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Geely unterschreibt Volvo-Kaufvertrag Für Volvo soll China zweiter Heimatmarkt werden

28.03.2010 ·  Das Bangen hat ein Ende: Volvo ist an den chinesischen Autohersteller Geely verkauft worden. Es ist das erste Mal, dass ein größerer westlicher Autohersteller in chinesische Hand kommt. Noch bis zum Schluss hatte es Zweifel gegeben.

Von Christoph Ruhkamp
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Endlich ist es amtlich: Der schwedische Autohersteller Volvo wird nach China verkauft. Nach elf Jahren als Tochtergesellschaft des amerikanischen Ford-Konzerns und mehreren Monaten harter Verhandlungen übernimmt Chinas größter privater Autohersteller Geely das Verlust machende Unternehmen. Am Sonntagnachmittag haben Ford-Finanzchef Lewis Booth und Li Shufu - der Gründer, Haupteigentümer sowie Verwaltungsratschef von Geely - den Kaufvertrag in Göteborg unterzeichnet.

Die Transaktion, die im dritten Quartal wirksam wird, ist auch politisch bedeutsam: Als Augenzeugen anwesend waren deshalb Chinas Industrieminister Li Yizhong und Schwedens Vize-Premierministerin Maud Olofsson. Selbst der lange Zeit skeptische Volvo-Betriebsratssprecher Glenn Magnusson, der sich um die Finanzierung sorgte, stimmte dem Geschäft letztlich zu.

Kaufpreis von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro

Die Zhejiang Geely Holding Group zahlt nun an Ford einen Kaufpreis von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Bei den Investitionen in neue Modelle für Volvo soll ein von der Europäischen Investitionsbank in Aussicht gestellter Kredit über 450 Millionen Euro helfen. „Die Schwierigkeit war, einen neuen Eigentümer für Volvo zu finden, der die gleichen Werte teilt“, sagte Ford-Finanzchef Booth. Auch künftig werde Ford mit Volvo einen Teil der Komponenten für Autos und der Patente aus der Fahrzeugentwicklung teilen.

Geely-Chef Li Shufu betonte, dass Volvo seine strategische Unabhängigkeit behalten soll: „Volvo ist Volvo, und Geely ist Geely“, sagte der 47 Jahre alte Unternehmer. Das werde auch so bleiben. Die Volvo-Führung unter dem Briten Stephen Odell werde nicht ausgewechselt, und das Unternehmen werde weiterhin von Schweden aus geführt. „China, der größte Autoabsatzmarkt der Welt, wird Volvos zweiter Heimatmarkt werden“, sagte Li Shufu.

Zweifel bis zuletzt

Bis zuletzt zweifelte die Autobranche daran, ob der Verkauf von Volvo an Geely wirklich zustande kommt. Denn bei dem Zusammenschluss der sehr ungleichen Partner übernimmt erstmals ein chinesischer Autohersteller einen größeren westlichen Konkurrenten und erhält Zugang zu dessen Technologie. Zuletzt waren vergleichbare Transaktionen mehrfach gescheitert: So untersagten die Behörden in Peking die Übernahme der General-Motors-Geländewagenmarke Hummer durch den chinesischen Schwermaschinenbauer Tengzhong aus Gründen des Umweltschutzes. Zuvor hatte sich schon der Pekinger Staatskonzern BAIC vergeblich um den Kauf der deutschen GM-Tochtergesellschaft Opel bemüht. Allerdings erhielt BAIC einen Teil der Patente und Produktionsanlagen der schwedischen Schwestermarke Saab.

Geely erweitert mit Volvo seine Aktivitäten in Europa. Die Chinesen sind bereits mit 20 Prozent am britischen Taxibauer Manganese Bronze beteiligt und erwägen die Übernahme der Mehrheit an dem kleinen Traditionsunternehmen aus Coventry. Im Vergleich dazu hat der Zukauf von Volvo allerdings eine andere Größenordnung: Sowohl Geely mit 12.000 Beschäftigten als auch Volvo mit 22.000 Beschäftigten produzieren und verkaufen in diesem Jahr jeweils fast 400.000 Autos. Sie kommen damit gemessen am Absatz zusammen zumindest auf Augenhöhe mit den bislang deutlich größeren staatlichen Rivalen in China.

Zwei von Grund auf verschiedene Unternehmen

Die Fusion verbindet künftig aber auch zwei von Grund auf verschiedene Unternehmen: Denn Geely ist in China - dem größten Autoabsatzmarkt der Welt - schnell gewachsen und erzielt Gewinn, Volvo dagegen macht Verlust und ist im stagnierenden Europa zuletzt geschrumpft, erholte sich aber mit einem Absatzplus von 13 Prozent im Januar und Februar. Während Geely erst seit 13 Jahren Autos herstellt und zumindest anfangs hemmungslos die Modelle westlicher Konzerne kopierte, wurde Volvo schon 1927 gegründet und steht für ein sehr eigenwilliges originelles Design sowie für hohe Qualität und Sicherheit. Volvo ging unter anderem als Erfinder des Anschnallgurts in die Geschichte ein; Geely machte eher durch Plagiate, etwa einen Abklatsch alter Rolls-Royce-Modelle, auf sich aufmerksam.

Entsprechend lag der Umsatz von Volvo im vergangenen Jahr etwa fünfmal höher als der von Geely. Damit der gute Ruf der Schweden keinen Schaden nimmt, sollen die beiden Marken auch künftig getrennt geführt werden. Die Fabriken von Volvo in Göteborg und im belgischen Gent, die bis zu 500.000 Autos jährlich bauen können, sollen nicht verkleinert oder verlagert werden. Vielmehr eröffnen sich den Schweden zusätzliche Chancen in China: Geplant ist ein Ausbau der Produktion von Volvo in der Nähe von Peking. So will Li Shufu den Absatz von Volvo schneller erhöhen, als der gesamte Premiummarkt wächst. Die Verkäufe von Volvo sollen längerfristig auf 600.000 Stück steigen, und für den gesamten Geely-Konzern strebt Shufu bis 2015 rund 2 Millionen Stück an.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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