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Frankfurter Flughafen Schmiergeldaffäre wird zum Nervenkrieg

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dubioser Immobiliengeschäfte im Zuge des Frankfurter Flughafenausbaus. Das setzt namhafte Projektentwickler und Makler aus der Region unter Druck. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

© dpa Heißes Material: Ermittler stellen bei einer Razzia in Frankfurt Unterlagen über brisante Immobiliengeschäfte sicher

Nach den Razzien wegen der Schmiergeldzahlungen, die im Zusammenhang mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens geflossen seien sollen, liegen bei den Beteiligten die Nerven blank. Mit „Presserechtlichen Informationsschreiben“ wird von den Anwälten von zwei Betroffenen der Durchsuchungen darauf hingewiesen, dass eine „identifizierende Berichterstattung“ nicht geduldet werden müsse. Auch wenn dabei der Grundsatz der Unschuldsvermutung beachtet werde, führe eine solche Berichterstattung „nach den allseits bekannten Erfahrungen“ zu einer „medialen Vorverurteilung“, heißt es weiter. Der Unternehmer und der Investor, um die es geht, wollen mit dem Schmuddelthema nichts zu tun haben.

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Für drei andere Männer sieht die Lage ohnehin schon düsterer aus: Sie sind am Dienstag in Untersuchungshaft genommen worden, da sie nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft im Verdacht stehen, Grundstücke im Frachtbereich der neuen „Cargo-City Süd“ verschoben und Schmiergeldzahlungen verdeckt zu haben. 200 Polizisten und 14 Staatsanwälte waren für die Razzia im Einsatz. Sie stellten Immobilien, Bargeld und andere Wertgegenstände im Gesamtwert von 2,9 Millionen Euro sicher, die später zum Schadensausgleich verwendet werden können.

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Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu gegen insgesamt zehn Beschuldigte, die direkt oder indirekt bei der Entwicklung und Vermarktung des für die Luftfracht bestimmten Immobilienteils („Cargo City Süd“) des größten Flughafens in Deutschland involviert waren. Ermittelt werde dabei wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit sowie Untreue, Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Mutmaßlicher Haupttäter arbeitete früher bei Fraport

Unter den in Haft genommenen ist der mutmaßliche Haupttäter, ein 50 Jahre alter früherer Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport, der dort bis zum Juni 2008 beschäftigt war und Erbbaurechte in der „Cargo-City Süd“ an Interessenten verschoben haben soll. Nach den bisherigen Erkenntnissen flossen bis 2008 wohl rund 630000 Euro an den ehemaligen Fraport-Mitarbeiter, der als Prokurist im Geschäftsbereich „Retail and Real Estate“ tätig war. Dieser Fraport-Sparte fließen die Umsätze aus der Vermietung der Verkaufsflächen für den Einzelhandel an den Flughäfen sowie die Einnahmen aus Vermarktung von Immobilien zu.

Frankfurter Flughafen - Cargo-City Süd © dpa Vergrößern Die Cargo City Süd am Flughafen von Frankfurt

Fraport habe sich von dem Mitarbeiter damals in „beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Der Beschuldigte soll Vorstandsvorlagen für die Vergabe der Grundstücke erarbeitet und später die entsprechenden Verträge abgeschlossen haben. Von mindestens zwei Unternehmen habe er dafür Schmiergeld erhalten und es von einer dritten verlangt, so die Ermittler. Fraport bestätigte Durchsuchungen in ihren Geschäftsräumen. Die Ermittler hätten Unterlagen gesichtet und eingesehen, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Betreiber werde aber als Geschädigter angesehen und kooperiere im vollen Umfang mit den Behörden.

Ebenfalls durchsucht wurden die Räume eines Frankfurter Projektentwicklers, der in der Cargo-City ein Frachtzentrum gebaut und mittlerweile wieder veräußert hat. Er weist den Vorwurf, er habe Schmiergeld gezahlt, um an ein Grundstück zu kommen, als „haltlos“ zurück. „Ich habe keine Bestechungsgelder gezahlt und niemanden geschädigt“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Er habe das Erbbaugrundstück von jenem Makler angeboten bekommen, der am Dienstag ebenfalls verhaftet worden ist. Außer dem 53 Jahre alten Frankfurter Immobilienkaufmann sitzt auch ein 73 Jahre alter Treuhänder aus Liechtenstein in Haft. Sie werden beschuldigt, über Scheinrechnungen die Schmiergelder getarnt haben. Auf ein Liechtensteiner Geschäftskonto sei der Betrag von 630 000 Euro geflossen, von denen ein unbestimmter Teil weitergeleitet worden sei, erläuterten die Ermittler. Auch über Beraterverträge seien Zahlungen gelaufen.

In der 1996 eröffneten „Cargo-City Süd“ sind nach den Angaben von Fraport mehr als 200 Luftfrachtunternehmen beheimatet. Die Grundstücke wurden zumindest teilweise auf dem Wege des Erbbaurechts an die Unternehmen vergeben, die sich ihrerseits zu Bau und Betrieb von Frachteinrichtungen verpflichteten. Zumindest in den bislang abgeschlossenen Verträgen trete Fraport als Immobilienentwickler und späterer Vermieter auf, erläuterte der Flughafensprecher. Es sei aber auch die abermalige Vergabe über Erbbaurecht möglich.

Quelle: F.A.Z.

 
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