Der geplante Zusammenschluss des deutsch-französischen Flugzeug- und Rüstungskonzerns EADS mit dem britischen Wettbewerber BAE Systems steht laut Medienberichten vor großen Hindernissen. Frankreich wolle auf keinen Fall auf den eigenen Staatsanteil verzichten, schreibt das „Handelsblatt“ und beruft sich dabei auf das französische Präsidialamt. Falls Frankreich seine Anteile halte, wolle die Bundesrepublik EADS-Aktien kaufen, hieß es weiter.
In diesem Fall käme der Zusammenschluss nach Ansicht von EADS wohl nicht zustande, weil die Briten keinen Konzern mit deutsch-französischer Staatsbeteiligung wollten. Der europäische Konzern EADS und das britische Unternehmen BAE Systems hatten vor kurzem bekanntgegeben, dass sie über eine Fusion verhandeln. Die Airbus-Mutter EADS soll an dem künftigen Konzern 60 Prozent, BAE 40 Prozent der Anteile halten. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als der amerikanische Konkurrent Boeing.
Frankreich will Aktienpaket und „Goldene Aktien“
Paris sei für die Fusion zwar grundsätzlich aufgeschlossen. Man sei auch bereit, eine Verringerung der Beteiligung von 15 auf 9 Prozent hinzunehmen, sagte ein hoher Regierungsvertreter dem „Handelsblatt“. EADS-Chef Tom Enders sähe es aber am liebsten, wenn alle Staaten ihre Anteile aufgäben und stattdessen nur „Goldene Aktien“ erhielten. Diese sollen ein Veto gegen feindliche Übernahmen ermöglichen. Mit der französischen Regierung sei dies aber nicht zu machen: Aufgeben werde man den Anteil nicht, habe es im Präsidialamt geheißen.
In der Bundesregierung gelte es als „unwahrscheinlich“, dass sie einer Lösung zustimmen werde, in der zwar alle Regierungen eine „Goldene Aktie“ hätten, die französische Seite aber zusätzlich noch ein Aktienpaket von neun Prozent. Dem Unternehmen sei immer wieder signalisiert worden, dass auch die Bundeskanzlerin großen Wert auf die „Balance“ innerhalb der neuen Unternehmensstruktur lege.
Deutschlands Aktienkäufe könnten zum Stolperstein werden
Unterdessen berichtet die „Welt“, EADS dränge die Bundesregierung, auf den zuletzt noch geplanten Kauf von EADS-Aktien zu verzichten. Denn dann könnte sich die britische Regierung als Stolperstein erweisen. Sie tue sich schwer damit, sollte der Anteil der deutschen und der französischen Regierung am fusionierten Konzern insgesamt deutlich über zehn Prozent hinausgehen, schreibt das Blatt und beruft sich auf verhandlungsnahe Kreise. Bei EADS war am Montagmorgen zunächst niemand für eine Stellungnahme
zu erreichen.
Die Bundesregierung verhandelt bereits seit Monaten mit dem Daimler-Konzern, der einen Ausstieg aus dem EADS-Aktionärskreis plant. An den Ausstiegsplänen habe sich auch durch die Fusionsverhandlungen mit BAE Systems nichts geändert, hatte der Autobauer nach Bekanntwerden des Vorhabens mitgeteilt. EADS soll Daimler nun laut einem Magazinbericht mit der Abnahme von 7,5 Prozent der bei ihr liegenden EADS-Anteile gelockt haben.
In den seit langem andauernden Verkaufsgesprächen von Daimler mit der Bundesregierung und der KfW-Bankengruppe geht es um die Übertragung von zwei EADS-Aktienpaketen: eines in Höhe von 7,5 Prozent, ein weiteres in identischer Höhe, das ein Bankenkonsortium namens Dedalus hält, für das Daimler aber die Stimmrechte ausübt. Zu den Dedalus-Banken zählen unter anderem diverse Landesbanken.
Dass EADS sowie Großbritannien den staatlichen Einfluss auf den fusionierten Konzern verringern möchten, hängt auch mit dem Amerika-Geschäft zusammen. Die Vereinigten Staaten sind der weltgrößte Rüstungsmarkt und damit für BAE Systems unverzichtbar. Es wird befürchtet, dass eine staatliche Dominanz im Aktionärskreis Misstrauen der amerikanischen Politik schüren und damit die von BAE Systems dominierte Rüstungssparte Aufträge verlieren könnte. BAE Systems ist ein bedeutender Militärzulieferer in den Vereinigten Staaten. EADS hingegen hat bislang kein nennenswertes Rüstungsgeschäft dort vorzuweisen.
Die Zeit drängt. Am 10. Oktober läuft eine Frist der britischen Börsenaufsicht ab. Bis dahin müssen die Unternehmen Details zu ihren Plänen vermelden. Da vor allem die zu leistende Überzeugungsarbeit bei den beteiligten Regierungen schleppend verläuft, wollen die Fusionswilligen eine Verlängerung der Frist beantragen, wie die Zeitung „Daily Telegraph“ ohne Nennung von Quellen berichtet.
Die Regierungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien möchten jeweils Zugeständnisse hinsichtlich Standorten, Arbeitsplätzen und Mitspracherechten erwirken. Mit der Fusion entstünde ein neuer Branchenprimus mit einem Umsatz von rund 72 Milliarden Euro und weltweit gut 220.000 Beschäftigten.
Absurde Strategie. Was soll so etwas.
Klaus Letis (odysseus_8)
- 24.09.2012, 14:07 Uhr
GB ist faktisch Pleite und BAE steht vor dem Zusammenbruch
Holger Muschal (Holly01)
- 24.09.2012, 12:52 Uhr
