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Geldhaus in der Krise : Länder ringen um faule Kredite der HSH Nordbank

Schwieriges Geschäft: faule Schifskredite haben die HSH Nordbank in Schieflage gebracht. Bild: Imago

Bis Februar 2018 muss die Landesbank verkauft werden. Doch das ist ungewiss. Die Altlasten sorgen für Schwierigkeiten.

          Es ist eine der größten Herausforderungen, mit denen Hamburg und Schleswig-Holstein zu kämpfen haben: Bis Februar 2018 müssen sie einen Käufer für die angeschlagene HSH Nordbank finden. Andernfalls, so will es die EU-Kommission, gehen an den Standorten in Hamburg und Kiel die Lichter aus. Die Schwierigkeiten der Bank sind groß, doch immerhin soll es für das profitable Kerngeschäft mindestens vier Bieter geben. Das größte Interesse wird den Finanzinvestoren Apollo und Cerberus nachgesagt. Aber auch die Beteiligungsgesellschaft Lone Star und der Investor J.C. Flowers, der schon seit 2006 mit einem Minderheitsanteil an der HSH beteiligt ist, sollen unverbindliche erste Angebote abgegeben haben.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings gibt es eine Hürde, die immer deutlicher zutage tritt und die den Verkaufsprozess gefährdet. Die Abbaubank, eine Art interne „Bad Bank“, in der Schiffskredite in Höhe von knapp 10 Milliarden Euro lagern, wird wohl nicht wie erhofft verkauft werden können. Schon länger stand fest, dass Investoren diese Einheit nur dann übernehmen, wenn sie von den Ländern eine ordentliche Mitgift bekommen. Doch jetzt wird immer klarer, dass der bisher vorgesehene Finanzrahmen nicht reichen dürfte. Zusätzlich zu den Garantien, mit denen die Länder ihr Institut vor bestimmten Risiken abschirmen, könnte es dem Vernehmen nach einen weiteren Finanzbedarf von 3 bis 4 Milliarden Euro geben. „Wenn die Länder eine Lösung für die Abbaubank finden wollen, müssen sie noch einmal Mittel in die Hand nehmen“, heißt es in informierten Kreisen.

          „Ich gehe davon aus, dass die komplette HSH Nordbank abgewickelt wird.“

          Um die Schwierigkeit zu lösen, sind mehrere Optionen denkbar. So könnten die Länder die Abbaubank mit weiteren Bürgschaften absichern und so das Risiko für potentielle Käufer senken. Als wahrscheinlicher gilt, dass die Abbaubank unter dem Dach der Länder abgewickelt wird. Als Vehikel würde die HSH Portfoliomanagement AöR bereitstehen, eine Anstalt der Länder, die der HSH bereits faule Schiffskredite abgenommen hat. Im Umfeld des Hamburger Senats ist zu hören, dass auch Niedersachsen sich theoretisch an der AöR beteiligen und faule Schiffskredite der Nord LB einlagern könnte, die ebenfalls schwer unter ihrer Schiffslast leidet und zuletzt von der Ratingagentur Moody’s auf „Baa3“ herabgestuft wurde, nur eine Stufe über „Ramsch“. Auch über eine Beteiligung der Sparkassen und des Bundes wird offenbar nachgedacht.

          Im Umfeld der HSH heißt es, eine separate Abwicklung der Abbaubank sei möglich, ohne ein weiteres Beihilfeverfahren der EU auszulösen. Diese hatte die bisherige Stützung durch die Länder nur unter der Auflage genehmigt, dass die Bank privatisiert oder geschlossen wird. Eine Abwicklung der internen „Bad Bank“ und ein separater Verkauf der profitablen Kernbank sei durch den EU-Beschluss gedeckt, auch wenn zusätzliches Geld gebraucht werde, heißt es. In Teilen der Politik sieht man das anders: „Das wird so nicht umsetzbar sein“, sagt Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein, die dort seit einigen Wochen mit CDU und Grünen regiert. Er glaubt, dass keines der diskutierten Szenarien eine Chance hat. „Ich gehe davon aus, dass die komplette HSH Nordbank abgewickelt wird.“

          Auch Privatkunden droht der Ausfall ihrer Investments

          Sollte es so kommen, wären die Folgen nur schwer kalkulierbar. Neben den Ländern, die in diesem Fall ebenfalls mit weiteren Lasten rechnen müssten, wären auch private Anleger betroffen. Schließlich soll die HSH Nordbank Investmentzertifikate über mehrere Milliarden Euro begeben haben, von denen die Sparkassen einen Großteil ihren Privatkunden verkauft haben. Wenn die HSH geschlossen wird, droht diesen Anlegern der Ausfall, weil sie nach der EU-Bankenabwicklungsrichtlinie für Verluste haften müssen.

          Für die Sparkassen wäre ein Aus der HSH noch aus anderen Gründen ein Debakel. So dürfte sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband an den Fall der West LB erinnert fühlen, die im Jahr 2012 den Weg in die Abwicklung antrat. Diese erfolgte geräuschlos, doch muss den Sparkassen bewusst sein, dass sie bestimmte Privilegien verlieren können, wenn sie sich weigern, bei der HSH einzuspringen. Denn dann würde sich zeigen, dass ihre „Institutssicherung“, mit der die Mitglieder füreinander haften und zu der auch die Nordbank gehört, nicht leistungsfähig ist. Die Folge könnte sein, dass Sparkassen und Landesbanken untereinander vergebene Kredite plötzlich mit Eigenkapital unterlegen müssen, was einen hohen Finanzbedarf nach sich zöge.

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          In der Nordbank will man davon offiziell nichts wissen. „Eine Abwicklung ist möglich, aber ich kann mir das nicht vorstellen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch kürzlich in einem Interview. „Wir werden bis zum Februar 2018 eine Lösung hinbekommen.“ Auch die Länder wollen weiter nach Plan verfahren. Die vorerst noch unverbindlichen Angebote der Investoren, die zum 30. Juni in den Behörden eingegangen sind, seien „eine gute Grundlage, um den Verkaufsprozess erfolgreich fortsetzen zu können“, heißt es dort. Im nächsten Schritt wollen die Länder die Offerten prüfen und festlegen, mit wem sie in die nächste Runde gehen. Die ausgesuchten Bieter sollen dann im Herbst verbindliche Angebote abgeben, auf deren Grundlage die abschließenden Vertragsverhandlungen geführt werden.

          Unabhängig davon, was am Ende herauskommt, steht schon jetzt fest, dass die Krise der HSH die Länder viel Geld kosten wird. Der Ökonom Martin Hellwig vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn hält eine Belastung von mehr als 17 Milliarden Euro für wahrscheinlich. Darin enthalten sind Verluste aus der Garantie und Eigenmittel, mit denen die Länder ihrer Bank in früheren Jahren unter die Arme gegriffen haben. Andere Beobachter halten eine noch höhere Summe für denkbar.

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