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Fusionspoker Im deutschen Bankenmonopoly wird es ernst

25.05.2008 ·  Alle großen privaten Finanzkonzerne sprechen miteinander über Fusionen und Übernahmen. Der Handlungsdruck ist so stark, dass den Worten Taten folgen könnten. Deutsche Bank, Dresdner Bank, Postbank, Commerzbank, Citibank - die Mitspieler sind bekannt. Aber wer spielt nun mit wem?

Von Marcus Theurer und Gerald Braunberger
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Wer mit wem? So lautet derzeit die am häufigsten gestellte Frage in der deutschen Bankbranche. Denn zum ersten Mal seit Jahren scheinen Fusionen und Übernahmen möglich; dem Branchenspruch „Jeder spricht mit jedem“ könnten Taten folgen. Die Allianz sucht nach einer Lösung für die Dresdner Bank, die Deutsche Post erwägt einen Verkauf der Postbank und die Citigroup in New York prüft, sich von ihrem sehr profitablen Konsumentengeschäft in Deutschland zu trennen.

Die Allianz spielt eine Schlüsselrolle. Der neben der Deutschen Bank wichtigste deutsche Finanzkonzern hat klar zu verstehen gegeben, dass seine von Milliardenabschreibungen aus der Finanzkrise gebeutelte Tochtergesellschaft Dresdner Bank zumindest in ihrer heutigen Form keine Zukunft mehr in der Münchner Finanzgruppe hat. „Der Allianz ist es ernst“, heißt es in Konzernkreisen. Zu groß ist der Leidensdruck geworden. Schon im März hat die Allianz, durch die Milliardenlöcher unter Druck geraten, die Aufspaltung der Bank angekündigt. Auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche bestätigte Vorstandschef Michael Diekmann erstmals konkrete Verhandlungen mit Konkurrenten über die Zukunft der Dresdner Bank. Diekmann bezeichnete diese als „Sondierungsgespräche“ und deutete damit an, dass die Überlegungen noch in einem frühen Stadium sind.

Dreierbund könnte zu Stellenkahlschlag führen

Eine der zahlreichen Varianten, die in der deutschen Finanzbranche derzeit durchgespielt werden, ist ein Schulterschluss zwischen Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank (F.A.Z. vom 28. März). Die Allianz könnte dazu zunächst die Dresdner als Sacheinlage in die Commerzbank einbringen. Anschließend würde die neue Bank die Mehrheit an der voraussichtlich zum Verkauf stehenden Postbank übernehmen. Es entstünde die größte deutsche Filialbank. Offenbar werden seit einiger Zeit Gespräche über ein solches Projekt geführt; vor einem unmittelbaren Abschluss scheint es aber nicht zu stehen.

Gegen den Dreierbund spricht vor allem dessen Komplexität. Gleich drei Bank zusammenzuführen wäre eine schwierige und riskante Herkulesaufgabe. Gewerkschafter warnen zudem vor einem Stellenkahlschlag und sehen vor allem bei der Dresdner Bank und der Commerzbank bis zu 20.000 Arbeitsplätze bedroht. „Das ist hochbrisant“, heißt es auch in Finanzkreisen. Kritiker wenden zudem ein, dass die Allianz in den vergangenen Jahren nicht in der Lage war, mit der Dresdner eine einzige Großbank auf Vordermann zu bringen. Das spricht nicht dafür, dass sie als wichtigster Aktionär den Zusammenschluss gleich dreier Großbanken meistern könnte.

Ein zweiter „nationaler Bankenchampion“

Für die Dreierlösung spricht nach Ansicht ihrer Befürworter, dass so neben der Deutschen Bank langfristig ein zweiter „nationaler Bankenchampion“ entstehen würde. Der bekäme mit der Allianz zudem einen starken deutschen Großaktionär und wäre damit gegen eine ausländische Übernahme vergleichsweise gut geschützt, argumentieren Befürworter. Solche industriepolitischen Überlegungen könnten eine wesentliche Rolle spielen. Denn Mehrheitseigner der Postbank ist die Deutsche Post, deren größter Aktionär wiederum der Bund ist.

Für die Allianz war die Übernahme der Dresdner Bank ohnehin immer nur eine Ausweichlösung. Anfang des Jahres 2000 hatte der damalige Allianz-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Henning Schulte-Noelle einen anderen Coup vor: Er wollte Nutznießer einer Elefantenhochzeit von Deutscher Bank und Dresdner Bank werden. Die Allianz hätte bei dem hochkomplexen Geschäft unter anderem die Hälfte des damaligen Kleinkundengeschäfts Deutsche Bank 24 und die Fondsgesellschaft DWS übernommen. Auch die von Schulte-Noelles Nachfolger Diekmann vor zwei Monaten angekündigte Aufspaltung der Dresdner Bank war schon einmal vorgezeichnet. Als die Allianz die Dresdner im Frühjahr 2001 schluckte, sollte deren Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft als rechtlich selbständige Einheit ausgegliedert und für einen Börsengang vorbereitet werden. Sieben Jahre später könnte sich nun der Kreis doch noch schließen: Analysten werten die Aufspaltung der Dresdner Bank auch als Signal für den Rückzug der Allianz aus dem riskanten Kapitalmarktgeschäft, das den Konzern seit dem vergangenen Sommer fast 2,5 Milliarden Euro an Abschreibungen gekostet hat.

Und was macht Josef Ackermann?

Eine andere entscheidende Frage ist, wie sich die Deutsche Bank verhalten wird. Josef Ackermann hat öffentlich Interesse an der Postbank bestätigt, sich dagegen zurückhaltend gegenüber dem deutschen Geschäft der Citigroup geäußert. Nach einem Magazinbericht scheint sich die Deutsche Bank aber doch für die Citi zu interessieren, zumal interessierte Kreise aus Berlin streuen, aus der Sicht der Politik sei die Deutsche Bank nicht der Favorit für die Postbank. Der Bund ist immer noch maßgeblicher Aktionär der Deutschen Post und kann bis zum Jahresende ein Veto gegen einen Verkauf der Postbank einlegen.

In der Gerüchteküche durchgespielt wird auch eine Übernahme der Dresdner Bank durch die Deutsche Bank. Vor der Finanzmarktkrise war aus der Deutschen Bank zu hören, man sei weder an der Dresdner Bank noch an der Commerzbank interessiert, sondern wolle sie als Partner in der Vergabe von Großkrediten behalten. Doch das dürfte heute anders sein.

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