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Gamescom : Im Land der Zocker und Daddler

Statt auf großen Bildschirmen wird künftig noch häufiger auf Smartphones gespielt. Bild: Koelnmesse

Fast 30 Millionen Menschen beschäftigen sich hierzulande mit Computerspielen, vor allem immer mehr Frauen. Der Grund dafür steckt inzwischen in jeder Hosentasche.

          Die Ranglisten im Appstore des Technikkonzerns Apple bieten immer nur eine Momentaufnahme. Trotzdem sind die Charts ein Gradmesser dafür, mit welchen Programmen sich Smartphone-Nutzer gerade besonders häufig beschäftigen. Geht es nach den dort angegebenen Kategorien, dann sind gut ein Viertel bis ein Drittel der aktuell beliebtesten kostenlosen und kostenpflichtigen Smartphone-Programme in Deutschland Spiele. Deutschland ist ein Land der Daddler und Zocker geworden.

          Das bestätigen auch Marktzahlen, veröffentlicht im Vorfeld der am Mittwoch beginnenden Gamescom, der größten Computerspielemesse der Welt. Computerspiele seien so beliebt wie nie, konstatiert der Technikverband Bitkom. 42 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren spielen. Das sind rund 29 Millionen Bundesbürger. Noch im Vorjahr nutzte erst gut ein Drittel elektronische Spiele. Besonders rasant ist das Wachstum innerhalb der weiblichen Bevölkerung. Während 2013 noch 30 Prozent der Frauen ab 14 Jahren spielten, sind es in diesem Jahr fast 40 Prozent.

          Zahl der Nutzer von Spiele-Apps rasant angestiegen

          Der Grund für dieses Wachstum steckt heute in fast jeder Hosentasche: Smartphones, die sich mit wenigen Berührungen auf dem Bildschirm zu kleinen Spielekonsolen machen lassen. Aber auch die immer mehr verbreiteten Tabletcomputer treiben das Wachstum der Gelegenheitsspieler an. Laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware ist die Zahl der Nutzer von Spiele-Apps zwischen dem ersten Halbjahr vergangenen Jahres und dem ersten Halbjahr dieses Jahres um 23 Prozent gestiegen. Inzwischen nutzen hierzulande somit 20,6 Millionen Menschen Spiele-Apps. Und es sind bei weitem nicht die Jüngeren, die sich die Zeit damit vertreiben: 41 Prozent der App-Spieler sind älter als 39 Jahre. Die Hälfte von ihnen lebt in Haushalten, die über ein Nettoeinkommen von mehr als 3000 Euro im Monat verfügen.

          Bild: F.A.Z.

          Das schlägt sich auch in den Umsatzzahlen von Spiele-App-Entwicklern nieder. 114 Millionen Euro haben Programmierer von Smartphone-Programmen im ersten Halbjahr dieses Jahres laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie verdient – sei es, weil ihre Kunden für die Spiele-Apps direkt beim Download bezahlen, sei es, weil sie innerhalb zunächst kostenloser Programme zusätzliche Funktionen oder digitale Güter dazukaufen. Im Vorjahresvergleich ist dieser Teilmarkt um 132 Prozent gewachsen. Damals erlösten die Anbieter mit App-Käufen oder sogenannten In-App-Käufen 49 Millionen Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Konsolen im Fokus der Aufmerksamkeit

          Also läuft das Geschäft nur noch über das Handy? Nein, denn auch der Gesamtmarkt für digitale Spiele wächst – zuletzt um 6 Prozent im Halbjahresvergleich. „Die Spielerzahlen sind zwar kontinuierlich und über alle Schichten gewachsen“, sagt Maximilian Schenk, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware. Allerdings belege die Zusammensetzung der App-Spieler vor allem, dass Smartphones und Tablet-Rechner helfen, neue Bevölkerungsteile als Zielgruppen zu erschließen.

          Das zeigt denn auch ein Blick auf die herkömmlichen Geschäftssegmente der Spieleindustrie: den Markt für Konsolen und PC-Spiele. Gerade die Konsolen stehen in diesem Jahr noch einmal im Fokus der Aufmerksamkeit auf der Gamescom. Denn sowohl Sony mit seiner Playstation 4 als auch Microsoft mit seiner Xbox One hatten erst kurz vor Ende des vergangenen Jahres eine neue Generation Spielgeräte in den Markt gebracht – wie sich nun zeigt, mit Erfolg: Nach Angaben des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware ist der Konsolenabsatz in Deutschland im Vergleich zur vorherigen Generation gestiegen. Gut sieben Monate nach der ersten Einführung haben Hersteller demnach 23 Prozent mehr Konsolen verkauft. Dazu komme, sagt Schenk, dass der Spielemarkt insgesamt nach jeder neuen Konsolengeneration erst einmal eine Delle durchlaufe: Spieler müssen für die neuen Geräte sparen oder halten sich mit Ausgaben für Spiele zurück, weil sie auf mehr Auswahl warten. „Auch in Deutschland gab es diese Delle“, sagt Schenk. Doch sei sie viel flacher gewesen als etwa in Frankreich oder Großbritannien. Schenk geht daher auch für das Gesamtjahr von einem eher anziehenden Wachstum aus.

          Die Spielebegeisterung in Deutschland wirkt sich denn auch auf die Computerspielemesse Gamescom selbst aus. Schon 2013 waren dort so viele Besucher wie nie. Und die Zeichen stehen gut, dass der Rekord von 340000 Gästen in diesem Jahr wieder fällt: Kurz vor Beginn der Messe sind alle Tageskarten schon verkauft. Kurzentschlossene können an den Tageskassen nur noch Nachmittagstickets erstehen.

          Quelle: F.A.Z.

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