Die Anzeichen für einen Verkauf oder eine Abspaltung des drittgrößten deutschen Mobilfunkanbieters E-Plus durch die niederländische Muttergesellschaft KPN NV und eine Verbindung mit dem viertgrößten deutschen Anbieter O2 verdichten sich. Nach einem Bericht der britischen Zeitung „Financial Times“ vom Montag soll es innerhalb der kommenden zwei Wochen eine entsprechende Ankündigung des Konzerns geben. Unter Berufung auf Kenner des Dossiers heißt es, KPN wolle so dem Griff des mexikanischen Mobilfunkkonzerns América Móvil nach einem Anteil von 28 Prozent zu einem gebotenen Preis von 8 Euro je Aktie entgehen.
Über ein mögliches Zusammengehen von E-Plus, das 2011 einen Umsatz von knapp 3,1 Milliarden Euro aufwies, und O2 gibt es auch schon seit längerer Zeit Mutmaßungen in der Branche. Und obwohl der spanische Telekomkonzern Telefónica, zu dem O2 gehört, ein Interesse an E-Plus bisher abgestritten und einen Börsengang für seine deutsche Tochtergesellschaft in Aussicht gestellt hat, wird ein Zusammengehen - zum Beispiel in einem Gemeinschaftsunternehmen von E-Plus und O2 - unter Branchenkennern keineswegs ausgeschlossen. Ein solcher Schritt könne zum Beispiel über eine Abspaltung der jeweiligen Gesellschaften sowohl von Telefónica als auch von KPN erfolgen, hieß es am Montag.
Umfassende Neuordnung der Geschäfte
Telefónica, der größte Telekommunikationskonzern Europas, ist seinerseits gerade auf der Suche nach Geld, um seine hohe Verschuldung abzubauen und eher nicht zu großen Zukäufen bereit. Das macht eine reine Übernahme von E-Plus durch O2 eher unwahrscheinlich. Im Gegenteil befindet sich Telefónica mit seinen Auslandsbeteiligungen eher auf dem Rückzug: Erst am Wochenende wurde, wie schon in einem Teil unserer Auflage vom Montag berichtet, von Telefónica ein Anteil von 4,6 Prozent am chinesischen Mobilfunkbetreiber Unicom an die Muttergesellschaft China United Network Communications Group verkauft. Der Erlös: 1,1 Milliarden Euro. Danach wird Telefónica noch gut 5 Prozent an Unicom halten.
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Der von Telefónica im Zuge seines Umbaus zum Schuldenabbau vor einiger Zeit ebenfalls in Aussicht gestellte Börsengang seiner deutschen Mobilfunkgesellschaft mit der Marke O2 würde nach einer Verbindung mit E-Plus allerdings unter anderen Perspektiven und gesellschaftsrechtlich wohl eher mit Blick auf die nun diskutierte Abspaltungsvariante beleuchtet werden müssen. Auch ein solcher Schritt könnte zum Abbau von Schulden in der Obergesellschaft führen, da ein Teil der Verschuldung dann auf das neue Gemeinschaftsunternehmen mit E-Plus entfiele. Seit der Ankündigung, am Status quo von O2 etwas ändern zu wollen, gehen alle Marktbeobachter davon aus, dass es auf dem deutschen Mobilfunkmarkt so oder so zu einer Neuordnung kommen wird.
KPN seinerseits hatte zu Jahresanfang eine umfassende Neuordnung seiner Geschäfte begonnen. Hintergrund ist, dass das Unternehmen unter dem nachlassenden Geschäft mit der Sprachtelefonie leidet, auf das zuletzt rund zwei Drittel seines Jahresumsatzes von 13 Milliarden Euro entfielen. In einem ersten Schritt trennte sich KPN von dem Sorgenkind Getronics. Der Anbieter von IT-Dienstleistungen wie der Datenverwaltung wurde an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft. Seit dem Frühjahr steht fest, dass KPN für die profitable belgische Mobilfunktochter Base für mindestens 1,6 Milliarden Euro einen neuen Eigentümer finden will. Als Anwärter wird am häufigsten der zweitgrößte belgische Telekomkonzern Telenet genannt.
Eine Milliarde Euro in die „Digitale Dividende“ investiert
Bei E-Plus hüllt man sich weiter in Schweigen und will auch die jüngsten „Marktgerüchte“ nicht kommentieren. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf ist die wachstumsstärkste Tochtergesellschaft von KPN. Mit ihrer Discountstrategie hat sie den deutschen Mobilfunkmarkt vor allem seit 2005, als Marken wie AldiTalk, Ay Yildiz und Blau eingeführt wurden, sehr erfolgreich aufgemischt. Der technische Anspruch ist bescheidener als der von O2: Deutschland-Geschäftsführer Thorsten Dirks hat das Unternehmen als „smart follower“ positioniert: Teure Innovationen überlässt er der Konkurrenz, um daraus Produkte für die preisbewusste Massenkundschaft abzuleiten. Der Erfolg gibt ihm bisher recht. Mit einer operativen Marge von zuletzt 38 Prozent steht E-Plus im Branchenvergleich glänzend da. Obwohl die Netzqualität vor allem für Datendienste zu wünschen übrig lässt, kommen offenbar auch die jüngst eingeführten Discounttarife gut an.
O2 versucht hingegen, mit den beiden großen Netzbetreibern technisch mitzuhalten. Dafür hat das Unternehmen im Gegensatz zu E-Plus bei der Frequenzauktion vor zwei Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die sogenannte „Digitale Dividende“ investiert: die weitreichenden Frequenzen im Bereich um 800 Megahertz, die sich in besonderer Weise für den neuen schnellen Mobilfunkstandard LTE eignen.
Gemeinsamer Marktanteil von rund 32 Prozent
Auch in anderen Teilen des Spektrums ergänzt sich die Frequenzausstattung der beiden Netzbetreiber, was eine Fusion auf der technischen Seite attraktiv macht. Allerdings ist keineswegs sicher, dass das nach einem Zusammenschluss so bliebe. In einem solchen Fall werde die Bundesnetzagentur prüfen, ob die Frequenzverteilung weiterhin „marktgerecht“ sei, sagte ein Sprecher. Gegebenenfalls könne sie eine Rückgabe und Neuverteilung von Spektrum anordnen.
Auch die Wettbewerbsbehörden hätten ein gewichtiges Wort mitzureden. Gemeinsam kämen O2 und E-Plus auf einen Marktanteil von rund 32 Prozent des deutschen Marktes. Nach Lage der Dinge hätte die Europäische Kommission den ersten Zugriff auf die Fusionsprüfung, könnte den Fall auf Antrag des Bundeskartellamtes aber an die deutsche Wettbewerbsaufsicht verweisen. Dass sich der Wettbewerb in Deutschland auf nur noch drei Anbieter verengen würde, stehe einer Genehmigung nicht per se im Weg, sagen Branchenkenner. Auch in den Niederlanden gebe es nur noch drei Netzbetreiber, und dort sei der Wettbewerb nicht minder hart als in Deutschland.
Ursache unbekannt?
Martin Schmitt (Ameisenschreck)
- 12.06.2012, 10:13 Uhr
Man sollte alle vier Mobilfunker zu einem Unternehmen zusammenschließen
Lüko Willms (l.willms)
- 12.06.2012, 00:47 Uhr
