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Frankreich : Alstom am Ende

Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg Bild: Reuters

Das Theater um den Industriekonzern Alstom nähert sich seinem letzten Akt. Auf ein Happy End deutet nichts hin, denn es gibt gleich drei große Verlierer. Eine Analyse.

          Im Drama um den französischen Industriekonzern Alstom scheint der Vorhang gefallen. Wochenlang veranstaltete die französische Regierung einen Schautanz zwischen den Wettbewerbern General Electric (GE) aus den Vereinigten Staaten und dem Siemens-Konzern aus Deutschland, der am Ende durch Mitsubishi aus Japan verstärkt wurde. Am Freitagabend sprach Paris ein Machtwort: Der französische Staat übernimmt 20 Prozent des Alstom-Kapitals und wird damit größter Aktionär. Gleichzeitig treten die Regierung und Alstom in Verhandlungen mit GE. Siemens und Mitsubishi haben das Nachsehen. Es ist, als rufe die französische Regierung dem deutsch-japanischen Konsortium zu: Danke fürs Mitmachen, au revoir!

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Denn Statisten kann man ja immer gebrauchen, und sei es auch nur, um die Gebote in die Höhe zu treiben. Das ist dem Regisseur – in diesem Fall der Regierung – durchaus gelungen. Sie trieb GE und Siemens-Mitsubishi in den vergangenen Wochen vor sich her, verlangte immer höhere Offerten, immer neue Jobgarantien und mehr französische Mitspracherechte. Die Interessenten spielten das Spiel willig mit. Nun stellt sich die Frage, wer wirklich der Gewinner ist.

          Staatsdirigismus und ein kapitalistischer Konzern

          GE soll nach den Vorstellungen der Regierung einen Großteil des Energiegeschäftes erhalten - doch weitgehend über komplizierte Konstruktionen in Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Staat an Bord. Das gilt vor allem für die hochsensiblen Turbinen in Kernkraftwerken. Die Amerikaner müssen jetzt entscheiden, ob und wieviel ihnen das wert ist. Auf jeden Fall wird der bisher gebotene Barpreis von gut 12 Milliarden Euro stark fallen, weil GE nicht alleine das Sagen haben soll und den Zugriff auf alle Bereiche des Alstom-Energiegeschäfts verwehrt bekommt.

          Seit Freitagabend ist nämlich auch die Rollenverteilung klar: Hier eine französische Regierung, die aus ihrem Glauben an Staatsdirigismus keinen Hehl macht, und dort der kapitalistische Konzern aus Amerika. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. GE ist freilich flexibel. Auch bei seinem erfolgreichen amerikanisch-französischen Triebwerks-Joint Venture CFM sitzt der französische Staat indirekt als Teilhaber am Tisch. Nun wollte der amerikanische Konzern sich das Turbinengeschäft von Alstom um fast jeden Preis einverleiben. Das gelingt ihm – doch es enthält etliche Giftpillen.

          Dabei ist nicht zu vergessen, dass die französische Regierung gar nicht Eigentümer von Alstom ist. Durch ein plumpes Dekret, das nicht einmal parlamentarisch genehmigt werden musste, hat sie sich weitreichende Eingriffsrechte gesichert. Auch der Alstom-Verwaltungsrat ist damit zu einem  Statisten verkommen.

          Wer also ist der Sieger in diesem Spiel über drei Bande? Wahrscheinlich der bisherige Alstom-Großaktionär, der Mischkonzern Bouygues, wenn er mit der Regierung handelseinig wird. Er hat mit seinem Engagement bei Alstom nur Enttäuschungen erlebt und will im Grunde genommen aussteigen. Der französische Staat bietet ihm an, zwei Drittel seiner Aktien abzukaufen, die zuletzt rund 1,7 Milliarden Euro wert waren. Kein schlechter Deal für einen privaten Investor, den der Steuerzahler heraushauen soll. Die französischen Staatskassen sind zwar leer, und die Regierung wollte eigentlich sparen, doch für die Rettung eines industriellen Aushängeschildes sind offenbar immer noch Mittel zu finden.

          Damit sind wir bei den Verlierern angekommen – drei an der Zahl: Alstom, der französische Steuerzahler und der Wirtschaftsstandort Frankreich. Der Staat soll künftig 20 Prozent an einer Firma halten, der im Energiegeschäft nur Rumpfteile bleiben und im Bahnwesen mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV zu klein ausfällt, um ein ernsthafter Wettbewerber zu sein. Das Problem mangelnder Masse und Finanzkraft, das vor allem Alstom-Chef Patrick Kron immer monierte, hat mit dem klammen Staat an Bord keine Lösung gefunden.
          Darüber hinaus beschädigt der Staatseinstieg bei Alstom nach der 75-Prozent-Einkommensteuer und anderen sozialistischen Missetaten das Image des Standorts Frankreich ein weiteres Mal. Das Theater um Alstom nähert sich seinem letzten Akt – ohne Happy end.

          Quelle: FAZ.NET

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