze Softwareunternehmen zu kaufen, nur um an die Mitarbeiter zu kommen.

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