Home
http://www.faz.net/-gqe-7ha8j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.09.2013, 16:09 Uhr

Fünf Jahre nach der Lehman–Pleite Trichet: Es ist noch nicht vorbei

Auch fünf Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman sind die Folgen nach Ansicht des einstigen EZB-Präsidenten Trichet nicht bewältigt. „Wir leben immer noch im Schatten von Lehman“, sagte Trichet der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

© dapd Als Folge der Lehman-Pleite erlebte die Weltwirtschaft ihre schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

Fünf Jahre nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sind die Folgen aus Sicht führender Notenbanker noch nicht bewältigt. „Wir leben immer noch im Schatten von Lehman“, sagte der einstige Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er kritisierte die damals allzu optimistische Wahrnehmung der Amerikaner: „Die erste Einschätzung, dass der Lehman-Bankrott keine schweren Konsequenzen hätte, war falsch“. Trotzdem sei die Entscheidung, Lehman pleite gehen zu lassen, kein Fehler gewesen. „Man kann ein Problem nicht endlos mit einer Folge von Rettungen angehen“, sagte er der F.A.S.

Jörg Asmussen, Mitglied im aktuellen EZB-Direktorium, lobte die Folgen der Lehman-Pleite für die Bankenregulierung. „Hätte man Lehman gerettet, wäre die Bankenregulierung heute sicher nicht schärfer als 2008“, sagte er der F.A.S. „In diesem Sinne hat Lehman auch etwas Gutes gehabt.“ Dass das Erreichte aber ausreicht, um eine Wiederholung der Katastrophe zu verhindern, bezweifelte er. „Wenn es feste Abläufe gibt, Banken-Testamente und einen europäischen Abwicklungsfond, dann ist es hoffentlich nicht mehr so dramatisch, eine große Bank vom Markt zu nehmen“, sagte er der F.A.S. „Letztgültig wissen wir das allerdings nie.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält eine Wiederholung der Ereignisse für unwahrscheinlich. „Eine einzelne Bank könnte heute nicht mehr das ganze System zum Einsturz bringen. Dafür haben die Banken inzwischen Vorsorge getroffen und die Politik dementsprechende Leitplanken eingezogen“, sagte Schäuble der „Welt am Sonntag“.

Die Banken hätten zwar zum Teil aus der Krise gelernt. Der Finanzminister ermahnte die Finanzhäuser aber, nicht über Überregulierung zu lamentieren. „Die Klagen aus dem Finanzsektor sind nicht meine große Sorge. Die kehren mal lieber vor ihrer eigenen Tür“, meinte Schäuble. Europa habe in den vergangenen Jahren viel erreicht und einen neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte geschaffen. Mit der geplanten Bankenunion sei eine wichtige Aufgabe aber noch nicht abgeschlossen.

Am 15. September 2008 schockte die von der amerikanischen Regierung nicht verhinderte Pleite der Wall-Street-Bank Lehman die Finanzwelt. Die durch faule Immobilienkredite ausgelöste Krise erreichte ihren Höhepunkt. Als Folge erlebte die Weltwirtschaft ihre schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Auslandsinvestition Wer mehr Zinsen will, muss mutig sein

Sparer, die ihr Geld ein Jahr fest anlegen, können bis zu 1,7 Prozent Zinsen erhalten. Allerdings müssen sie es dafür in Malta investieren. Ist das sicher? Mehr Von Tim Kanning

09.02.2016, 08:38 Uhr | Finanzen
Deutsche-Bank-Chef John Cryan bittet Aktionäre um viel Geduld

Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan hat auf der Jahrespressekonferenz Aktionäre und Mitarbeiter auf weitere Krisenjahre eingestimmt und um Geduld gebeten. Wir alle wissen, dass eine Restrukturierung sehr herausfordernd sein kann. Sie braucht Zeit, Entschlossenheit und Geduld, sagte Cryan in Frankfurt am Main. Mehr

28.01.2016, 20:39 Uhr | Wirtschaft
Deutsche Bank Ausverkauf der Deutschen Bank-Aktie

Seit Jahresanfang hat der Titel ein Drittel an Wert verloren. Der Kurs fällt nun sogar auf ein Allzeittief. Die Anleger flüchten auch aus anderen Bankaktien. Mehr Von Markus Frühauf

05.02.2016, 09:14 Uhr | Finanzen
Davos Gauck: Begrenzung von Flüchtlingszuzug ist nicht unethisch

Eine Begrenzungsstrategie kann moralisch und politisch sogar geboten sein, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu erhalten", sagte Bundespräsident Gauck in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Mehr

20.01.2016, 15:46 Uhr | Wirtschaft
Ängste der Anleger Warum fallen die Kurse an den Finanzmärkten?

Rund um den Globus fallen die Börsenkurse, besonders die Banken stehen im Fokus. Was ist da los? Hier kommen vier Erklärungen, die gerade herumgereicht werden. Mehr Von Alexander Armbruster

09.02.2016, 17:15 Uhr | Finanzen

Kein Vertrauen in die Porsches und Piëchs

Von Carsten Knop

Im Strafverfahren gegen Wendelin Wiedeking und Holger Härter stehen die Zeichen wohl auf Freispruch. Doch Gerichtsurteile sagen nicht alles: Die Familien haben mit Porsche und VW ihren Ruf verzockt. Mehr 2 14


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Misstrauische Europäer

Vertrauen Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber, steigt die Arbeitsmoral. In China, Indien und Mittelamerika ist das Vertrauen hoch. In Europa und Ostasien sieht es anders aus. Mehr 0