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Führungsriege Die alte Garde der Londoner Banker tritt ab

25.09.2010 ·  Gebannt verfolgt die Londoner City, wie innerhalb weniger Tage eine ganze Schar von Bankern ihren Rücktritt ankündigt: Die Vorstandschefs von Barclays und Lloyds scheiden aus. Bei HSBC sortiert sich die ganze Führungsriege neu. Ein Zufall? Nicht ganz.

Von Bettina Schulz, London
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Finanzkrise, nächster Akt: Gebannt verfolgt die Londoner City, wie innerhalb weniger Tage die Garde der Banker, die die drei größten britischen Geldinstitute durch die Finanzkrise gesteuert hat, ihren Rücktritt ankündigt: John Varley, Eric Daniels und Michael Geoghegan, die Vorstandsvorsitzenden von Barclays, Lloyds Banking Group und HSBC, scheiden aus. Bei HSBC, der größten britisch-asiatischen Bank, sortiert sich die ganze Führungsriege im Streit neu.

Ein Zufall? Nicht ganz: In diesen Tagen stellt die von der Regierung eingesetzte Bankenkommission ihre Kriterien vor, nach denen sie die Spaltung der britischen Banken prüfen will. Soll das Investmentbanking vom Kleinkundengeschäft getrennt werden? Sollen Bankgeschäfte enger definiert, der Eigenhandel beschränkt und die Konzentration von Marktanteilen reduziert werden? Voraussichtlich müssen sich die Großbanken mit Hilfe von Holdinggesellschaften umstrukturieren.

Das geht einigen Bankern in der Londoner City zu weit, zumal der britische Wirtschaftsminister Vince Cable auf dem liberaldemokratischen Parteitag gegen die Banken und deren Bonuszahlungen wetterte, über "dubiose Machenschaften" schimpfte und den Finanzmärkten Manipulation vorwarf. Um die Stimmung zwischen Regierung und Bankern steht es nach den Rettungsmilliarden der Steuerzahler und dem Streit um Regulierung, Bankenzerschlagung und Bonusbesteuerung nicht gut: John Varley kritisiert öffentlich, in der Debatte werde die wichtige Rolle des Investmentbankings für Unternehmen, Kleinkunden und die Wirtschaft verkannt. Michael Geoghegan, der im Nachfolgestreit bei HSBC hinwirft und zum Jahreswechsel intern durch Stuart Gulliver ersetzt wird, wehrt sich, dass von Regierungsseite über "Casino-Banking" geschimpft wird: "Ich bin überrascht, wie die Diskussion von Emotionen anstatt von harten Fakten getrieben wird. Wir müssen politische Entscheidungen nach empirischen Belegen ausrichten und nicht nach Vorurteilen."

Banker in der Londoner City fürchteten schon zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007, dass die Politik keine andere Wahl haben würde, als die Branche über Regulierung, Sondersteuern und harte Kontrollen an die Leine zu nehmen - zu hoch war der Schaden für Steuerzahler, Fiskalpolitik und Industrie.

Zahlreiche Vorstandsvorsitzende und Verwaltungsratschefs der Geldinstitute gingen schon während der Krise. Die Banker, die jetzt abtreten, hielten sich an der Spitze ihrer Institute. Es sind jene Banker, die verhinderten, dass ihre Institute vom Staat gerettet werden mussten, oder - wie im Falle von Lloyds Banking Group - mehrheitlich vom Staat übernommen werden mussten. Es sind Manager, die keine Lust oder Kraft mehr haben, den Konzern durch die kommenden Jahre harter Regulierung, Geschäftsbeschneidungen, politischer Einflussnahme und möglicherweise gar Aufspaltung zu steuern oder die Verlagerung des Sitzes ins Ausland mit all dem politischen Ärger durchzusetzen.

Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel Bob Diamond: Der amerikanische Investmentbanker stört sich nicht an den Ressentiments, die ihm als künftig neuem Vorstandsvorsitzenden von Barclays von politischer Seite schon jetzt entgegenschlagen. Die Londoner City war überrascht, wie nonchalant Diamond die Nachfolge von John Varley beanspruchte: Nach der erfolgreichen Übernahme von Lehman Brothers an der Wall Street und den Rekordgewinnen im Investmentbanking schien sein Aufstieg konsequent. Aber es hat die Öffentlichkeit und Politik dennoch schockiert, dass nach der vom Invesmentbanking ausgelösten Finanzkrise und all dem Gerede von einer Rückkehr zum traditionellen Banking mit Bob Diamond gerade der Chef des Investmentbankings von Barclays die Führung des ganzen Konzerns übernimmt.

Noch kontroverser verläuft der Führungswechsel bei HSBC: Nach der Berufung des Verwaltungsratsvorsitzenden Stephen Green zum neuen Handelsminister der Regierung folgte der Eklat. Während der Verwaltungsrat noch rätselte, ob die Nachfolge an den bissigen Vorstandsvorsitzenden Michael Geoghegan oder den ehemaligen Investmentbanker von Goldman Sachs und HSBC Manager, John Thornton, gehen sollte, drohte Geoghegan schon mit Rücktritt, sollte er leer ausgehen. Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte: Jetzt wird Finanzchef Douglas Flint neuer Verwaltungsratschef und Stuart Gulliver neuer Vorstandsvorsitzender. Auch diese Besetzung wird in politischen Kreisen Kritik auslösen. Mit Gulliver wird auch HSBC künftig von einem Investmentbanker geführt. Außerdem soll eigentlich der Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden von außen besetzt werden, aber HSBC hat sich nie an diese Regel der City gehalten.

Mit weniger Eklat und zerschlagenem Porzellan geht Eric Daniels, Vorstandsvorsitzender von Lloyds Banking Group. Er weiß, dass der mit 41 Prozent an der Bank beteiligte Staat gern ein neues Gesicht an der Spitze von Lloyds sähe. Der Wechsel soll geschehen, bevor nach neuen Investoren gesucht wird, an die der Staatsanteil verkauft werden kann. Der Verwaltungsratsvorsitzende Sir Win Bischoff sucht bereits einen Nachfolger. Daniels steht in der Londoner City nicht hoch im Kurs. Zwar hat er Lloyds Banking Group durch die Krise gesteuert und im vergangenen Jahr mit einer Kapitalerhöhung einen größeren Staatseinfluss abgewehrt. Aber er war es auch, der unter dem ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden Sir Victor Blank die Hypothekenbank HBOS übernahm und damit das Schicksal von Lloyds besiegelte. Die verheerenden Verluste zwangen Lloyds Banking Group in die Knie. Es sind nicht viele Banker, die sich jetzt um seine Nachfolge reißen.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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