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Flugmesse in Farnborough : Boeing fliegt Airbus in diesem Jahr davon

In diesem Jahr unter ungünstigen Vorzeichen: Flugmesse in Farnborough. Bild: dpa

Seit Januar verzeichnen die Amerikaner mehr Bestellungen und mehr Auslieferungen. Doch wie die Flugmesse von Farnborough zeigen wird, müssen sich beide Hersteller auf geringere Nachfrage einstellen.

          Die Flugvorführungen auf der Luftfahrtschau von Farnborough werden in diesem Jahr stark eingeschränkt. Ein tödlicher Unfall bei einer Airshow im englischen Shoreham im vergangenen August hat zu schärferen Vorschriften geführt. Bei der am 11. Juli beginnenden Luftfahrtmesse dürfen die Maschinen nur über völlig unbesiedelten Gegenden fliegen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Überall regiert in diesem Jahr die Vorsicht. Das gilt auch allgemein für die zivilen Flugzeughersteller, deren Geschäft nicht mehr so brummt wie in den vergangenen Jahren. Nur 459 Maschinen sind im ersten Halbjahr bei Boeing und Airbus bestellt worden. In der zweiten Jahreshälfte ziehen die Aufträge erfahrungsgemäß zwar meistens an, doch ein Niveau wie in den Vorjahren erscheint außer Reichweite. Zum Vergleich: 2015 waren noch 1848 Maschinen bei den beiden Kontrahenten geordert worden und in den beiden Jahren davor sogar jeweils mehr als 2850 Flugzeuge. Als „normal und natürlich“ hat der Airbus-Verkaufschef John Leahy kürzlich diesen Rückgang dargestellt; wenn die Hersteller so wie Airbus in einem Jahr mehr als 1000 Bestellungen entgegennehmen, doch nur 650 Maschinen ausliefern, dann könne man den wirklichen Wert der Bestellungen durchaus in Frage stellen, sagte er.

          So gesehen, hat auch der hohe Auftragsberg bei Boeing (rund 5800 Flugzeuge) und bei Airbus (6800) nur einen relativen Wert. Viele Bestellungen haben Auslieferungstermine in weiter Zukunft, und keiner weiß, was bis dahin alles passiert. Heute schon sind einige dunkle Wolken aufgezogen. In den großen Wachstumsländern wie China laufen die Konjunkturmotoren langsamer, und in Europa stockt es bekanntlich auch. Der niedrige Ölpreis ist für die Volkswirtschaften zwar ein willkommener Schmierstoff, doch gleichzeitig verringert er den Druck auf die Fluggesellschaften, sich neue, spritsparende Maschinen anzuschaffen.

          Hausgemachte Schwierigkeiten

          Hinzu kommen hausgemachte Schwierigkeiten durch Schwächen in den Zulieferketten. Vor allem Airbus hat beim Kurz- und Mittelstreckenflieger A320 Neo mit Triebwerksproblemen von Pratt&Whitney (P&W) zu kämpfen sowie mit Lieferverzögerungen des französischen Kabinenausstatters Zodiac für das Langstreckenflugzeug A350. P&W will die Schwierigkeiten nach eigenen Angaben nun im Griff haben, doch der Schaden ist erheblich: Ganze acht A320 Neo hat Airbus im ersten Halbjahr ausgeliefert; Dutzende Maschinen standen monatelang ohne Triebwerke auf den Rollfeldern in Toulouse herum. Gleichzeitig wurden nur zwölf A350 ausgeliefert. Wenn Airbus in diesem Rhythmus weitermacht, unterschreitet der Konzern das Niveau der Auslieferungen des Vorjahres. Auch das Ziel, bis Mitte 2019 die monatliche Produktionsrate der A320-Familie auf 60 zu erhöhen, erscheint da zweifelhaft.

          Lieferschwierigkeiten sind Gift für die Auftragsakquise. So dürften sie auch dazu beigetragen haben, dass Boeing in diesem Jahr beim Kundenfang anders als 2015 die Nase vorne hat. Abzüglich der Stornierungen holte der amerikanische Konzern im ersten Halbjahr Bestellungen über 276 Maschinen herein - 93 mehr als Airbus. Gerade der europäische Hersteller nutzt gerne die Flugschauen für die Bekanntmachung neuer Aufträge, doch der Rückstand zu seinem Rivalen ist erheblich.

          So kann der amerikanische Konzern das zweite Halbjahr mit gewisser Gelassenheit angehen. 100 Jahre nach seiner Gründung - das Jubiläum soll in Farnborough gefeiert werden - sieht er sich in wichtigen Teilen des Luftfahrtmarktes gut aufgestellt, wie der Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg im Gespräch mit europäischen Journalisten betonte. Mit den größeren Varianten der 787 (Dreamliner) und dem langjährigen Verkaufsschlager 777 sei der Hersteller im Mittel- und Langstrecken-Segment gut vertreten, meinte der Konzernchef.

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