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Gewerkschaften : Frankreichs Arbeiter werden zahm

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Milde Streikkultur: Lastwagenfahrerprotest der CFTD in Nordfrankreich Bild: AFP

Die Dialogbereitschaft in den Unternehmen nimmt zu. Das freut die Wirtschaft. Es liegt an den Erfolgen der gemäßigten Gewerkschaft CFDT.

          Die Ergebnisse der jüngsten Betriebsratswahlen in Frankreich sind in der Wirtschaft mit Erleichterung aufgenommen worden. Offiziell will sich zwar keiner der Arbeitgeberverbände äußern, um die Spannungen zwischen den Gewerkschaften nicht anzuheizen, doch hinter vorgehaltener Hand freut man sich über den Erfolg der Gewerkschaft CFDT und ihrer meist kompromissbereiten Linie. „Diese Ergebnisse bestätigen den reformbereiten Gewerkschaftskurs.

          Die Beschäftigten haben gezeigt, dass sie den Dialog gegenüber dem Streik bevorzugen“, sagte der Direktor des Beratungsinstituts „Institut supérieur du travail“ ,Bernard Vivier, der Zeitung „Le Figaro“. Bei den jüngsten Wahlen für verschiedene betriebliche Instanzen sowie die Landwirtschaftskammern Frankreichs hat erstmals die Gewerkschaft CFDT mit 26,4 Prozent der Stimmen den ersten Rang erklommen (F.A.Z. 1. April). Die CGT, die älteste und seit ihrer Gründung 1895 führende Gewerkschaft Frankreichs, fiel auf den zweiten Platz mit 24,9 Prozent der Stimmen zurück. Dabei stieg die Wahlbeteiligung von 5,4 auf 5,6 Millionen Beschäftigte.

          CFDT baut ihr Netzwerk aus

          Das Bild französischer Gewerkschaften beschränkt sich oft auf streikbereite Krawallmacher, die gelegentlich sogar vor körperlicher Gewalt gegenüber den Managern nicht haltmachen. Solche Auswüchse kann es immer wieder geben, doch sie verdecken den Großteil der Realität in den französischen Betrieben. Dort hat die CFDT stetig ihr Netzwerk ausgebaut und dabei nicht selten Verständnis für die Belange der Arbeitgeber gezeigt.

          Die CFDT-Zentrale in Paris räumt ihren Leuten vor Ort dabei erhebliche Autonomie ein. Oft gehen sie mit kleineren Gewerkschaften Allianzen ein, vor allem mit der christlichen CFTC, zudem mit UNSA sowie gelegentlich CFE-CGC. Diese drei Organisationen haben ihre Ergebnisse bei den jüngsten Wahlen ebenfalls verbessert. Zusammen mit der CFDT sind sie häufig in der Lage, die blockierende CGT zu überstimmen. Die Gewerkschaft Force Ouvrière (15,6 Prozent der Stimmen) wechselt indes öfter die Lager.

          Erfolgreiche Gewerkschaften dürfen auf nationaler Ebene verhandeln

          Das französische Arbeitsministerium nimmt alle vier Jahre eine landesweite Auswertung der Betriebsratswahlen in der Privatwirtschaft vor. Wer mehr als 8 Prozent erhält, darf auf nationaler Ebene Vereinbarungen mit aushandeln. Berücksichtigt werden die Wahlergebnisse der vergangenen drei Jahre. Die CGT hat ihre Ergebnisse gegenüber 2013 deutlich verschlechtert, während die CFDT leicht dazugewonnen hat. Die linksorientierte Gewerkschaft, die früher eng mit der Kommunistischen Partei verbandelt war, setzte in den vergangenen Jahren auf einen Konfrontationskurs zu Arbeitgebern und der sozialistischen Regierung. Die Arbeitsmarktreformen von Präsident François Hollande, die eine begrenzte Flexibilisierung des Arbeitsrechts bringen, hat sie bis zuletzt bekämpft, aber erfolglos.

          Die CFDT dagegen setzte Änderungen durch und unterstützte danach die Regierung. In den Betrieben vor Ort unterzeichnen die CGT-Betriebsratsmitglieder einen Großteil der Vereinbarungen, doch auf nationaler Ebene ist die Gewerkschaft stark politisiert und darauf aus, bei Streiks und Demonstrationen viele Mitglieder zu mobilisieren. Bei den Protesten gegen die Reform gelang ihr das mit abnehmendem Erfolg. Die Teilnehmerzahlen blieben weit hinter den Aktionen zurück, die 2010 noch bei den Protesten gegen die Rentenreform von Präsident Nicolas Sarkozy erreicht wurden.

          In den Betriebsratswahlen von Unternehmen wie EdF, SNCF, Orange und Renault hatte die CGT in jüngster Zeit daher Federn lassen müssen. Sie tröstet sich damit, dass sie im öffentlichen Dienst und bei den ganz kleinen Unternehmen (unter elf Mitarbeitern) heute noch die stärkste Kraft ist. Wenn man alle Beschäftigten zusammenzählt, liegt sie mit 24,3 Prozent der Beschäftigten noch knapp vor der CFDT mit 24 Prozent.

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