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Gesamtbetriebsratschef Franz Wie ein Opel-Verkäufer

18.11.2008 ·  Für Opel geht es um alles oder nichts - das weiß Betriebsratschef Franz nur zu genau. Heute Nachmittag wird er Rede und Antwort zur Opelkrise stehen. Franz gilt als heimlicher Opel-Manager. Ohne sein Gespür für das politisch Machbare wären die Lichter in Rüsselsheim vielleicht schon lange ausgegangen.

Von Henning Peitsmeier
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Wer den Fehler macht, Klaus Franz in diesen Tagen zu fragen, warum Opel Staatshilfe benötigt, muss sich auf eine Nachhilfestunde in Sachen Automarketing gefasst machen. Wie ein Autoverkäufer listet Franz dann die neuesten technischen Errungenschaften des Top-Modells „Insignia“ auf, erklärt, warum der Umweltschutz schon vor der großen Klimadebatte Teil des eigenen Markenbildes war oder wieso Kleinwagen aus Eisenach für den Kunden bezahlbar sind.

Eigentlich ist Franz Vorsitzender des Betriebsrats von Opel und Vizechef im Aufsichtsrat. Zudem leitet er das europäische Arbeitnehmerforum von General Motors, der Muttergesellschaft des Rüsselsheimer Autobauers. Und in dieser Funktion musste er am Montag erst bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dann bei Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) Rede und Antwort stehen. Warum Opel also Staatshilfe benötigt, ist auch in Berlin die alles beherrschende Frage, und der redegewandte IG-Metaller kann die Antwort auch in einem einzigen Satz formulieren. Der lautet dann so: „Weil die deutsche Tochter viel gesünder ist als die amerikanische Mutter.“

Der heimliche Opel-Chef

Franz ist es auch gewesen, der sich in seiner Funktion als stellvertretender Opel-Aufsichtsratsvorsitzender mit seiner Bitte um die Milliardenbürgschaft an die Landes- und Bundespolitik gewandt hat. Er tat es zwar nicht allein, sondern gemeinsam mit Carl-Peter Forster, dem Europa-Präsidenten von GM, und mit dem Opel-Geschäftsführer Hans Demant. Aber Franz ist der heimliche Opel-Chef, heißt es in Rüsselsheim. Wer kennt schon Demant? Der wirkliche Opel-Chef ist ein introvertierter Ingenieur, der in der Öffentlichkeit zuletzt dadurch auffiel, dass er sich im Sommer seinen grauen Vollbart abrasierte, sein bisheriges Erkennungsmerkmal.

Video: „Opel-Gipfel“ im Kanzleramt

Seinen markanten Schnauzer aber trägt Franz noch; so gibt er der Marke mit dem Blitz ein Gesicht. Zweifellos hat er von den häufigen Wechseln in der Chefetage profitiert: Demants unzählige Vorgänger in den zwei zurückliegenden Jahrzehnten können nicht einmal mehr die Pressesprecher von Opel fehlerfrei aufsagen. Den Mann an der Spitze des Betriebsrats kennt dagegen jeder Opelaner. Franz ist omnipräsent, und das seit Jahren: im Radio wie in den Fernsehtalkshows. Sein treuherziger Hundeblick ist vielen Menschen im Land bekannt.

„Manager von unten“

Doch Franz, der keine Krawatten mag und lieber Rollkragenpullover oder offene Hemden trägt, will nicht den Manager geben. Und wenn schon, dann versteht sich der Schwabe, der 1975 als Autolackierer zu Opel kam, als „Manager von unten“.

Trotz dieser Verbundenheit mit der Basis handelt er sich immer wieder bei der Belegschaft den Vorwurf ein, mit seinem offenen Bekenntnis zum „Co-Manager“ der Geschäftsführung viel zu nahe zu stehen. Vor allem in Bochum, der kampferprobten Belegschaft im GM-Verbund, ist Franz gerade wieder umstritten, weil er sich angeblich nicht vehement genug gegen die amerikanische Konzernmutter zur Wehr setzt. Sein Bochumer Betriebsratskollege Rainer Einenkel macht Stimmung gegen Detroit, sagt ganz offen, die Amerikaner zögen Geld aus der deutschen Filiale ab. So etwas würde Franz nicht über die Lippen kommen. Der Sechsundfünfzigjährige ist auch in der angespannten Lage noch diplomatisch.

Arbeitsplätze sind ihm wichtiger als Lohnerhöhungen

1981 wurde er erstmals in den Betriebsrat von Opel gewählt. In all den Jahren bei dem Autobauer hat er sich den Ruf eines Pragmatikers erworben, dem sichere Arbeitsplätze wichtiger sind als Lohnerhöhungen. Diese Haltung hat ihn durch all die Krisenjahre in Rüsselsheim getragen. Seit dem Jahr 2000 ist der Vater von zwei erwachsenen Kindern nun schon Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. In seinen mittlerweile 33 Jahren bei Opel hat der parteilose Gewerkschafter viele Höhen und Tiefen erlebt und zahlreiche Standortsicherungsverträge ausgehandelt.

Ohne sein Gespür für das politisch Machbare, heißt es, wären die Lichter in Rüsselsheim vielleicht schon im Jahr 2005 ausgegangen, als GM das Stammwerk offen in Frage gestellt hatte. Damals sollten 12.000 Stellen gestrichen werden. Es wurden 9000. Und ein für die Belegschaft schmerzhaftes Abkommen verhinderte, dass der gesamte Standort dem Sparplan zum Opfer fiel. Heute, und das weiß Franz nur zu genau, geht es für Opel um alles oder nichts.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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