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Mit dem Radl da: Fords Europachef Steven Armstrong Bild: obs

Kooperation mit Deutscher Bahn : Ford investiert in Fahrräder

Wie passen Zweiräder zu einem Autohersteller? Für Ford nicht überraschend, sondern „eine ziemlich konsequente Entwicklung“. Deshalb steigt das Unternehmen jetzt ins Bikesharing ein.

          Ein Fahrrad ist ein eher ungewöhnliches Ausstellungsobjekt auf einer Automesse. Den Autohersteller Ford scheint der Stilbruch aber nur wenig zu stören. Auf seinem Stand auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt hat das Unternehmen außer einer ganzen Reihe von Autos deshalb auch ein pedalbetriebenes Zweirad aufgestellt. Es steht direkt neben den neuesten Versionen des Ford-Dauerbrennermodells Fiesta. Wenn es nach dem Autohersteller geht, sollen Fahrrad wie Fiestas für die Zukunft stehen, die er für sich selbst sieht.

          Wie andere Autohersteller will sich auch Ford künftig von einem reinen Fahrzeugproduzenten zu einem Anbieter von allerlei Mobilitätsdienstleistungen wandeln. Und dazu sollen auch Leihräder gehören, die die Nutzer der hauseigenen Mobilitätsanwendung „Fordpass“ über ihre Mobiltelefone ausleihen können. Das Bikesharing-Projekt bietet der Autohersteller in Kooperation mit der DB Connect GmbH an, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Sie betreibt heute schon den bahneigenen Bikesharing-Dienst namens Callabike. In einem ersten Schritt rüsten die beiden Partner Mitte Oktober die nordrhein-westfälischen Metropolen Düsseldorf und Köln mit 3200 neuen Leihfahrrädern aus. Die Räder stehen sowohl den rund 36.000 Nutzern der Ford-Mobilitätsapp zur Verfügung als auch den Callabike-Kunden von DB Connect. Umgekehrt können die Ford-App-Nutzer nun auch die 13.000 Callabike-Räder in anderen Städten mieten.

          Vorstoß auf zwei Rädern

          Für den seit Januar amtierenden Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann ist der Vorstoß in die Zweiradwelt keine überraschende, sondern „eine ziemlich konsequente Entwicklung“, wie er auf der Frankfurter Automesse sagte. „Wir wollen als Unternehmen eben nicht nur Mobilität unterstützen, die auf vier Rädern basiert“, sagt Herrmann. Es sei die Strategie des Unternehmens, auch andere Wege der Mobilität aufzuzeigen, sagt Herrmann.

          Dazu zählt er zum Beispiel auch den Carsharing-Dienst, den Ford nun seit vier Jahren ebenfalls in Köln und Düsseldorf in Eigenregie betreibt. Zudem existieren Partnerschaften mit den dort ansässigen regionalen Verkehrsgesellschaften. Über die Ford-App können Kunden zum Beispiel auch Fahrkarten für Busse und Bahnen kaufen und so den Verkehr in die Innenstädte verringern. „Das ist der Punkt, an dem viele Leute stutzig werden“, sagt Herrmann. „Wir wollen die Menschen auch nicht ganz weg vom Auto bringen. Doch gibt es oft auch effizientere Arten, sich fortzubewegen.“ Deshalb hat Ford inzwischen auch ein Mitarbeiterprogramm aufgelegt, mit dem ein Drittel der Arbeitnehmer am Standort Köln dazu gebracht werden soll, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen. Wenn das Unternehmen die Zahl erreicht, wären das gut 6000 Menschen, die mit Bussen und Bahnen kommen. „Auf unseren Mitarbeiterversammlungen ist der Verkehr auf der täglichen Pendelstrecke das Thema Nummer eins“, sagt Herrmann. Manche Mitarbeiter haben ihm von Fahrten von bis zu anderthalb Stunden für eine Strecke berichtet. Inzwischen wirkt sich das laut Herrmann auch auf Ford selbst aus, und Mitarbeiter wechseln ihren Arbeitsplatz, um einen kürzeren Arbeitsweg zu haben.

          Kooperation mit Streetscooter GmbH

          Das Feld für Mobilitätsdienstleistungen beackert Ford derzeit noch in relativ kleinem Maßstab. Im besten Falle ist es aber das Ziel, das Angebot auch auszuweiten. Das gilt auch für ein zweites Projekt, das der Autohersteller unlängst vorgestellt hatte. Ford kooperiert mit der Streetscooter GmbH, einem Tochterunternehmen der Deutschen Post DHL, das für den Logistiker elektrisch betriebene Transportfahrzeuge herstellt. Innerhalb des Gemeinschaftsunternehmens sollen noch in diesem Jahr rund 150 Vorserienfahrzeuge entstehen. Bis Ende des Jahres soll die Produktion auf bis zu 2500 Transporter hochgefahren werden. Was aus dem Projekt einmal werden könnte, sei offen, sagte der Ford-Europachef Steven Armstrong. Wenn es aber anfängt zu blühen, könnte es durchaus das Potential haben, auch in andere Weltregionen exportiert zu werden.

          Die ersten Elektrofahrzeuge werden vorerst noch bei der Streetscooter GmbH in Aachen entstehen. Längerfristig könnte die Elektromobilität aber auch im Ford-Werk in Köln-Niehl ankommen. Deutschland-Chef Gunnar Herrmann hatte zu seinem Amtsantritt gesagt, dass der Standort zu einem Kompetenzzentrum für Elektromobilität werden soll. Seinen Angaben zufolge habe Ford schon begonnen, den Wandel dahin zu vollziehen. Ein Teil der jährlich 250 Auszubildenden werde schon jetzt auf Berufsfelder vorbereitet, die mit der Elektromobilität zusammenhängen.

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