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Ehemaliger Puma-Chef : Hilfe für Afrikas Kulturszene

Afrikanische Kunst im neuen Museum: Installation von Athi-Patra Ruga Bild: BOTHMA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der ehemalige Puma-Chef Jochen Zeitz hat das größte Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst geschaffen. Viele sprechen von einem Wendepunkt für die afrikanische Kultur.

          Jochen Zeitz zieht normalerweise viel Aufmerksamkeit auf sich. Bei einem Pressetermin vor der Eröffnung des Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst (Zeitz Mocaa) in Kapstadt aber sitzt er ganz unauffällig links außen in der ersten Reihe, im schlichten grauen Pulli, als wäre dies ein ganz normaler Vormittag und er ein ganz normaler Zuschauer. „Heute stehen die Künstler im Mittelpunkt“, sagt er später bei einem Kaffee im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der ehemalige Puma-Chef mit dem für Südafrikaner unaussprechlichen Namen ist Initiator des Museums, außerdem liefert er die meisten ausgestellten Werke aus seiner persönlichen Sammlung. Doch nicht nur für ihn persönlich ist die Eröffnung ein großer Moment. Viele sprechen von einem Wendepunkt für die Kultur auf dem Kontinent. Noch nie zuvor gab es ein Museum dieser Art und Größe in Afrika. Wer sich bisher als Künstler einen Namen machen wollte, musste im Ausland ausstellen. Doch das Mocaa, das in einem 100 Jahre alten Getreidesilo am Kapstädter Hafen untergebracht ist, wird auch als eines der spektakulärsten Museen auf der Welt gefeiert, auf Augenhöhe mit Institutionen wie der Londoner Tate Gallery oder dem Museum of Modern Art in New York.

          Puma erfolgreich saniert

          In seiner Heimat bringt man den Mannheimer weniger mit Kunst als mit Turnschuhen und Turnaround-Strategien in Verbindung. 18 Jahre lange hatte er Puma geführt und erfolgreich saniert. Bei seinem Amtsantritt mit 30 Jahren der jüngste Vorstandschef in Deutschland, zwischenzeitlich auch der bestbezahlte. Seinen Abschied von Puma nahm er 2011, als er merkte, dass sich die rasante Erfolgsgeschichte dem Ende zuneigte.

          Heute ist er 54 Jahre alt, hat eine Familie, lebt mal in Kenia, mal in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien – und sieht meist aus, als ob er gerade von einer Safari zurückkommt: Fünftagebart, zerzauste Frisur, so lässt er sich auch für das Werbevideo für das Mocaa filmen.

          Zeitz engagiert sich in Afrika

          Aus dem Wirtschaftsleben hat er sich nicht verabschiedet, aber die Seiten gewechselt, vom Puma-Chefsessel in den Aufsichtsrat von Harley Davidson, der Kering-Group für Luxusgüter, von Wilderness Safaris und seit kurzem der amerikanischen Investitionsgesellschaft Cranemere Group. Nachhaltigkeit ist jetzt sein großes Thema. Cranemere konzentriert sich auf langfristige Investitionen in Unternehmen in Afrika und anderswo. Mit Richard Branson hat Zeitz vor einigen Jahren das B-Team gegründet, eine Gruppe von Unternehmenslenkern, die sich einem „Plan B“ verschreiben, also neben dem Gewinn auch die Menschen und den Planeten im Blick haben.

          Dazu passt auch Zeitz’ Engagement für Afrika. Wo sonst kann man auch so viel bewegen und verändern wie auf diesem Kontinent? 1989 war er zum ersten Mal nach Kenia gekommen, danach hat ihn Afrika nicht mehr losgelassen. Heute spricht er Suaheli, hat eine 20.000 Hektar große Wildfarm ebenfalls in Kenia. Demnächst bricht er in den Kongo auf, um ein Tourismuskonzept für den Virunga-Nationalpark, den ältesten Nationalpark Afrikas, zu entwickeln. Dessen Existenz wird gerade von gierigen Ölkonzernen bedroht. „Wir müssen Win-win-Situationen schaffen, um Afrika voranzubringen“, sagt er in unverkennbar badischem Akzent auf der Mocaa-Veranstaltung und nennt die „4 Cs“ die Pfeiler der Strategie: Conservation (Naturschutz), Community (Gemeinschaft), Commerce (Wirtschaft) und eben Culture (Kultur).

          Kontinent soll seine eigene Kulturgeschichte schreiben

          So ein Managerjargon klingt exotisch inmitten all der Kunstenthusiasten, die lieber über den wohl bekanntesten südafrikanischen Künstler William Kentridge, fachsimpeln. Aber Zeitz ist auch kein normaler Kunstsammler, wie er immer wieder betont. Zur Kunst ist er eher wie ein Unternehmer gekommen: Er hat eine Art Marktlücke gesehen. „Die Kreativität in Afrika hat mich immer begeistert, aber es gibt keine Plattform, kein Museum auf internationalem Niveau, um diese Kreativität auszustellen. Das habe ich nicht verstanden, das wollte ich ändern. Dieser Kontinent muss endlich seine eigene Kulturgeschichte schreiben können.“

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