Zum ersten Mal können bald auch ganz normale Motorsportfans ihr Geld in die Formel 1 investieren. Noch im Laufe dieses Sommers will der Haupteigentümer, die britische Beteiligungsgesellschaft CVC, die Rechtevermarktungsfirma für die bedeutendste Autorennserie der Welt in Singapur an die Börse bringen.
Wer sich an dem Unternehmen namens „Formula One“ beteiligen will, muss dafür allerdings recht tief in die Tasche greifen: Auf 10,5 Milliarden bis 12,9 Milliarden Dollar wird der Unternehmenswert der Formel 1 taxiert - mehr als das Zwanzigfache des operativen Gewinns. Das geht aus dem für Investoren aufgelegten Börsenprospekt der Investmentbank CIMB aus Kuala Lumpur in Malaysia hervor, der der F.A.Z. vorliegt.
Die Berechnung basiert auf den Geschäftszahlen für die vergangenen Jahren und den Schätzungen für die nähere Zukunft. Demnach wird sich der Umsatz der Formel 1 - der seit 2003 im Durchschnitt um jährlich 9 Prozent gewachsen ist - in diesem Jahr von 1,52 Milliarden auf 1,64 Milliarden Dollar erhöhen. Davon fließen zwar 758 Millionen Euro an die derzeit zwölf beteiligten Rennställe, darunter so illustre Namen wie Red Bull, Ferrari oder McLaren.
Klares Geschäftsmodell, unübersichtliches Firmenkonstrukt
Doch bleibt für die Formel 1 noch genug übrig: Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte nach Angaben der Investmentbank CIMB im Jahr 2012 von 474 Millionen auf 505 Millionen Euro klettern. Rund ein Drittel vom Umsatz ist also Gewinn. Das Geschäftsmodell lässt sich schnell umreißen: Jeweils ein Drittel der Einnahmen stammt, erstens, aus Lizenzen für die Durchführung der Rennen an Rennstreckenbetreiber sowie, zweitens, aus dem Verkauf von Fernsehübertragungsrechten an Sender wie RTL und drittens aus Werbung, Sponsoring und Bewirtung. Etwas mehr als die Hälfte des Geschäfts wird noch immer im Heimatmarkt Europa gemacht, ein Drittel entfällt auf Asien, und der Rest stammt aus Amerika und dem Mittleren Osten.
So klar und einfach sich das Geschäftsmodell beschreiben lässt, so unübersichtlich ist die sonstige Konstruktion der Firma: Die Formel 1 hat ihren juristischen Sitz auf der Kanalinsel Jersey und besteht aus einem regelrechten Dickicht von nicht weniger als 31 rechtlich eigenständigen Tochter- und Schwestergesellschaften, deren Hauptzweck darin bestehen dürfte, die Steuerzahlungen des Unternehmens möglichst gering zu halten.
Ebenso unklar ist, welche Rolle der Formel-1-Vorstandschef, Miteigentümer und Mitbegründer Bernie Ecclestone in Zukunft spielen wird. Der 81 Jahre alte Brite, der seine Karriere einst als Gebrauchtwagenhändler begann, hat zwar bisher alle Entmachtungsversuche seiner Gegener überstanden - zuletzt denjenigen von Ferrari im Verbund mit dem Medienkonzern News Corp. Doch fehlt bisher eine überzeugende Nachfolgeregelung für die Zeit nach Ecclestone.
Etwas mehr Durchblick gibt es auf einem anderen Feld. Der schon seit Jahren heiß umstrittene Grundlagenvertrag der Formel 1, das sogenannte Concorde Agreement wurde neu aufgelegt. Es regelt die Einnahmen- und Aufgabenverteilung zwischen dem Rechtevermarktungsunternehmen Formel 1 und den Rennställen, die künftig einen größeren Teil der Einnahmen erhalten.
Den Rennställen soll das von 2013 an gültige und bis 2020 geltende Abkommen je Jahr mehr als 50 Millionen Euro zusätzlich bringen. Zudem werde die Zahl der WM-Läufe von 20 auf 22 oder 23 steigen, sagte Ecclestone der englischen Zeitung „Guardian“. „Das ist ein guter Deal für die Teams, es ist großartig“, urteilt der Chefvermarkter. Nur ein Rennstall scheint nicht ganz überzeugt von der Großartigkeit: Noch fehlt die Unterschrift von Mercedes.
Überhaupt gilt ein möglicher grundlegender Streit mit den an der Formel 1 teilnehmenden Rennställen als eines der größten Risiken. Schon während der großen Wirtschaftskrise im Jahr 2009 hatten acht der damals zehn Teams damit gedroht, die Rennserie zu verlassen und eine eigene Konkurrenzveranstaltung hochzuziehen. Ihnen war der Aufwand zu groß geworden. Sie verlangten eine Absenkung der Budgetobergrenzen. Erst in letzter Minute kam es zu einem Kompromiss, der ein Aus der Formel 1 verhinderte.
Ecclestones „guter Ruf“
Eines der größten Risiken für Anleger ist zudem ein unkontrolliertes Ausscheiden des Formel-1-Übervaters Ecclestone. Vor genau diesem Fall wird sogar explizit im Börsenprospekt für die Investoren gewarnt. „Der Erfolg des Unternehmens war in der Vergangenheit eng verbunden mit dem Netzwerk und dem guten Ruf des Managements, insbesondere des Mitbegründers Bernie Ecclestone“, heißt es da warnend. Ecclestone sei entscheidend für das Wachstum des Unternehmens gewesen, indem er die Verträge mit dem Motorsportverband FIA, dem die Oberhoheit über die Regeln obliegt, und den Rennställen ausgehandelt habe.
Obwohl es einen Plan für die Nachfolge des 81 Jahre alten Ecclestone gebe, würde sein Verlust „den Geschäftsverlauf unterbrechen und das Ergebnis beeinflussen“. Erwähnt wird darüber hinaus die Rolle von Ecclestone als Zeuge in einem Gerichtsprozess gegen einen Manager der Bayern LB. Der Verdacht lautet, Ecclestone könnte den Manager dafür bestochen haben, dass dieser die Mehrheit der Anteile an der Formel 1 an den Ecclestone wohlgesonnenen Finanzinvestor CVC verkaufte.
„Das ist ein guter Deal für die Teams, es ist großartig.“ Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone