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Gerhard Cromme : Diskussionen um den Siemens-Aufsichtsratschef

Gerhard Cromme Bild: dpa

Morgen bekommt Siemens einen neuen Vorstandschef. Doch auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist umstritten. Als Nachfolger wird immer wieder Wolfgang Reitzle genannt.

          Die Lage ist verwirrend: Peter Löscher hat sich mit dem Aufsichtsrat der Siemens AG praktisch einvernehmlich geeinigt, und Finanzvorstand Joe Kaeser hat letzte Details seines Vertrags als neuer Vorstandvorsitzender ausgehandelt. Damit sollten alle Unklarheiten der vergangenen Tage beseitigt sein. Der Aufsichtsrat wird auf seiner Sitzung am morgigen Mittwoch die Personalien beschließen - und Löscher könnte nach sechseinhalb Jahren Ende September formal „im gegenseitigen Einvernehmen“ ausscheiden, wobei er sich dann nicht mehr absetzen lassen müsste. So sah es eigentlich der am vergangenen Wochenende vom Aufsichtsrat unter Vorsitz von Gerhard Cromme gefasste Plan vor.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Dennoch reißen Gerüchte und Mutmaßungen über Machtkämpfe im Vorstand und über einen gespaltenen Aufsichtsrat nicht ab. Hierin sehen Beobachter einen wichtigen Grund, dass der Aktienkurs des Dax-Unternehmens seit Bekanntwerden der Nachfolge keine Sprünge gemacht hat. Zunehmend scheint sich Ärger unter Investoren breit zu machen, die eine Befriedung auch nach dem Wechsel an der Führungsspitze noch nicht erkennen. Da scheint die Wahl von Kaeser, 56 Jahre, zum neuen Siemens-Chef zurückzustehen. Er genießt am Kapitalmarkt ein wesentlich höheres Ansehen als der nun ausscheidende Löscher, 55 Jahre.

          Es wird erwartet, dass die Personalien auf der am Mittwochvormittag beginnenden Sitzung des Aufsichtsgremiums relativ reibungslos über die Bühne gehen und recht schnell eine offizielle, wenn auch nur kurze Mitteilung veröffentlicht wird. Das steht im Gegensatz zu den gestreuten Gerüchten, wonach es eine Spaltung im Aufsichtsrat gebe und vor allem Josef Ackermann, früher Vorstandschef der Deutschen Bank, die Absetzung von Gerhard Cromme betreibe. Das zeigt, dass der Neuanfang von Siemens mit der Umbesetzung an der Vorstandsspitze wahrscheinlich noch nicht endgültig vollzogen ist.

          Gerhard Cromme ist seit längerem umstrittener Aufsichtsratsvorsitzender, zumal er im März als Oberaufseher von Thyssen-Krupp gehen musste. Immer wieder fällt im Zuge einer von manchen Aktionären geforderten Neubesetzung im Gremium der Name Wolfgang Reitzle, der gegenwärtig Vorstandsvorsitzender der Linde AG ist. Er wird im Mai nächsten Jahres aus Altersgründen ausscheiden.

          Reitzle hat die Erfahrung als Aufsichtsratschef bei Continental gesammelt, als er dort den Konflikt mit dem Großaktionär Schaeffler befrieden musste. Siemens befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase, die zum Rücktritt von Löscher geführt hat. Es wird erwartet, dass der Konzern am Donnerstag schlechte Zahlen bekanntgeben wird. Allerdings fallen sie nicht so schlecht aus, dass Siemens nach der Prognosekorrektur Anfang Mai nun noch einmal die Ergebniserwartungen für das aktuelle Geschäftsjahr 2012/2013 (30. September) kassieren muss.

          Quelle: F.A.Z.

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