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Gefälschte Bilanzen PWC-Buchprüfer in Südindien festgenommen

25.01.2009 ·  Die indische Polizei hat zwei Partner der Prüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers festgenommen, die die Bilanz des indischen Datendienstleisters Satyam Computer Services testierten. Zwei PWC-Konkurrenten wurden nun damit beauftragt, sich einen Überblick über die Lage des Unternehmens zu schaffen.

Von Christoph Hein
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Nun rücken die Buchprüfer in den Mittelpunkt: Die Polizei im südindischen Hyderabad hat die beiden Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC) festgenommen, die die um mehr als eine Milliarde Dollar aufgeblähte Bilanz der indischen Satyam Computer Services testierten. Zuvor seien sie mehrfach verhört worden. Srinivas Talluri und S. Gopalakrishnan seien wegen des Vorwurfs der „Konspiration und Unterstützung“ einer Straftat in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Polizeiführung in der südindischen Software-Metropole.

Die amerikanische Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erklärte, sie kenne die Gründe für die Festnahme ihrer Mitarbeiter nicht. „In den vergangenen 14 Tagen haben wir auf ganzer Linie mit den Behörden zusammengearbeitet, und alle verlangten Dokumente zur Verfügung gestellt“, heißt es in der Stellungnahme. Kurz nach dem Bekanntwerden des weitreichenden Betrugs allerdings hatte PWC schon eingeräumt, dass ihre Buchprüfungsergebnisse sich als „ungenau und unverlässlich“ erweisen könnten. Auch verweist PWC darauf, dass ihre Geschäfte in Indien von einer rechtlich eigenständigen Einheit geführt würden.

Seit Jahren Bücher gefälscht

Für die Prüfer ist der Fall sehr gefährlich. Der Zusammenbruch der amerikanischen Enron Corp. vor sechs Jahren hatte zum Ende der Buchprüfungsgesellschaft Arthur Andersen geführt. Nachdem die auch in New York gehandelten Aktien von Satyam gut 80 Prozent ihres Wertes verloren haben, drohen den Buchprüfern Schadensersatzforderungen in Amerika. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat sich in den Fall eingeschaltet. In Indien wird Satyam längst als „indische Enron“ bezeichnet. Da die gesamte Branche der Datendienstleister in Misskredit geraten ist, verlangt die Politik eine schonungslose Aufklärung.

Inzwischen sind die PWC-Konkurrenten KPMG und Deloitte Touche Tohmatsu damit beauftragt, sich einen Überblick über die wahre Lage des viertgrößten indischen Datendienstleisters zu verschaffen. Das ist nicht einfach. So erklärte die Polizei vergangene Woche, ihrer Erkenntnis nach beschäftige Satyam in Wirklichkeit nicht die auf der Gehaltsliste stehenden 53.000 Mitarbeiter, sondern nur 40.000. Satyam kämpft um sein Überleben, seit B. Ramalinga Raju, der Gründer und bis dahin Vorsitzende des Verwaltungsrates, in einem Brief Anfang Januar gestand, seit Jahren die Bücher gefälscht zu haben.

Neuer Verwaltungsrat von indischer Regierung eingesetzt

Seitdem sitzen er, sein Bruder B. Rama Raju und S. Vadlamani, der ehemalige Finanzchef Satyams, ebenfalls in Haft. An diesem Mittwoch will ein Gericht in Hyderabad über das Aussetzen der Haft für Ramalinga Raju gegen Kaution entscheiden.

Der neue Verwaltungsrat, dessen Kern von der indischen Regierung benannt wurde, erklärte, bis Ende kommender Woche ausreichende Mittel auftreiben zu können, um Satyam bis Ende März überleben zu lassen. Zwischenzeitlich war unklar, ob das Unternehmen noch die Gehälter seiner Mitarbeiter zahlen könne. Die Zahl der Kandidaten für den Vorstandsvorsitz und den Finanzchef sei inzwischen bis auf drei geschrumpft.

Satyam, die unter anderem General Electric, General Motors und Nestlé zu ihren Kunden zählt, ist auch für Käufer interessant. So hat der indische Infrastrukturkonzern Larsen & Toubro seinen Anteil Ende vergangener Woche von bislang 4 auf inzwischen 12 Prozent aufgestockt. Der amerikanische Dienstleister Igate Corp gab bekannt, nach Finanziers für eine Übernahme von Satyam zu suchen. Die Konkurrenten von Satyam erklärten, immer wieder würden sie von Kunden Satyams auf einen Wechsel angesprochen.

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