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Fußball-Senderechte Endspiel um die Bundesliga

 ·  Die Deutsche Telekom will Sky die Fußball-Senderechte abjagen. Aber darf ein Staatskonzern überhaupt Rundfunkanbieter sein?

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Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein“, hat einst Franz Beckenbauer gesungen. Das Singen hat Deutschlands Jahrhundert-Fußballer schnell wieder aufgegeben, des Kaisers Worte aus der Tiefe des Raumes haben aber noch immer Gewicht, wenn es um Fußball geht. In dieser Woche hat sich Franz Beckenbauer als Co-Kommentator exklusiv vom Bezahlsender Sky unter Vertrag nehmen lassen.

Und dort braucht man gute Freunde dringender denn je. Denn Sky Deutschland will die Ware Bundesliga für viel Geld kaufen, sieht sich aber einem noch zahlungskräftigeren Wettbewerber gegenüber. Wenn bis zum kommenden Montag, Punkt 12 Uhr, bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) alle Gebote für die Übertragungsrechte der Jahre 2013 bis 2017 vorliegen, zeichnet sich ein Endspiel zwischen Sky und der Deutschen Telekom ab.

Sky ins Abseits stellen

Beide werden aller Voraussicht nach um dieselben Senderechte bieten, und zwar um so ziemlich alle technischen Verbreitungswege, also Kabel, Satellit, Internet (IP-TV) und Mobile-TV. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erwartet eine Steigerung der Rechteerlöse. Bislang erhalten die Bundesliga-Vereine durchschnittlich 412 Millionen Euro im Jahr. Rund 250 Millionen Euro lässt sich Sky die Live-Spiele kosten, etwa 100 Millionen Euro überweist die ARD für die zeitnahe Zusammenfassung in der samstäglichen „Sportschau“. Ziemlich günstig ist die Telekom an die IP-TV-Rechte gekommen, doch in der neuen Auktion werden für diesen Vierjahreskontrakt sicher mehr als 25 Millionen Euro fällig.

Die große Frage ist, wie viel die Telekom bereit ist, für den großen Rest auf den Tisch zu legen. Sky-Chef Brian Sullivan hätten schon vor zwei Jahren die Ohren klingeln müssen. Aber was René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, im Frühjahr 2010 als Teil seiner neuen Konzernstrategie ankündigte, wird an der Isar damals eher für ein müdes Lächeln gesorgt haben. „Wir wollen Marktführer im deutschen Pay-TV werden“, so Obermanns selbstbewusste Ansage. Bei seinerzeit weniger als einer Million Fernsehkunden war das eine gewagte Prognose. Drei Jahre Zeit hat Obermann dem Konzern dafür gegeben. Die sind bald abgelaufen, und so kommt die Neuvergabe der Fußballrechte genau passend, um Sky ins Abseits zu stellen.

Sorgen um Medienstandort München

Denn auch für die Telekom ist die Bundesliga eines der Zugpferde, um neue Abonnenten zu gewinnen. Von den rund 1,6 Millionen Haushalten, die inzwischen das Internetfernsehen „Entertain“ empfangen, hat immerhin ein Zehntel „Liga total“ abonniert. Es könnten sehr viel mehr sein: Seit die Telekom „Entertain“ auch über Satellit anbietet, schießen die Abonnentenzahlen in die Höhe. Aber weil die Bonner über Satellit keine Fußballspiele ausstrahlen dürfen, schauen Fans ohne schnellen Breitbandanschluss in die Röhre. „Wir wollen allen Entertain-Kunden Fußball anbieten können, unabhängig davon, welche technische Plattform sie nutzen“, beschreibt ein Sprecher die strategische Ausgangslage. Die Kabelrechte braucht die Telekom dafür eigentlich nicht, aber die Satellitenlizenz gibt es nur im Paket mit dem Kabel. Mit dieser Kopplung hat die DFL die beiden Rivalen geschickt auf dasselbe Spielfeld getrieben.

Offiziell äußern will sich während des Bieterverfahrens niemand. Doch hinter den Kulissen werben die Beteiligten für die eigene Position, reichen Gutachten hin und her, beknien Medienpolitiker. Denn der Zweikampf zwischen dem ehemaligen deutschen Staatskonzern und dem Deutschland-Ableger des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch hat eine medienrechtliche Seite. Weil Rundfunk in Deutschland generell staatsfrei sein soll, der Bund aber noch mit 32 Prozent Großaktionär der Telekom ist, hat der Mainzer Medienrechtler Dieter Dörr in einem Gutachten den Bonnern eine mangelnde Rundfunkfähigkeit attestiert. Zu einem ähnlichen Urteil kommt der Berliner Wettbewerbsrechtler Franz-Jürgen Säcker. Und Eberhard Sinner, medienpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, sorgt sich um den Medienstandort München, denn schließlich hat „der größte Pay-TV-Anbieter Sky eines der modernsten Studios Europas eingerichtet und beschäftigt 1300 Mitarbeiter“.

In der letzten Auktion hat die Telekom dieses ordnungspolitische Hindernis noch geschickt umdribbelt. Ihr „Liga-total“-Programm lässt sie bei der Constantin Medien AG produzieren, übrigens im Vorort Ismaning, nur einen Steinwurf entfernt von den Sky-Studios. Sollte die Telekom über das Internetfernsehen hinaus den Zuschlag für die Live-Rechte via Satellit erhalten, könnte es zu Klagen kommen.

Die Direktoren der Landesmedienanstalten sind alarmiert. Am Spielfeldrand wird gern auch mal foul gespielt. So flattern Journalisten merkwürdige Charts zu, die angeblich Verträge und Positionen der Telekom wiedergeben, auf denen aber nicht einmal das Telekom-Logo richtig abgebildet wird. Bei der Telekom stößt das Gezerre naturgemäß auf Unverständnis. „Manche Gutachter erwecken den Eindruck, als wollten wir einen Nachrichtensender aufmachen. Dabei wollen wir doch nur Fußball einspeisen“, sagt ein Konzernsprecher. Und Vorstandschef Obermann ereiferte sich dieser Tage darüber, dass die Monopolstellung von Sky in Deutschland so kritiklos hingenommen werde.

Für Sky steht mehr auf dem Spiel

Andererseits: Sollte die Telekom das Duell gewinnen, gäbe es in den kommenden vier Jahren nur einen anderen Monopolanbieter, wie die Sky-Befürworter sagen. Wie der Markt dann aussähe, dürfte entscheidend davon abhängen, wie die Telekom mit ihren Übertragungsrechten umginge.

Theoretisch könnte sie die nicht benötigten Kabellizenzen sogar weiterverkaufen. Sehr wahrscheinlich ist das freilich nicht. Im Konzern wird eine andere Lösung bevorzugt: Eine Produktionsgesellschaft, womöglich wieder Constantin, könnte die Fußballsendungen produzieren, und aus ihrem Topf könnten sich alle Interessenten von Sky bis Kabel Deutschland bedienen - „diskriminierungsfrei“, wie es heißt.

Für Sky Deutschland steht ungleich mehr auf dem Spiel. Sollte das börsennotierte Unternehmen in der DFL-Auktion leer ausgehen, würde die Aktie zum Pennystock. Die Analysten von Morgan Stanley haben in diesem „Worst Case“ einen Wert von 22 Cent ausgerechnet. Damit es für Sky so weit nicht kommt, kann kaiserlicher Beistand vielleicht ganz nützlich sein.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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