22.05.2009 · Die Deutsche Post will ihre Personalkosten senken. In der Briefsparte könnten ebenso wie im Paketgeschäft Fremdunternehmen Teile der Arbeit übernehmen. Auch längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne sind im Gespräch.
Von Helmut BünderDie Deutsche Post verschärft die Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft Verdi. Notfalls will Briefvorstand Jürgen Gerdes auch ohne Zustimmung der Arbeitnehmervertretung eine Senkung der Personalkosten durchsetzen. "Wir werden alles tun, um Arbeitsplätze im Konzern zu retten, egal ob sich die Gewerkschaft verweigert oder nicht verweigert. Wir wollen keinen Alleingang, aber wir sind für die Mitarbeiter verantwortlich und werden für sie kämpfen", sagte er der F.A.Z.
Sein wichtigstes Druckmittel ist die Drohung, in der Briefsparte einen Teil der Arbeit an Fremdunternehmen auszulagern. "Wir wollen das möglichst vermeiden, aber es wird sich in den Verhandlungen zeigen, ob wir dazu gezwungen sein werden." Die österreichische Post macht vor, wie es gehen könnte: Dort werden frei werdende Stellen nicht neu besetzt, sondern stattdessen private Unternehmen engagiert. Davon erhofft man sich Einsparungen in einem Umfang von bis zu dreißig Prozent.
„Zwei Drittel unserer Kosten sind Personalkosten“
Die Deutsche Post ist diesen Weg bisher nur im Paketgeschäft gegangen: 800 ihrer rund 7000 Paketbezirke lässt sie inzwischen von Fremdunternehmen bedienen. Weil die Fremdvergabe dort sehr gut funktioniere, hält Gerdes eine Ausweitung für durchaus möglich. Vorläufig allerdings steht dem eine Vereinbarung mit Verdi entgegen, die eine weitere Auslagerung noch bis Jahresende verhindert. Sowohl die von Konzernchef Frank Appel verlangten längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich als auch einen Verzicht auf bereits beschlossene Lohnerhöhungen schließt die Gewerkschaft kategorisch aus. Gerdes warnte davor, die notwendigen Anpassungen zu verzögern und dadurch Arbeitsplätze zu gefährden.
"Eine verantwortungsbewusste Gewerkschaft darf sich dieser Debatte nicht verweigern", sagte er. "Zwei Drittel unserer Kosten sind Personalkosten. Hier darf es keine Tabus geben." Auf Dauer werde sich die Post weder die kurze Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden noch das heutige Lohnniveau leisten können. Dabei will Gerdes aber nicht der heutigen Belegschaft ans Geld, sondern die Löhne für neue Mitarbeiter senken.
Solche Töne an die Adresse der Gewerkschaft hat es bei der Deutschen Post zuvor nie gegeben. Appels Vorgänger Klaus Zumwinkel war stets auf Frieden mit der Arbeitnehmerseite bedacht. Auch Appel lenkte während der Tarifverhandlungen im vorigen Jahr lieber ein, als einen Arbeitskampf zu riskieren. Doch die Zugeständnisse haben ihre Spuren in der Bilanz des Unternehmens hinterlassen: Der Betriebsgewinn aus dem Briefgeschäft ist in den ersten drei Monaten 2009 unerwartet stark um rund ein Viertel gesunken. Gerdes glaubt die Mehrheit der Belegschaft auf seiner Seite. "Wenn die Leute die Wahl hätten, würden sie natürlich lieber länger arbeiten, als ihre Stellen in Gefahr zu bringen", meinte er. Die meisten der rund 190.000 Mitarbeiter genießen noch bis Mitte 2011 Kündigungsschutz. Aber die Post beschäftigt auch fast 22.000 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen.
Einführung eines „Online-Briefes“ Anfang 2010
Als Reaktion auf die Verdrängung von Briefen durch E-Mails beschleunigt die Post die Einführung des "Online-Briefes". Im Juni beginnt die abschließende Testphase. Ein Versuchslauf im vierten Quartal soll erste Kunden einbeziehen. Anfang 2010 soll das System marktreif sein. "Unsere Marktuntersuchungen zeigen eine überraschend hohe Zahlungsbereitschaft für eine zuverlässige und sichere elektronische Kommunikation", sagte Gerdes. Der Online-Brief soll im Prinzip so einfach und komfortabel wie eine E-Mail zu verschicken sein - allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Post verspricht, die Identität von Absender und Empfänger und die Wahrung des Briefgeheimnisses zu garantieren. Voraussetzung ist eine einmalige Registrierung.
In Tests mit Hackern habe die Verschlüsselung allen Angriffen standgehalten, sagte Gerdes. Der Online-Brief soll auch Adressaten ohne Internetanschluss erreichen können: In solchen Fällen gibt der Absender eine herkömmliche Postanschrift an; die in einer digitalen Poststelle auflaufenden Mitteilungen werden dort gedruckt, kuvertiert und vom Briefträger zugestellt. Da rund ein Viertel der Bevölkerung noch nicht online sei, sieht Gerdes in solchen Hybridlösungen einen noch auf Jahre hinaus lukrativen Markt. Auch mit jedem Smartphone werde man neben E-Mails oder SMS bald herkömmliche Briefe verschicken können.
„Fünfzig Anwendungen sind in der Pipeline“
Große geschäftliche Hoffnungen verbindet er mit komplexeren Anwendungen. "Wir werden dabei ganz neue Felder erschließen. Rund fünfzig Anwendungen sind in der Pipeline." Als ein Beispiel nannte Gerdes die elektronische Vernetzung von Privatpatienten mit Ärzten, Krankenkassen und Banken. Da geschützt und zuverlässig wie ein konventioneller Brief, könnten Arztrechnungen in diesem System elektronisch zugestellt werden. Patienten könnten die Abrechnungen vom heimischen Rechner aus bezahlen, sie zur Erstattung an ihre Kasse weiterleiten und "per Knopfdruck" anschließend archivieren, schilderte Gerdes die Vorteile. Die Preise für solchermaßen abgesicherte Online-Briefe stehen noch nicht fest.
Zufrieden zeigte sich Gerdes mit dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur Umsatzbesteuerung von Postdienstleistungen. Gerdes sieht nun Chancen, die Steuerbefreiung für einen erheblichen Teil der Umsätze mit Geschäftskunden dauerhaft zu erhalten. "Der Richterspruch bestätigt, was wir immer schon gesagt haben. Die Steuerbefreiung darf nur für individuell ausgehandelte Leistungen aufgehoben werden. Unsere Großkundenangebote wurden von der Bundesnetzagentur genehmigt und in unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen. Es handelt sich somit nicht um individuell vereinbarte Verträge. Sie gelten für jeden Kunden, der die entsprechenden Mengen einliefert", sagte Gerdes.
Nachdem die Konkurrenz gesetzwidrig ausgehebelt wurde -
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 22.05.2009, 21:44 Uhr
Kostenmanagement für Dienstmädchen
Norbert Schmidt (BertOlson)
- 23.05.2009, 02:29 Uhr
Ex Postchef mit 20 Mio Rente verabschiedet und jetzt Einsparungen beim Personal
Wer Mes (wermes)
- 23.05.2009, 11:35 Uhr
Qualitätsverlust
Jim Bob (JimBo_b)
- 23.05.2009, 12:29 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2527 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 106,98 $ | −0,26% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?