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Französische Staatsbahn Mit dem Billig-TGV für zehn Euro ans Mittelmeer

 ·  Die französische Staatsbahn ahmt Billigflieger nach: Sie vereinfacht den Komfort, stopft ihre Hochgeschwindigkeitszüge voll und verlangt nur ein paar Euro. Das Angebot soll vor allem Studenten und Familien ansprechen

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© AFP Vergrößern Mit dem neuen Billig-Schnellzug „Ouigo“ will die französische Staatsbahn neue Geschäftsfelder erschließen

Ähnlich wie die Billig-Fluggesellschaften will die französische Staatsbahn künftig mit einem breiten Angebot von Niedrigpreisen um neue Kunden werben. Die SNCF hat in Paris ein neues Bahnkonzept vorgestellt, das auch international als aufschlussreiches Experiment gilt: Es sieht Hochgeschwindigkeitszüge mit einfachem Komfort und hoher Passagierdichte vor, die möglichst häufig unterwegs sein sollen. Jede Woche werden von April an 62 Züge zwischen den Bahnhöfen Marne-la-Vallée (beim Vergnügungspark Euro Disney nahe Paris) sowie Marseille, Lyon und Montpellier verkehren. Die Preise für die höchstens dreieinhalb Stunden lange Fahrt ans Mittelmeer beginnen für Erwachsene bei 10 Euro je Einfachticket und betragen für kleine Kinder in Begleitung eines Erwachsenen nur 5 Euro. Ein Kleingruppentarif für 4 bis 8 Reisende ab 20 Euro pro Person ist in bestimmten Zügen ebenfalls erhältlich. „Vor allem Familien finden häufig keine Angebote, die gegen das Auto bestehen können. Darauf wollen wir reagieren“, sagte der SNCF-Vorstandsvorsitzende Guillaume Pepy bei der Vorstellung der neuen Zugangebote unter dem Namen „Ouigo“.

Erste Klasse gibt es nicht

Die Kosten will die Staatsbahn auf mehreren Ebenen senken: Sie benutzt Bahnhöfe außerhalb der großen Städte, weil dies die Gleisgebühren verringert, die sie an die in Frankreich getrennte Infrastrukturgesellschaft RFF abführen muss. Außerdem sind Buchungen nur über das Internet erlaubt, und Gepäckstücke müssen sich auf einen Koffer plus ein Stück Handgepäck beschränken, wenn ein Aufschlag vermieden werden soll. Die eingesetzten Doppelstockzüge haben weder eine erste Klasse noch einen Restaurantwagen und transportieren daher bis zu 1270 Personen - ein Fünftel mehr als herkömmliche Hochgeschwindigkeitszüge. Ihre Betriebszeiten erhöhen sich von rund acht auf zwölf Stunden.

Die Tickets werden schon beim Einsteigen kontrolliert, so dass sich nur vier Zugbegleiter an Bord befinden. Eine halbe Stunde vor Abfahrt sollen die Passagiere zur Fahrscheinkontrolle am Bahnhof sein. Wie günstig die Preise im Einzelfall sind, hängt auch vom Zeitpunkt des Buchens ab. Frühestens bestellen kann man 6 Monate vorher. Als preisliche Höchstgrenze gibt die SNCF 85 Euro je einfacher Fahrt an. Doch die Bahngesellschaft verspricht, dass ein Viertel der Tickets weniger als 25 Euro kosten werden.

TGV-Geschäft stagniert

Als Zielgruppe hat die SNCF junge Leute (18 bis 45 Jahre), wie Studenten oder junge Erwerbstätige, aber auch Familien und Kleingruppen im Visier. Einen höheren Zeitaufwand müssen die Reisenden akzeptieren. Der Bahnhof von Marne-la-vallée östlich von Paris beispielsweise ist die letzte Station der S-Bahnlinie („RER“) A. Vom Stadtzentrum in Paris aus dauert die Fahrt mindestens 40 Minuten.

Mit dem neuen Angebot reagiert die SNCF auch auf die Stagnation der Passagierzahlen im klassischen TGV-Geschäft. Zwischen 2000 und 2008 stieg die Passagierzahl noch um 42 Prozent, allerdings auch weil neue Strecken eröffnet wurden. Seit 2008 registrierte die französische Bahn dagegen nur noch ein Plus von 2 Prozent. Als Gründe nennt die SNCF die Wirtschaftskrise sowie die Preiserhöhungen, die sie aufgrund der gestiegenen Gleisgebühren für unvermeidlich hielt. Auch haben wohl einige Bauarbeiten die Reisezeiten verlängert und die Passagiere abgeschreckt.

Dennoch hat die SNCF im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 3 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro erhöht. Dafür waren vor allem die Infrastrukturarbeiten im Auftrag der RFF sowie der Nahverkehr im In- und Ausland verantwortlich. Der Nettogewinn verdreifachte sich sogar auf 338 Millionen Euro, obwohl der operative Gewinn im Gütertransport auf der Straße und der Schiene um gut 40 Prozent einbrach.

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