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Gebührenerhöhung Fraport provoziert die Fluglinien

21.07.2009 ·  Mitten in der Luftfahrtkrise will Deutschlands größter Flughafenbetreiber die Gebühren erhöhen, um sich Geld für seinen Ausbau zu beschaffen. Die Großkunden Lufthansa, Air Berlin & Co. laufen gegen die Pläne Sturm und fordern Kostendisziplin.

Von Ulrich Friese
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Zwischen Deutschlands größtem Flughafen-Betreiber Fraport und den heimischen Fluglinien Lufthansa und Air Berlin verhärten sich die Fronten. Auslöser des jüngsten Streits zwischen beiden Parteien ist eine kräftige Gebührenerhöhung, um den Ausbau des Frankfurter Großflughafens mit zu finanzieren.

Gegen die Pläne Fraports laufen die Großkunden Sturm, weil sie durch die Luftfahrtkrise und den scharfen Wettbewerb in Europa selbst immer mehr unter Druck geraten. Dass sich der Flughafenbetreiber in Zukunft stärker denn je auf Kostendisziplin besinnen müsse, machte jüngst Christoph Franz unmissverständlich klar: „Wir erwarten von unseren Lieferanten“, schrieb der Lufthansa-Vorstand in einem internen Appell an seine Mitarbeiter, „dass sie ihrerseits einen Beitrag leisten müssen, um unsere Kosten zu senken.“ Dabei war der jüngste Aufruf von Franz, der die Belegschaft auf ein massives Sparprogramm in Milliardenhöhe einstimmen wollte, vor allem an die langjährigen Geschäftspartner Fraport und Deutsche Flugsicherung (DFS) adressiert (F.A.Z. vom 17. Juli).

7 Milliarden Euro bis 2015

Doch ausgerechnet die beiden Schlüssel-Lieferanten werden die Kostenlawine für Lufthansa, Air Berlin & Co. wohl noch vergrößern. Während die DFS ab kommendem Jahr eine Gebührenerhöhung von 10 Prozent ankündigte, will Fraport gleichzeitig das sogenannte Flughafenentgelt um 8,4 Prozent aufstocken. Der Betreiber begründet seinen Aufschlag mit den bis 2015 anfallenden Investitionen von rund 7 Milliarden Euro, die in den Aus- und Umbau des größten deutschen Flughafendrehkreuzes fließen sollen. Die Fluglinien als wichtigste Nutznießer müssten die Kosten für die Modernisierung zu einem Teil auch mitfinanzieren. Durch die jetzt geplante Erhöhung der Entgelte würden zusätzlich 44 Millionen Euro in die Kassen fließen, heißt es bei Fraport weiter.

Der ursprüngliche Finanzplan des Betreibers geriet durch die Folgen der Wirtschaftskrise zur Makulatur. Danach sollten die veranschlagten 7 Milliarden Euro möglichst über Finanzschulden (4 Milliarden Euro) sowie durch den frei verfügbaren Mittelzufluss (Cashflow) im Tagesgeschäft von rund 3 Milliarden Euro aufgebracht werden. Doch diese Kalkulation geht nicht mehr auf, weil sich etwa der Mittelzufluss aufgrund der deutlichen Rückgänge im Passagier- (minus 8 Prozent) und Frachtgeschäft (minus 14 Prozent) drastisch verringerte. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres fiel dieser Posten von 106 Millionen auf nur noch 66 Millionen Euro.

Einschaltung einer neutralen Instanz

Bei den Fluglinien fehlt für solche Umstände jedes Verständnis. Für Lufthansa und Air Berlin ist der angekündigte Preisschub in Frankfurt in Krisenzeiten „eindeutig das falsche Signal“. Sie fordern den Betreiber zu mehr Spardisziplin auf. „Wenn Fraport seine Kosten künftig um 3 Prozent senkt, kann die angepeilte Entgelt-Erhöhung vermieden werden“, rechnet Michael Engel vom Bundesverband der Deutschen Fluglinien (BDF) vor. Zusammen mit den Preisaufschlägen für die Flugsicherung ergebe sich für die deutschen Gesellschaften im kommenden Jahr somit eine zusätzliche Belastung durch höhere Gebühren von insgesamt 200 Millionen Euro. Damit festigten die Gebühren und Abgaben endgültig ihre Position als zweitwichtigster Kostentreiber in der internen Kalkulation einer Fluglinie - hinter den Ausgaben für den Treibstoffeinkauf und vor den Personalkosten.

Um in dem heiklen Streit zwischen Betreibern und Fluglinien zu vermitteln, fordert BDF-Chef Engel die Einschaltung einer neutralen Instanz und bringt hierfür die Bundesnetzagentur ins Gespräch. Tatsächlich wird jedoch das hessische Wirtschaftsministerium voraussichtlich im September entscheiden, ob es den Fraport-Antrag formal genehmigt. Am Widerstand der Politiker werde das Vorhaben des Flughafenbetreibers jedoch nicht scheitern, sind sich Fachleute sicher. Denn das Bundesland Hessen ist mit einem Anteil von 31,5 Prozent Großaktionär von Fraport. Gleichzeitig sitzt Finanzminister Karlheinz Weimar auf dem Chefsessel im Aufsichtsrat des börsennotierten Unternehmens.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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