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Fraport-Chef erklärt : Wie Frankfurt führendes Drehkreuz bleiben soll

Empfangshalle im Frankfurter Flughafen Bild: Maria Klenner

Fraport-Chef Stefan Schulte kann die Empörung über die Lufthansa nicht verstehen. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt er außerdem seine Pläne für den Frankfurter Flughafen.

          Das Bieterverfahren für die insolvente Air Berlin sorgt bei Konkurrenten der Lufthansa für Ärger. Vor allem der Billigfluganbieter Ryanair moniert, dass der deutsche Platzhirsch der größte Profiteur dieser Pleite ist, und wittert eine nationale Verschwörung. Aus seiner Sicht handele es sich um ein Komplott des Marktführers und das Procedere der Verwertung sei ein „abgekartertes Spiel“ der Lufthanseaten.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Stefan Schulte kann die öffentliche Empörung nicht verstehen: „Für mich ist der Vorwurf abwegig, dass die Lufthansa in diesem Verfahren bevorzugt und andere Mitbieter außen vor gehalten werden“, sagt der Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dass Air Berlin jährlich hohe Verluste schreibt, über Jahre am finanziellen Tropf seines arabischen Großaktionärs hing und händeringend neue Investoren suchte, war jedem Konkurrenten fast bis ins Detail bekannt. „Wer wirklich ernsthaft interessiert war, hätte wohl nicht bis zur Insolvenz von Air Berlin Mitte August gewartet, sondern beizeiten mit den Eigentümern verhandelt.“ Was die aktuelle Auslese der Bieter für Air Berlin angeht, macht sich Schulte jedoch für ein „transparentes Auswahlverfahren mit klaren, nachvollziehbaren Kriterien“ stark: Das sei schon allein im Interesse von Gläubigern und Mitarbeitern geboten.

          „Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der Lufthansa“

          Konflikte mit der Lufthansa und Verhandlungen mit harten Bandagen gehören für Schulte zum Tagesgeschäft. Der jüngste Streit mit dem Stammkunden kochte erst vor wenigen Wochen hoch, als Ryanair im Mai vor der Haustür der Lufthansa mit eigenen Flügen startete und seitdem am größten Flughafen-Drehkreuz in Deutschland zügig expandiert. Lufthansa-Chef Carsten Spohr warf Fraport damals vor, den Preisbrecher aus Dublin mit hohen Rabatten auf die Flughafengebühren zu bevorzugen, und drohte mit dem Abzug von Teilen seiner Langstreckenflotte.

          Der offene Streit über bessere Konditionen ist inzwischen zwar beigelegt. Doch er ist nur ein Teil der langfristigen „Systempartnerschaft“, über die beide Seiten mit Hochdruck verhandeln: „Wir wollen die Zusammenarbeit mit Lufthansa so gestalten, dass Frankfurt seine Stellung als führendes Drehkreuz in Westeuropa festigt und seinen Fluggästen den besten Service bieten kann“, umschreibt der Fraport-Chef das Ziel. An konkreten Projekten stehen angeblich der Aufbau und gemeinsame Betrieb von Plattformen oder Betreibergesellschaften rund um die IT und die Digitalisierung des Frankfurter Flughafens (Fraport 4.0) auf der Agenda.

          Darüber hinaus sei wohl auch eine stärkere Beteiligung der Lufthansa an den Erlösen der Einzelhändler auf dem Flughafengelände im Gespräch, sagen Kenner der Unternehmen. Die Palette an IT-Lösungen reicht beispielsweise von einer weitgehend automatisierten Sicherheitskontrolle beim Einchecken bis hin zu elektronischen Botschaften für das Smartphone, die den Fluggast rechtzeitig auf das Boarding hinweisen. Schulte mag die gemeinsamen Projekte mit der Lufthansa nicht präzisieren. Für seine Gespräche gilt der Grundsatz: „Um zu wirtschaftlich überzeugenden Lösungen zu kommen, gibt es für beide Seiten keine Denkverbote“, sagt er. Danach sind selbst hochfliegende Pläne kein Tabu. „Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der Lufthansa“, versichert Schulte. Ergebnisse will er Anfang 2018 vorlegen.

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