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Für 9,8 Milliarden Euro : Die Commerzbank übernimmt die Dresdner Bank

Die Tage des grünen Logos sind gezählt Bild:

Der Versicherungskonzern Allianz verkauft seine verlustreiche Tochtergesellschaft Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro in zwei Schritten an die Commerzbank. In Deutschland steht damit inmitten der Finanzmarktkrise der größte Bankenzusammenschluss seit Ende der neunziger Jahre bevor. 9000 Arbeitsplätze fallen weg.

          Der Versicherungskonzern Allianz verkauft seine verlustreiche Tochtergesellschaft Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro an die Commerzbank. In Deutschland steht damit inmitten einer schweren Finanzmarktkrise der größte Bankenzusammenschluss seit Ende der neunziger Jahre bevor. Zahlreiche andere Fusionsvorhaben sind dagegen seit der Jahrtausendwende gescheitert. Experten halten schon lange Fusionen im deutschen Bankenmarkt für nötig, damit die Kreditinstitute im internationalen Wettbewerb nicht weiter an Boden verlieren. Nach dem Zusammenschluss sollen 9000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
          Die Aufsichtsräte von Allianz und Commerzbank haben dem Verkauf auf Sondersitzungen am Sonntag zugestimmt. Die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB), die ebenfalls für die Dresdner Bank geboten hatte, geht damit leer aus. Der hessische Ministerpräsident Koch (CDU) sei bereits vorab über den bevorstehenden Schulterschluss informiert worden, hieß es.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Commerzbank ist nach der Deutschen Bank die zweitgrößte private deutsche Großbank, die Dresdner Bank ist die Nummer drei. Das neue Geldhaus wird voraussichtlich unter der Marke Commerzbank auftreten. Der Name der fast 140 Jahre alten Dresdner Bank wird damit wahrscheinlich verschwinden. Commerzbank und Dresdner Bank versorgen gemeinsam mehr als zwölf Millionen Privatkunden in Deutschland. Mit einer rechnerischen Bilanzsumme von rund 1,1 Billionenen Euro zählt die um die Dresdner Bank erweiterte Commerzbank damit im internationalen Vergleich aber immer noch zu den kleineren Kreditinstituten.

          Das Geschäft ist in zwei Stufen angelegt

          Das hochkomplexe, in zwei Stufen angelegte Geschäft soll im zweiten Halbjahr 2009 abgeschlossen werden. Dafür ist die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung der Commerzbank notwendig. Der Milliardenzukauf, der für die Commerzbank ein finanzieller Kraftakt ist und den sie zu zwei Dritteln in eigenen Aktien bestreiten will, könnte deshalb in den kommenden Monaten noch scheitern. Zur Finanzierung überlässt die Bank als Teil des Kaufpreises ihre Fondsgesellschaft Cominvest für 700 Millionen Euro der Allianz. Auch eine Beteiligung am Gaskonzern Linde soll verkauft werden

          Vereinbart ist zudem eine 1,25 Milliarden Euro schwere Vorsorge für mögliche zukünftige Schäden der Dresdner Bank aus der Finanzmarktkrise. Die Allianz soll mit 975 Millionen Euro den Löwenanteil dieser Kosten übernehmen.

          Die Allianz, der - gemessen an der Börsenkapitalisierung - größte deutsche Finanzkonzern, will mit dem Verkauf nach acht Jahren zumindest teilweise einen Schlussstrich unter ihren erfolglosen Versuch ziehen, ins Bankgeschäft zu expandieren. Der Versicherer hat 2001 rund 24 Milliarden Euro für die Dresdner Bank bezahlt, mit dieser aber nie dauerhaft Gewinne erwirtschaftet. Vielmehr geriet die Übernahme zu einem der größten Fehlschläge in der Geschichte der deutschen Finanzindustrie. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Verkaufs wäre die Allianz mit 29 Prozent Hauptaktionär der neuen, größeren Commerzbank.

          9000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

          Die chinesische CDB hat in der vergangenen Woche überraschend ebenfalls ein Angebot für die Dresdner Bank vorgelegt. Nach Informationen aus Finanzkreisen boten die Chinesen zwar mehr, doch war die Offerte der Staatsbank der Allianz zu unverbindlich. Auch die Bundesregierung soll Bedenken gegen den Verkauf einer der größten deutschen Geschäftsbanken an ein chinesisches Staatsunternehmen geäußert haben.

          Die Commerzbank will in beiden Geldhäusern zusammen 9000 der bislang etwa 67. 000 Arbeitsplätze streichen. In Finanzkreisen gab es am Sonntag allerdings Zweifel, ob dies ausreichen werde. Der Abbau solle möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, hieß es. Besonders hart wird es voraussichtlich die Hauptverwaltungen in Frankfurt und das vor allem in London angesiedelte Kapitalmarktgeschäft (Investmentbanking) der Dresdner Bank treffen. Zudem sollen 600 der bislang zusammen etwa 1800 Filialen geschlossen werden.

          Die Vorstandsvorsitzenden von Commerzbank und Allianz, Blessing und Diekmann, wollen die Einzelheiten des Geschäfts am Montag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt vorstellen. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Walter, soll wie erwartet in den Vorstand der Commerzbank aufrücken. Die Allianz soll nach 2010 Partner der Commerzbank im Vertrieb von Versicherungen am Bankschalter werden. Bis dahin ist diese an die italienische Generali-Versicherung gebunden, die mit rund neun Prozent bisher größter Aktionär der Bank ist.

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