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Frankfurt Der Finanzplatz gewinnt

Ausgerechnet durch die Bankenkrise hat der Finanzplatz Frankfurt an Attraktivität gewonnen. Während in London große Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs mit Abwanderung drohen, hört man aus Frankfurt nichts mehr über Verlagerungspläne.

© ddp Vergrößern Die Europäische Zentralbank ist ein wichtiger Standortfaktor für Frankfurt

Es klingt verrückt. Ausgerechnet durch die Bankenkrise hat der Finanzplatz Frankfurt an Attraktivität gewonnen. Während sich in London, dem wichtigsten Konkurrenten als Bankenstandort in Europa, große Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs unzufrieden über die restriktive Bankenpolitik der Regierung äußern und mit Abwanderung drohen, hört man aus Frankfurt nichts mehr über Verlagerungspläne (siehe: Banken prüfen Abzug aus London). Im Gegenteil: Alle Bankchefs sind voll des Lobes über das langweilige, aber solide Bankgeschäft in Deutschland, das man seit der Krise mehr zu schätzen wisse denn je.

Christian Siedenbiedel Folgen:    

„Vieles, was früher als konservativ beschimpft wurde, ist heute eine Werbebotschaft für Frankfurt in der Welt", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) jetzt beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse. Vorbei scheinen die Zeiten, da Deutsche Bank und Deutsche Börse mit dem Gang nach London liebäugelten. Vorbei auch die Zeiten, da ein Firmensitz in Deutschland für eine Bank grundsätzlich als Nachteil galt.

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Nicht nur die Stimmung ist in Frankfurt derzeit besser als in London. Frankfurt ist relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Zum Teil waren dabei alte Schwächen diesmal Stärken: Weil das Bankgeschäft in Deutschland weniger kapitalmarktorientiert war als in Großbritannien, traf der Zusammenbruch der Kapitalmärkte Frankfurt weniger hart als London. Und da in Deutschland das Bankgeschäft einen geringeren Anteil an der Gesamtwertschöpfung hatte, waren die Folgen auch für das Umfeld der Banken weniger katastrophal.

Bankenskyline Frankfurt © dpa Vergrößern 180 Banken haben ihren Hauptsitz in Frankfurt

Zurück aus London und Dublin

In Frankfurt trifft man nun junge Banker, Aktienhändler oder Bürohaus-Architekten, die vor fünf Jahren dem Sog der Finanzplätze London oder auch Dublin gefolgt waren. Sie kommen zurück, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren und nach Bewerbungen in halb Europa in Deutschland einen neuen gefunden haben. Daraus allerdings auf eine dauerhafte Umkehrung des London-Sogs zu schließen wäre übertrieben. So berichten Ausbildungsstätten für Banker wie die Frankfurt School of Finance and Management oder die Goethe-Universität, zur Lebensplanung ihrer guten Absolventen gehöre nach wie vor eine Zeit als Investmentbanker in London. Der Londoner City ist es in den vergangenen Jahren gelungen, überdurchschnittlich viele Talente der Branche anzuziehen - ihre Nähe wird weiter gesucht.

Verfehlt wäre es auch anzunehmen, der Finanzplatz Frankfurt könne London jetzt den Rang ablaufen. Auf 180 Banken mit Hauptsitz in Frankfurt kommen nach wie vor mehr als 250 in der Londoner City. Und sie sind hinsichtlich Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl deutlich größer. Ernst nehmen muss der Finanzplatz Frankfurt auch weiterhin den Bankenstandort Paris mit seinen knapp 370 (oft aber kleineren) Instituten. Die Banken dort sind besser aus der Krise gekommen als die deutschen; einen Sog hat der Finanzplatz Paris jedoch nicht entwickelt.

Standortfaktor EZB

Als herausragender Standortfaktor in der Krise hat sich für Frankfurt die Europäische Zentralbank erwiesen. Je wichtiger die Zentralbanken für die Bankenrettung wurden, desto interessierter waren die Banken an kurzen Wegen zur EZB. Gerade asiatische Banken, die viel Geschäft über Frankfurt abwickeln, haben das immer wieder hervorgehoben. Und je mehr das Pfund in der Finanzkrise an Bedeutung verlor und der Euro sich als Hort der Stabilität behauptet hat, desto mehr konnte die „Euro-Hauptstadt“ Frankfurt punkten. Kein Wunder, dass die EZB es jetzt auch ist, die als einzige Bank in Frankfurt noch ein spektakuläres Hochhaus bauen lässt - und damit zumindest für eine gewisse Aufbruchstimmung sorgt. Bewährt hat sich auch der Ausbau der Bildungsinfrastruktur: Mit dem neuen Bankenschwerpunkt im „House of Finance“ ist die Universität in die erste Liga der Bankenausbildung aufgestiegen.

Die Politik tut gut daran, diesen Weg weiterzuverfolgen. Anzeichen dafür, dass Frankfurt durch neue Institutionen gewinnen wird, gibt es. So bekommt die Stadt nicht nur eine von drei neuen Einrichtungen der Europäischen Union für die Aufsicht der Finanzmärkte. Aus der provisorischen Versicherungsaufsicht Ceiops soll im kommenden Jahr eine richtige Behörde mit einem Budget von zunächst zehn Millionen Euro werden. Auch der sogenannte Systemrisikorat der Europäischen Zentralbank, ein 20-Mann-Gremium, das die Stabilität des Finanzsystems überwachen soll, wird in Frankfurt sitzen. Beides soll erweitert und zumindest nach dem Willen der Frankfurter Finanzplatz-Initiative mit einem neuen Forschungsinstitut zu einem regelrechten „Regulierungszentrum“ für die europäischen Finanzmärkte ausgebaut werden. Zu diesen Plänen passt, dass die deutsche Bankenaufsicht bei der Bundesbank konzentriert werden soll, die ihren Sitz gleichfalls in Frankfurt hat.

Innerhalb Deutschlands hat Frankfurt seine Stellung als Finanzzentrum ohnehin weiter ausbauen können. Einst selbständige Banken wie das Bankhaus Oppenheim (Köln) (siehe: Sal. Oppenheim - das Ende einer Privatbank), die Postbank (Bonn) oder die Dresdner Bank, die von München aus gesteuert wurde, gelangten durch Übernahmen in Frankfurter Hand. Und die Finanzplätze Düsseldorf, München und Hamburg verloren weiter an Gewicht - nicht zuletzt wegen des Niedergangs der dortigen Landesbanken (siehe: Das Ende der bayerischen Großmannssucht).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.01.2010, 13:05 Uhr

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