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Frankreich Bettencourt-Affäre wirft Schatten auf L'Oréal

20.07.2010 ·  Die Finanzaffäre im Hause Bettencourt wirft einen Schatten auf den Weltmarktführer von Schönheitsprodukten L'Oréal. Unternehmenserbin Liliane Bettencourt fürchtet eine Übernahme durch Nestlé.

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L'Oréal macht Geschäfte mit dem Werbeversprechen ewiger Jugend - doch derzeit bringt die betagte Konzernerbin Liliane Bettencourt das französische Traditionsunternehmen in negative Schlagzeilen. Die 87-Jährige steht im Zentrum eines Finanzskandals, der als Familienfehde begann und nun zur Staatsaffäre angeschwollen ist. Und es geht darum, wer in Zukunft die Kontrolle im Unternehmen haben wird. Nach dem Tod der alten Dame könnte möglicherweise das Schweizer Unternehmen Nestlé den weltgrößten Kosmetikkonzern übernehmen.

Derzeit besitzt Liliane Bettencourt als Hauptaktionärin gut 30 Prozent der Aktien, Nestlé steht mit knapp 30 Prozent an zweiter Stelle. Ein Aktionärspakt sieht vor, dass beide Seiten sich bis 2014 die Aktien zunächst gegenseitig anbieten müssen, sollte eine der Parteien Anteile verkaufen wollen. Nestlé könnte seine Anteile zudem frühestens sechs Monate nach dem Tod von Bettencourt aufstocken oder veräußern.

Mutter-Tochter-Konflikt

Liliane Bettencourt fürchtet nichts mehr, als dass das Unternehmen, das sie „ihr Leben“ nennt, der Kontrolle der Familie entzogen werden könnte. Und sie verdächtigt ausgerechnet ihre eigene Tochter Françoise, dies im Schilde zu führen. Diese versucht derzeit, ihre Mutter für unmündig erklären zu lassen, weil sie sich von Freunden ausnehmen lasse. Françoise Bettencourt-Meyers bestreitet aber, dass sie an Nestlé verkaufen würde, wie manche Beobachter vermuten. Sie mache sich vielmehr Sorgen, dass ihre alte Mutter die Kontrolle über das Vermögen verliere, sagte sie einmal.

Der Mutter-Tochter-Konflikt könnte das Unternehmen gefährden. Ein Kleinaktionär erstattete inzwischen wegen möglicher Veruntreuung von Gesellschaftsvermögen Anzeige gegen unbekannt. Dabei geht es um einen hochdotierten 10-Jahres-Vertrag für den Vertrauten der alten Dame, François-Marie Banier. Der 63-Jährige soll seit 2002 jährlich 405.000 Euro dafür bekommen, dass er L'Oréal in Mode- und Kunstfragen berät - eine reine Gefälligkeit, meinte Kläger-Anwalt Frédérik-Karel Canoy in einem Rundfunkgespräch mit RTL.

Schon immer mit der Politik verbandelt

Der Ursprung von L'Oréal beruht auf einem Haarfärbemittel, das Lilianes Vater, der Chemiker Eugène Schuller, 1907 auf den Markt brachte. Jahre später bewies er mit dem Sonnenschutzmittel Ambre Solaire ebenfalls guten Geschäftssinn. Heute zählt das Unternehmen etwa zwei Dutzend Marken, unter anderem Lancôme, The Body Shop, Yves Saint Laurent und Diesel. Im vergangenen Jahr machte L'Oréal bei einem Umsatz von 17,5 Milliarden 1,8 Milliarden Euro Gewinn. Mit 64 600 Beschäftigten ist der Konzern in 130 Ländern präsent.

L'Oréal war schon immer eng mit der Politik verbandelt - und dabei mehrfach auf skandalöse Weise. So war Schuller in den 30er Jahren Mitglied einer rechtsextremen, antisemitischen Gruppe, die er auch finanziell unterstützte. Er holte später mehrere Personen ins Unternehmen, die eng mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet und auch an Judenverfolgungen teilgenommen hatten. Lilianes Ehemann André schrieb in den 40er Jahren Artikel für ein judenfeindliches Blatt. Als dies später herauskam, musste er seinen Posten als Vizepräsident des Verwaltungsrats aufgeben.

Produkte für nichteuropäische Kundschaft

Seine Zukunft sieht L'Oréal heute vor allem auf den nichteuropäischen Märkten, die bereits rund 60 Prozent des Umsatzes ausmachen. L'Oréal hat früh den Trend erkannt, eigene Produkte für nichteuropäische Kundschaft anzubieten. Mit Shampoos, die krauses Haar glätten sollen, und Cremes, die angeblich dunkle Haut aufhellen, lassen sich in den Vereinigten Staaten und in Asien gute Geschäfte machen. Hohe Zuwächse werden derzeit in China und Indien erzielt.

Derzeit hängt jedoch der dunkle Schatten der Finanzaffäre über dem Unternehmen. Liliane Bettencourt steht im Verdacht, den Fiskus kräftig betrogen zu haben. Zudem gibt es Spekulationen, dass Arbeitsminister Eric Woerth in seiner Zeit als Haushaltsminister aus Gefälligkeit auf eine gründliche Steuerprüfung verzichtet haben könnte. Bettencourt gilt als eine bedeutende finanzielle Unterstützerin der Regierungspartei UMP, bei der Woerth bis vor kurzem Schatzmeister war. Nach Zeugenaussagen sollen auch illegale Spenden weit über die legale Höchstgrenze hinaus geflossen sein.

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