05.06.2009 · Eine Reihe deutscher Unternehmen beschafft sich derzeit neues Kapital. Dabei werden die unterschiedlichsten Anlageformen von Eigen- und Fremdmitteln eingesetzt. Es gilt, die gegenwärtig wieder günstigere Lage auf den Finanzmärkten zu nutzen.
Von Michael Psotta und Ulrich FrieseZahlreiche deutsche Unternehmen nutzen jetzt die wieder entspanntere Lage auf den Finanzmärkten, um sich neue Eigen- und Fremdmittel zu beschaffen. Dabei handelt es sich nicht nur um Unternehmen mit krisenfestem Geschäftsmodell oder bester Bonität. So hat der Stuttgarter Industriekonzern Bosch am Donnerstag angekündigt, dass er eine Anleihe in einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro auflegen wird. Ein Sprecher begründete diesen Schritt damit, dass man sich einen zusätzlichen Liquiditätspuffer verschaffen wolle. Bosch ist mit einer Eigenkapitalquote von 49 Prozent und liquiden Mitteln von rund 8 Milliarden Euro zwar noch in einer äußerst soliden finanziellen Position. Doch vor allem wegen des schwachen Autozuliefergeschäfts rechnet der Konzern damit, dass er 2009 erstmals in der Nachkriegszeit mit einem Verlust schließen wird.
Der Gesundheitskonzern Fresenius hat am Vortag 138 Millionen Euro eingesammelt, indem er eine Anleihe aus dem Jahr 2006 aufstockte. Fresenius, seit Anfang März Mitglied im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax, arbeitet weiterhin hochrentabel, weil Gesundheitsmärkte wie die Dialyse oder der Betrieb von Krankenhäusern weitgehend krisenresistent sind. Dennoch wird Fresenius von den Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's nur mit Einstufungen knapp unterhalb der Investment-Grade-Klasse bewertet, also als relativ riskantes Anlageobjekt. Das liegt an der relativ hohen Verschuldung des Unternehmens, das zuletzt im vergangenen Jahr für 2,4 Milliarden Euro den amerikanischen Pharmakonzern APP Pharmaceuticals kreditfinanziert erworben hat.
Mit der jüngsten Kapitalmarkttransaktion will Fresenius die kurzfristigen Verbindlichkeiten drücken. Die Anleihe mit einer Laufzeit bis 2016 hat eine effektive Verzinsung von 7 Prozent. Damit kommt der Konzern vergleichsweise gut weg: Noch im Januar hatte Fresenius eine Anleihe mit einer Effektivverzinsung von mehr als 10 Prozent ausgegeben.
Konkurrent Rhön-Klinikum bereitet derzeit eine Kapitalerhöhung für das zweite Halbjahr vor, die 500 Millionen Euro an frischen Eigenmitteln erbringen soll. Damit will der zu den großen deutschen Klinikbetreibern zählende Konzern Wachstumschancen nutzen, die sich durch Notverkäufe von finanziell schwachen Kommunen ergeben könnten.
Zur Finanzierung der Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Morton Salt und für andere Unternehmenszwecke hat sich der Düngemittel- und Salzproduzent K+S einen Konsortialkredit und eine Kreditlinie von 1,55 Milliarden Euro gesichert. Das ursprüngliche Volumen von 1,4 Milliarden Euro konnte damit wegen Überzeichnung deutlich ausgeweitet werden, berichtete K+S.
Der Stahlhändler Klöckner & Co., der wegen des äußerst schwachen Stahlmarktes tief in die Verlustzone geraten ist, hat eine Wandelanleihe im Umfang von rund 95 Millionen Euro angekündigt. Sie soll ausschließlich an institutionelle Investoren abgegeben werden. Die genauen Konditionen sollen in den kommenden Tagen im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens festgelegt werden. Das Unternehmen will mit der Wandelanleihe allgemeine Unternehmenszwecke und später auch Unternehmenszukäufe finanzieren.
Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall hat soeben Kreditlinien von gut 200 Millionen Euro und Schuldscheindarlehen über 150 Euro ausgehandelt. Nach den Angaben des Konzerns vom Donnerstag sei dadurch die Liquidität langfristig gesichert worden.
Auch Air Berlin hat sich trotz Branchenflaute in der Luftfahrtindustrie am Donnerstag 39 Millionen Euro an frischem Kapital verschafft. Binnen weniger Stunden wurde die Ausgabe von 10 Millionen neuen Aktien in 2 Tranchen besiegelt, wobei das Bezugsrecht für die Altaktionäre ausgeschlossen war, teilte die zweitgrößte Fluglinie Deutschlands mit. Zunächst wurden 6,6 Millionen neue Papiere zu 3,50 Euro pro Stück an institutionelle Investoren für 23 Millionen Euro verkauft. Zusammen mit der zweiten Tranche, die 15,8 Millionen Euro erlöste, flossen der Gesellschaft insgesamt fast 38,8 Millionen Euro zu. Im Rahmen dieser Plazierung kaufte Vorstandschef Joachim Hunold 150.000 neue Aktien, während Johannes Zurnieden, der Aufsichtsratsvorsitzende, 350.000 Papiere erwarb. Ende März beteiligte sich die türkische Esas-Holding mit ihrer Fluglinie „Pegasus“ mit 15,3 Prozent an Air Berlin. Der neue Großaktionär erwarb dabei 4 Millionen neue Aktien. Begründet wird die Kapitalzufuhr mit allgemeinen Unternehmenszwecken. Die neuen Mittel können der Finanzierung neuer Flugzeuge, dem Kauf der indirekten Minderheitsbeteiligung an Tuifly oder dem Schuldenabbau dienen.
Michael Psotta Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
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