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Flugzeughersteller : Airbus-Flugzeuge kommen künftig auch aus Amerika

Airbus-Präsident Fabrice Brégier bei der Werkseröffnung im amerikanischen Mobile in Alabama Bild: dpa

Der europäische Flugzeughersteller eröffnet sein erstes Werk in den Vereinigten Staaten. Er verspricht, dass der Standort Hamburg darunter nicht leiden wird.

          Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, der sich als Symbol europäischer Zusammenarbeit sieht, ist jetzt auch in Amerika angekommen. Der Flugzeughersteller hat am Montag nahe der Küstenstadt Mobile im Bundesstaat Alabama, sein erstes Endmontage-Werk auf dem Boden der Vereinigten Staaten eröffnet.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es ist der vierte Airbus-Standort dieser Art neben den Fabriken in Toulouse, Hamburg und im chinesischen Tianjin. Als jüngstes Werk der Flugzeugindustrie soll es auch das effizienteste der Welt sein, gab Airbus bekannt. Der neue Standort zielt vor allem auf Aufträge der amerikanischen Fluggesellschaften und soll damit dem Erzrivalen Boeing in seiner Heimat Marktanteile wegnehmen. „Kein anderes Luftfahrtunternehmen ist so international aufgestellt wie wir“, jubelte der Vorstandsvorsitzende der Airbus Group, Tom Enders, in Mobile.

          Boeing schickt sich freilich auch an, seine Standorte international zu diversifizieren. Bisher montiert der Konzern nur auf amerikanischem Boden seine Flugzeuge zusammen, auch wenn er viele große internationale Zulieferer hat. Wie die Fachzeitschrift „Aviation Week“ berichtete, plant Boeing die Endmontage von einigen Modellen der 737-Reihe in einen neuem Werk in der Volksrepublik China. Das Vorhaben solle noch in diesem Monat anlässlich des ersten Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben werden. Die Unternehmensführung wollte sich dazu nicht konkret äußern.

          Non-stop nach Hawaii

          Im neuen amerikanischen Airbus-Werk sollen die Kurz- und Mittelstreckenmodelle A320 und der etwas größere A321 endmontiert werden. Sie sind das Brot- und Buttergeschäft des Unternehmens. Die Nachfrage nach dem größeren A321-Modell mit bis zu 240 Sitzen ist in den jüngsten Jahren stark gestiegen. Mehr als die Hälfte der Produktion aus Alabama soll aus Maschinen dieses Typs bestehen, sagte der Airbus-Chef Fabrice Brégier – ein Anteil, der in den kommenden Jahren wahrscheinlich auf drei Viertel steigen werde.

          Der A321 kommt bei amerikanischen Fluggesellschaften gut an, weil sie damit beispielsweise von der Westküste non-stop nach Hawaii fliegen können. Airbus schätzt den Bedarf an Maschinen der A320-Familie in den Vereinigten Staaten in den nächsten 20 Jahren auf 4700 Flugzeuge. Das europäische Unternehmen hat seinen Marktanteil in den Vereinigten Staaten nach eigenen Angaben seit 2012 gemessen an den Auslieferungen auf 40 Prozent verdoppelt.

          Dennoch soll die geplante Leistung des neuen Airbus-Werks vorerst überschaubar bleiben. Für Ende 2017 ist eine Produktionsrate von vier Maschinen im Monat vorgesehen, die gleiche wie im chinesischen Tianjin. Zum Vergleich: Aus Hamburg kommen derzeit monatlich 22 Maschinen des gleichen Typs, aus Toulouse sind es 16.

          Jede Woche ein Schiff aus Hamburg

          Das Werk in Alabama könnte seine Produktion leicht auf maximal 8 Maschinen im Monat verdoppeln, doch zunächst will Airbus die Entwicklung der Nachfrage abwarten. Wenn der Standort voll ausgebaut ist, soll er rund 1000 Beschäftigten Arbeit verschaffen. Das sei keine Konkurrenz für andere Werke, etwa jenes in Hamburg, betont Airbus. „Auf jede Stelle in Mobile kommen mehrere in Europa“, sagte Enders. Wenn der Standort hochgelaufen ist, soll dort fast jede Woche ein Schiff mit Komponenten aus Hamburg ankommen.

          Airbus-Chef Brégier bestätigte in Mobile auch, dass die deutsche Endmontagelinie nicht vernachlässigt werde. Weil die Nachfrage nach Maschinen der A320-Familie so groß ist, will Airbus in diesem Jahr entscheiden, ob die monatliche Produktionsrate weltweit von 42 auf 60 erhöht werden solle. In diesem Fall soll Hamburg eine vierte Montagelinie erhalten, bevor die Produktion in Alabama weiter hochgefahren werde, sagte Brégier.

          Airbus sitzt wie der Rivale Boeing auf einem hohen Auftragsberg. Bei dem europäischen Hersteller sind es annähernd 6400 Flugzeuge. Mehr als 5100 Maschinen entfallen dabei auf die Modellfamilie A320.

          Amerika : Airbus eröffnet erstes Flugzeugwerk

          Quelle: F.A.Z.

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