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Frankreich Frauenquote für Unternehmen

15.01.2011 ·  In spätestens drei Jahren sollen die Verwaltungs- und Aufsichtsräte der französischen Unternehmen mindestens zu einem Fünftel aus Frauen bestehen. Die von der Regierung beauftragte Frauenexpertin spricht von einer „Revolution“.

Von Christian Schubert, Paris
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Frankreich will mit einem ehrgeizigen Quotenplan die Präsenz von Frauen in den Unternehmen erhöhen. In den nächsten drei Jahren müssen die Verwaltungs- und Aufsichtsräte aller börsennotierten Unternehmen sowie aller Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz und 500 Mitarbeitern mindestens zu einem Fünftel mit Frauen besetzt werden. Bis in sechs Jahren steigt der erforderliche Anteil auf 40 Prozent. Das sieht ein Gesetz vor, dass die französische Nationalversammlung am Donnerstagabend in Paris beschlossen hat. Betroffen sind viele hundert Unternehmen; alleine die Zahl der börsennotierten Gesellschaften beträgt 650. Sie müssen nun viele weibliche Mitglieder für ihre alle paar Monate zusammentreffenden Verwaltungsräte suchen, die neben einem kleinen Kreis von Vorständen in der Regel aus Aufsehern bestehen.

Personalberater schätzen, dass in den nächsten Jahren 1.350 Frauen für die Verwaltungsratsposten gebraucht werden, wenn eine Frau zwei Mandate ausübt. Heute liegt der Anteil weiblicher Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieder im Leitindex der vierzig größten börsennotierten Konzerne (CAC-40) bei gut 15 Prozent, berichtete der französische Arbeitgeberverband Medef. Der Anteil aller von dem Gesetz betroffenen Unternehmen dürfte allerdings deutlich geringer sein, weil auch kleinere Gesellschaften einbezogen sind. „Schlagt uns bitte nur noch Frauen vor“, hörten viele Personalberater schon seit geraumer Zeit von den Unternehmen, wie Pascal Gibert, Partner bei der Personalberatung Heidrick & Struggles, in Paris kürzlich berichtete.

Heftige Sanktionen bei Verstößen

Das Gesetz bahnte sich seit geraumer Zeit an. Der französische Arbeitgeberverband Medef hatte einen Kodex mit hohem Frauenanteil entworfen, den die Unternehmen freiwillig aufgreifen konnten. Daher habe sich die Zahl der Frauen in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten des CAC-40 in jüngster Zeit um 50 Prozent auf 15 Prozent erhöht. Doch dem Gesetzgeber ging das nicht schnell genug. In Frankreich sind viele Frauen berufstätig, weil die staatlichen Möglichkeiten zur Kinderbetreuung zahlreich sind. Frauen wird auch keine Vernachlässigung der Kinder unterstellt, wenn sie ganztags arbeiten. Doch in den Führungspositionen schlug sich die Präsenz der Frauen bisher nur in vergleichsweise geringem Umfang nieder. In den größten 500 Unternehmen betrage der Frauenanteil seit fünf Jahren unverändert nur 8 Prozent, berichtete die von der Regierung mit einem Bericht beauftragte Frauenexpertin Brigitte Grésy. „Bei einem Anteil von 41 Prozent, den Frauen unter den höheren Angestellten haben, ist das zu wenig.“ Grésy sprach jetzt nach der Entscheidung zugunsten des Gesetzes von einer „Revolution“. Auch der von der Französin Laurence Parisot geführte Arbeitgeberverband Medef begrüßte es, dass der Gesetzgeber gehandelt habe: „Manchmal kann nur ein kräftiger Schub wie eine Quote Ungerechtigkeiten auflösen“, sagte Parisot.

Das neue Gesetz sieht bei Verstößen heftige Sanktionen vor. Zum einen sollen die Ernennungen von männlichen Mitgliedern nicht rechtskräftig sein, wenn die Frauenquote verfehlt wird. Zum anderen dürfen die Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieder für ihre Anwesenheit in den Sitzungen nicht bezahlt werden. Unternehmen, die noch gar keine Frau in ihrem Verwaltungs- oder Aufsichtsrat sitzen haben, müssen sechs Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes eine weibliche Person aufgenommen haben. Frankreich lässt sich mit seiner Initiative von Vorläufern in Norwegen und Spanien inspirieren. In Norwegen müssen seit 2008 40 Prozent der Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt sein. In Spanien fordert die Regierung, dass von 2015 an 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsgremien sitzen müssen.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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