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Gabriele Henkel, 1931 bis 2017 Bild: dpa

Gabriele Henkel verstorben : Eine schillernde, lebensfrohe Diva

Mit 85 Jahren ist die Henkel-Erbin und Kunstmäzenin Gabriele Henkel verstorben. Mit ihr verliert Düsseldorf eine der bedeutendsten Frauen der Kunsthistorie.

          Der Vernissage Mitte dieser Woche ist sie zur Überraschung vieler ferngeblieben. Ulrich Lehner, langjähriger Geschäftsführungsvorsitzender des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, sprach auf ausdrücklichen Wunsch der Künstlerin ein Grußwort. „Stillleben – Porzellan und Aquarelle“ heißt die soeben im Düsseldorfer Hetjens-Museum eröffnete Ausstellung, in der eine große Sammlung von Aquarellen sowie Installationen der kunstsinnigen Mäzenin, Sammlerin und Industriellengattin Gabriele Henkel gezeigt werden. Sie persönlich war noch am Aufbau beteiligt. Wie jetzt bekannt wurde, ist sie in der Nacht zum Freitag im Alter von 85 Jahren verstorben.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Henkel wurde mitten aus einem sehr erfüllten Leben gerissen. Nicht nur Düsseldorf verliert eine der für die Kunsthistorie der Stadt bedeutendsten Frauen, die einst mit Anna Maria de Medici begann und später von Johanna Ey, auch Mutter Ey genannt, geprägt wurde. Erst im August hat die Witwe von Konrad Henkel ihre Memoiren veröffentlicht. „Die Zeit ist ein Augenblick: Erinnerungen“, heißt das Buch, auf dessen Cover die Autorin in der ihr so typischen Manier der etwas zu stark aufgemachten Grande Dame abgebildet ist. Darin gibt sie Einblick in ihr bewegtes und glamouröses Leben in der Wirtschafts-, Kultur- und Politikszene. Sie erzählt vom „Puzzle“ ihres Lebens, von ihrer Kindheit und ihrer Rolle an der Seite des Waschmittelindustriellen und Enkels des Unternehmergründers Fritz Henkel.

          Ein höchst ungleiches Gespann

          Die Tochter eines Düsseldorfer Medizinprofessors war 20 Jahre jung, als sie in die Henkel-Dynastie einheiratete. Der Ehe entstammt der 1958 geborene, heute überwiegend in England lebende Sohn Christoph. Vor ihrer Heirat hat sie nach Schulbesuch und Au-Pair-Aufenthalt in London kurz als Journalistin gearbeitet. Ihr Interesse für den Journalismus hat sie sich lange erhalten. Nach dem Börsengang von Henkel stattete sie anlässlich der jährlichen Hauptversammlungen regelmäßig auch dem Pressezentrum einen Besuch ab. Konrad und Gabriele Henkel waren zumindest für Außenstehende ein höchst ungleiches Gespann, das sich aber offenbar genau wegen dieser Gegensätze so gut verstand und ergänzte.

          Konrad, der stets bescheiden auftretende und gänzlich uneitle Unternehmer mit seinen großen wissenschaftlichen Interessen. Gabriele, die schillernde, lebensfrohe Diva, die für die von ihr arrangierten Abendgesellschaften berühmt war und in deren Haus die Größen aus Kunst, Wirtschaft und Politik aus- und eingingen. Sie pflegte Kontakte zu vielen zeitgenössischen Künstlern. Joseph Beuys soll sie Jüppchen genannt haben. Gabriele Henkel zeigte schon in jungen Jahren großes Interesse an Kunst. Gemeinsam mit ihrer verstorbenen Schwester, der Galeristin Hete Hünermann, war sie entsprechend eng mit der zur Düsseldorfer Kunstszene verbunden. Ab Ende der 1960er Jahre durfte sie für den Henkel-Konzern Kunst aufkaufen. Daraus ist eine stattliche Sammlung hochkarätiger Werke geworden, von der einiges im vergangenen Jahr in der Düsseldorfer Kunstsammlung K20 der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

          Auch sie persönlich war äußerst kreativ. Unvergessen eine Ausstellung Anfang der 1990er Jahre in der Düsseldorfer Karstadt-Filiale. Dort arrangierte sie im Rahmen ihrer „Tafelbilder“ Kunstwerke aus diversen Putz- und Haushaltsutensilien. 1983 erhielt sie einen Lehrauftrag für Kunstgeschichte an der Universität Wuppertal, später wurde sie dort zur Honorarprofessorin für Kommunikationsdesign. 2001 gründete sie die Kythera-Kulturstiftung, die seither jährlich einen Preis an junge Künstlerinnen und Künstler verleiht. Bis zuletzt war die auch in Anlehnung an die klassische Persil-Werbeikone gern als „Weiße Dame“ titulierte Düsseldorferin aktiv, ideenreich und neugierig. In ihrem jüngsten Buch klingt allerdings auch Wehmut an. Die meisten ihr nahestehenden Menschen seien inzwischen verstorben. Sie fehlten ihr. Nun ist sie ihnen gefolgt.

          Quelle: FAZ.NET

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