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Gebrauchtwagen Zu jung für einen Oldtimer - und trotzdem lukrativ

06.02.2006 ·  Die Liebe zum Auto geht jetzt auch durch schmalere Geldbeutel. Traumwagen einer wachsenden Autosammler-Spezies sind die sogenannten Youngtimer: Autos zwischen 20 und 30. Je mehr Verehrer, desto höher der Marktwert.

Von Thiemo Heeg
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Verführt wurde Ralf Ziegler schon in jungen Jahren. Die Schönheit gehörte dem Nachbarn, mit Formen zum Verlieben. Heute steht sie bei ihm in der Garage: ein BMW 320, Baujahr 1976. Pastellblau. "Ein Blau wie die Badkacheln aus den 60er Jahren", schwärmt Ziegler.

Der Bonner EDV-Spezialist gehört zu einer Autosammler-Spezies, die sich immer weiter ausbreitet. Ihre Traumwagen sind die sogenannten Youngtimer. Darunter verstehen die Experten Fahrzeuge, die 20 bis 30 Jahre auf den Felgen haben.

Richtige Oldtimer sehen anders aus. Zu ihnen zählen Klassiker wie das zwischen 1909 und 1927 rund 15 Millionen Mal produzierte Ford Modell T. Oder der Adenauer-Mercedes aus den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Oder der Aston Martin DB5 aus dem James-Bond-Film "Goldfinger". Dieses Coupe von 1965 wechselte vor zwei Wochen auf einer Auktion den Besitzer: für 2.090 000 Dollar.

Preise jenseits von Gut und Böse

Solche Preise liegen für Youngtimer-Fans wie Ralf Ziegler jenseits von Gut und Böse. Seine BMWs (zwei 3er und ein 5er) hat er für rund 1000 Euro pro Stück eingekauft.

Das ist typisch: Youngtimer-Liebhaber füllen die Lücke zwischen Klassik und Moderne. Ihre automobilen Schätze stammen aus den 70er und 80er Jahren. Als Neuwagen haben Modelle wie Daimlers einstiges Flaggschiff 450 SEL 6.9 noch ein Vermögen gekostet. Statt Geschäftsführern lenken heute einfache Angestellte solche Vehikel - die modernen Oldies sind für einen Bruchteil der damaligen Summen zu haben.

Gerade dieser Fakt macht das Sammeln von Youngtimern so attraktiv. Im Gegensatz zu den echten Oldtimern bewegen sich die Preise noch auf einem moderaten Niveau. "Im Schnitt zwischen 5000 und 15 000 Euro", schätzt Jochen Strauch, Geschäftsführer des Preisbewerters Classic Data. Dafür bekommt man ein fahrtüchtiges, meist gut restauriertes Fahrzeug in ordentlichem Zustand mit allenfalls leichten Gebrauchsspuren. Das entspricht der Zustandsnote "Zwei".

Das Hobby als Geldanlage

Viele Oldtimer-Sammler betrachten ihr Hobby unter dem Aspekt der Geldanlage. Beliebte Modelle wie der mächtige Duesenberg J von 1934 (vor einem Jahr für 2,75 Millionen Dollar verkauft) versprechen mächtige Wertsteigerungen. Beim Hersteller Daimler-Chrysler weiß man sogar von Plänen, wonach Finanzspezialisten und Autoexperten einen geschlossenen Fonds auflegen wollen, dessen Gelder in bis zu 250 Oldtimer investiert werden sollen. Das erhoffte Renditeziel liege bei zwölf Prozent, heißt es.

Youngtimer-Fans setzen andere Prioritäten. "Ihnen kommt es vor allem darauf an, ein individuelles Auto zu fahren", weiß Autoexperte Strauch. "Ein bißchen Chrom, ein bißchen Chic", das ist es, was den besonderen Reiz der Modelle ausmacht.

Und die Tatsache, daß Fahrzeuge aus den 70er und 80er Jahren leicht repariert und gewartet werden können. Peilstab rein, Öl nachfüllen, fertig. Die jüngste Autogeneration dagegen verlangt selbst für solch banale Wartungstätigkeiten ein werkstatteigenes Diagnosegerät. Für Leute wie BMW-Besitzer Ralf Ziegler eine schreckliche Vorstellung: "Das richtige Auto braucht außer dem Radio keine Elektronik und kein digitales Gedöns", sagt der Mann, der hauptberuflich mit Computern sein Geld verdient.

Golf GTI heiß begehrt

Obwohl die Szene verbal wenig Wert auf den Aspekt Geld legt ("Mit Youngtimern läßt sich kein Geld verdienen", heißt es immer wieder), sind bei bestimmten Modellen doch ordentliche Preissteigerungen zu beobachten. So muß für einen Golf GTI der ersten Generation heute fast dreimal soviel bezahlt werden wie 1996. Ein Opel Ascona von 1980 ist doppelt so teuer wie vor zehn Jahren. Und ein Porsche 911 aus den 70er Jahren, der vor einem Jahrzehnt für rund 19 000 Euro zu haben war, wechselt aktuell für 34 000 Euro den Besitzer.

Solch kräftige Preissteigerungen wissen auch die Fachleute nicht recht zu erklären. Auf jeden Fall hat es damit zu tun, daß ein Auto irgendwann mit völlig anderen Augen betrachtet wird: Gestern noch unbeachtete Massenware, heute etwas Besonderes mit dem unbeschreibbaren Etwas.

So kommt es, daß selbst Fahrzeuge, früher als häßlich verpönt, auf einmal Kult werden. Der Ford Granada ist dafür eines der besten Beispiele. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelten sich die Preise für die üppige Familienlimousine. Werbespots von Dea und McDonald's machten das einstige Spießer- und Rentnerauto zum gefragten Szene-Objekt.

Classic-Data-Chef Strauch registriert seit geraumer Zeit, wie die Preise für alte Autos insgesamt ansteigen. Steigerungsraten von sieben bis acht Prozent hat er für die vergangenen Jahre ermittelt: "Eine ordentliche Rendite", findet der Gutachter.

Doch Vorsicht!

Doch gerade was Youngtimer angeht, ist Vorsicht geboten. Wer wie BMW-Besitzer Ralf Ziegler billig einsteigt, muß im nachhinein noch ordentlich Geld für Restaurierung und Reparaturen drauflegen. Für seinen 320 hat er nach 5000 Euro "mit dem Zählen aufgehört"; 10.000 Euro könnten es insgesamt schon gewesen sein, schätzt er.

Trotzdem: gut angelegtes Geld. Neulich hat ihm BMW einen Monat lang den neuen Einser zur Verfügung gestellt, weil der Konzern für eine Händlerpräsentation seinen toprestaurierten Dreier haben wollte. Ziegler war heilfroh, als er wieder in seinem alten sitzen durften: "Die neuen Autos, die sind halt nicht nach meinem Geschmack."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.02.2006, Nr. 5 / Seite 49
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